Umfangreiche Recherchen laufen

Angst vor dem seltenen Hirntumor in Petershütte bei Osterode

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Sprengstoff-Blocks in einem Kriegsgebiet: Bis heute wird TNT militärisch eingesetzt.

Osterode/Petershütte. In und um Petershütte geht die Angst vor Krebserkrankungen um. Anlass dafür sind vermehrt aufgetretene Fälle von Glioblastome. Das sind extrem seltene, bösartige und kaum heilbare Hirntumore.

Als mögliche Ursache könnten extrem giftige Abwässer aus der TNT-Produktion während des Zweiten Weltkriegs in Betracht kommen.

Der Landkreis Göttingen ist durch den Arzt Dr. Ingo Wruck (früher Petershütte, jetzt Berlin) auf die erhöhte und untypische Fallzahl der Krebserkrankungen aufmerksam gemacht worden. Die Behörde nimmt diesen Hinweis sehr ernst, hat bereits umfangreiche Recherchen eingeleitet und startet in diesem Jahr Untersuchungen, die 210.000 Euro verschlingen werden. Das Geld für die Boden- und Grundwasserproben hat das Niedersächsische Umweltministerium bereits bewilligt.

Vier Todesfälle

Von Wruck alarmiert hat der Landkreis Göttingen in aufwändiger Kleinarbeit 17 000 Todesfälle im Zeitraum zwischen 1992 und 2016 im Bereich Petershütte, Lasfelde und Katzenstein unter die Lupe genommen. Dabei gab es zunächst keine Auffälligkeiten. Beim Blick speziell auf Hirntumore stellte sich dann allerdings heraus, dass die Zahl dieser seltenen Krankheitsfälle zwischen 2009 und 2016 in Petershütte mit vier Fällen deutlich über dem Durchschnitt liegt.

Dr. Eckhard Mayr vom Fachbereich Gesundheit des Landkreises Göttingen und Michael Hoopmann vom Landesgesundheitsamt stellten bei einer Pressekonferenz im Osteroder Kreishaus sowohl das Krankheitsbild als auch mögliche Ursachen dieses bislang wenig erforschten Krankheitsbildes vor. Eine Ursache könnte auf die während des Zweiten Weltkriegs bei Clausthal-Zellerfeld erfolgte Produktion von TNT zurückzuführen sein. Bis zu 28.000 Tonnen wurden dort im Werk Tanne jährlich produziert. Die giftigen Abwässer wurden über Leitungen und dann über die Bremke nach Petershütte geleitet, wo sie in sogenannten Schluckbrunnen verpresst wurden. Die gesamten dorthin verbrachten Abwässer würden umgerechnet die Innerstetalsperre im Harz füllen, so Landkreis-Pressesprecher Ulrich Lottmann.

Parallel zu den Untersuchungen wird der Landkreis Hinterbliebene von Verstorbenen in Petershütte anschreiben und befragen. Bei Fragen können sich Bürger unter der Telefonnummer 05522/4070000 auch direkt an die Gesundheitsbehörde des Kreises wenden.

TNT ist bis heute ein wichtiger militärischer Sprengstoff

Trinitrotoluol (TNT) ist laut Online-Lexikon Wikipedia bis heute ein wichtiger militärischer Sprengstoff.

Verwendet wird TNT militärisch und gewerblich in Mischungen als Sicherheitssprengstoff, der nur durch Initialzündung (beispielsweise durch eine Sprengkapsel) zur Detonation gebracht werden kann. Die großtechnische Produktion begann erstmals im Jahr 1901.

Im Zweiten Weltkrieg wurde TNT wiederum verstärkt produziert. Sogenannte „Schlaffabriken“ wurden schon vor Kriegsanfang errichtet, zumeist mit zweifacher Ausführung der Anlagen, damit bei Zerstörungen und Beschädigungen weiter Sprengstoff hergestellt werden konnte.

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