6000 Euro Schmerzensgeld im Gespräch

Anklage: 38-Jähriger soll wegen Stalkings für dreieinhalb Jahre in Haft

Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Dort ist ein 38-Jähriger wegen Stalkings angeklagt.
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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Dort ist ein 38-Jähriger wegen Stalkings angeklagt. (Symbolbild)

Weil er einen ihm unbekannten Mann durch jahrelanges Stalking terrorisiert haben soll, soll ein 38 Jahre alter Angeklagter aus Göttingen für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Göttingen – Das hat die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer vor dem Amtsgericht Göttingen gefordert.

Der Angeklagte habe einem heute 68 Jahre alten Mann aus Göttingen durch seine massiven Nachstellungen mehrere Jahre eines Lebens geraubt, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Er habe sich damit der Beleidigung, der Verleumdung, der schweren Körperverletzung, der Nachstellung in besonders schwerem Fall sowie des Verstoßes gegen das Urheberrecht schuldig gemacht.

Der Verteidiger plädierte dagegen auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Als Bewährungsauflage regte er an, dass sein Mandant sich einer tiefenpsychologischen Behandlung unterziehen sollte. Der Angeklagte soll sein Opfer, das er nur vom Sehen aus einem Geschäft in der Göttinger Innenstadt kannte, zwischen 2014 und 2018 massiv gestalkt haben. Unter anderem soll er den Händler durch anonyme Anrufe, E-Mails, Verbreitung von Fotos und Videoaufnahmen sowie Warenbestellungen und Zeitschriften-Abos unter dessen Namen terrorisiert haben. Der 68-Jährige fühlte sich durch die permanenten Nachstellungen so verunsichert und bedroht, dass er sich irgendwann nicht mehr aus dem Haus traute, 17 Kilo Gewicht verlor und schließlich aufgrund seiner desolaten psychischen und körperlichen Verfassung zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus kam.

Bevor die Plädoyers gehalten wurden, einigten sich die Parteien im so genannten Adhäsionsverfahren auf einen Vergleich. Darin verpflichtet sich der Angeklagte, der keiner geregelten Tätigkeit nachgeht und an einer Abendschule sein Abitur nachzumachen versucht, dem 68-Jährigen ein Schmerzensgeld von 6000 Euro zu zahlen. Außerdem ist der 38-Jährige dazu verpflichtet, dem Opfer alle weiteren Schäden zu ersetzen, die durch die Nachstellungen entstanden sind.

Der Opferanwalt plädierte ebenfalls auf eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Sollte das Gericht eine Bewährungsstrafe verhängen, sei dem Angeklagten ein umfassendes Kontaktverbot aufzuerlegen.

Verteidiger Henner Garth machte geltend, dass der 38-Jährige sich aus eigenem Antrieb erst einem Pater offenbart und dann der Polizei gestellt habe. Eine Schwulenfeindlichkeit lege nicht vor, sein Mandant habe nur das Aussehen des 68-Jährigen lustig gefunden. Der Angeklagte richtete sich in seinem Schlusswort direkt an den 68-Jährigen: „Ich möchte, dass Sie wieder gesund werden“, sagte er. (Heidi Niemann)

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