Plädoyers gehalten

Prozess: Anklage fordert 13 Jahre für tödliche Messerattacke in Göttingen

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Plädoyers im Prozess: Das Opfer flüchtete sich nach Messerattacke in diese Apotheke und verstarb dort.  

Göttingen. In dem seit Anfang Februar laufenden Prozess um eine tödliche Messerattacke in der Innenstadt von Göttingen wurden am Freitag vor dem Landgericht Göttingen die Plädoyers gehalten.

Die Staatsanwaltschaft forderte für den bereits vielfach vorbestraften Angeklagten eine Gesamtfreiheitsstrafe von 13 Jahren wegen Totschlages, schwerer räuberischer Erpressung und schweren Raubes. Der 39-Jährige habe im August vergangenen Jahres einen 44-jährigen Bekannten im Eingangsbereich einer Gaststätte angegriffen und mit einem Messer in den Bauch gestochen. Der Schwerverletzte hatte sich danach noch in eine nahegelegene Apotheke begeben, wo er kurz darauf an starken inneren Blutungen verstarb.

Einige Tage zuvor hatte der 39-Jährige nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in einem Wohnkomplex an der Groner Landstraße eine 43-jährige Frau bedroht und Geld gefordert. Diese habe ihm dann 200 Euro ausgehändigt. Später habe er sie mit einem Metallrohr bedroht und weiteres Geld aus ihrer Wohnung mitgenommen. Die 43-Jährige habe diese Vorfälle zunächst nicht angezeigt, weil sie Angst vor dem Angeklagten gehabt habe, sagte Staatsanwalt Andreas Buick.

Bei diesen Taten sei der Angeklagte aufgrund seiner Drogensucht nur eingeschränkt schuldfähig gewesen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollte er wegen eines Hangs zu berauschenden Mitteln deshalb auch in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden.

Die 43-Jährige hatte nach dem tödlichen Vorfall in der Göttinger Innenstadt gegenüber der Polizei ausgesagt, dass sie dem 44-Jährigen von den Bedrohungen durch den 39-Jährigen erzählt habe. Dieser habe ihr dann versprochen sie zu beschützen. Daraufhin soll der Angeklagte den 44-Jährigen aufgesucht und gesagt haben: „Misch dich nicht in Geschichten ein. Ich habe es dir gesagt, ich stech‘ dich ab.“

Einige Tage später soll es dann zu dem tödlichen Vorfall gekommen sein. Der Angeklagte habe den 44-Jährigen am Tattag in einem Imbiss gesehen, sagte der Staatsanwalt. Er habe sein Fahrrad abgestellt, die Tür geöffnet und dem 44-Jährigen ein Messer in den Bauch gestoßen.

Der Angeklagte selbst hatte dagegen angegeben, dass der 44-Jährige ihn zuerst mit dem Pfeffergel angegriffen und auf die Straße gedrängt habe. Er habe Angst gehabt und in Notwehr ein Messer gezogen.

Verteidiger Hans Erik Schumann machte geltend, dass die Angaben der 43-jährigen widersprüchlich und nicht glaubwürdig seien. Außerdem behauptete er, dass der Getötete ein V-Mann der Polizei gewesen sei. Sein Mandant habe in Notwehr gehandelt. Einen konkreten Antrag stellte er nicht.

Der Angeklagte sagte am Freitag in seinem Schlusswort, dass er keinen Grund gehabt habe, den 44-Jährigen anzugreifen. „Ich war überrascht und hatte auch Angst um mein Leben.“

Das Gericht will sein Urteil Anfang Juli verkünden.

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