Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Anklage: Rechte Aktivisten sollen „bewaffnete Gruppe“ gebildet haben

Göttingen/Friedland. Drei Aktivisten der inzwischen umbenannten rechtsextremen Gruppierung „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ müssen sich demnächst vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat den 40-jährigen Versicherungsmakler Jens Wilke aus Friedland sowie zwei 28 und 23 Jahre alte Gesinnungsgenossen wegen Bildung einer bewaffneten Gruppe angeklagt. Die Strafverfolgungsbehörde wirft ihnen vor, in der Zeit von September bis Dezember 2016 sich zwecks gemeinsamer Aktionen zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele zu einer Gruppe mit hierarchischer Struktur zusammengeschlossen zu haben, die über eine Vielzahl an Waffen und anderen gefährlichen Werkzeugen verfügt.

Razzia Ende Februar

Die Bildung einer bewaffneten Gruppe ist ein Vergehen, das mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet wird. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Rechtsaktivisten vor, bei ihren Aktionen Waffen und gefährliche Werkzeuge mit sich geführt zu haben. Sie seien dabei grundsätzlich bereit gewesen, die Waffen einzusetzen. Die Ermittler hatten Ende Februar bei einer Razzia unter anderem sieben Messer, eine Axt, einen Schlagring, eine Machete, zwei Säbel, zwei Teleskop-Schlagstöcke, zwei angespitzte Schlagstöcke, zwei Schreckschusspistolen, eine Einhand-Armbrust mit fünf Pfeilen sowie Quarzhandschuhe und Pfefferspray sichergestellt.

Die rechtsextreme Gruppe, die sich inzwischen „Volksbewegung Niedersachsen“ nennt, hatte monatelang einen regelrechten Kundgebungsmarathon in Göttingen und Umgebung veranstaltet. Hauptagitator war dabei Jens Wilke, der auch bei der Kommunalwahl auf der NPD-Liste als Landrat kandidierte und sich regelmäßig als Redner und in Facebook-Videos mit aggressiver Rhetorik lautstark in Szene setzte.

WhatsApp

Nach Ansicht der Ermittler war Wilke der Kopf der Gruppe. Der 40-Jährige habe die gemeinsamen Aktionen geplant, koordiniert und angeführt, sagte ein Sprecher. Mit den anderen Angeschuldigten habe er über den verschlüsselten Messaging-Dienst WhatsApp kommuniziert. Er habe sie wiederholt angewiesen, keine Handys und anderen Kommunikationsmittel zu nutzen.

Die Kommunikation müsse „unterm Radar“ stattfinden, Detailabsprachen sollten über eine geschlossene Facebook-Gruppe getroffen werden. Wilke habe zudem einen Stammtisch in seinem Garten abgehalten, um Absprachen und Verabredungen zu treffen.

Alle drei Freundeskreis-Aktivisten sind bereits vorbestraft, gegen sie sind zudem diverse andere Verfahren anhängig.

Rubriklistenbild: © Archiv/bsc

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