Haus der Hoffnung eröffnet Büro

Anlaufpunkt für Bewohner von Mehrfamilienhaus am Hagenweg in Göttingen

Besuch am Hagenweg 20: Der Göttinger Ratsherr Olaf Feuerstein informierte sich erneut über die Situation in dem Problemwohnblock.
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Besuch am Hagenweg 20: Der Göttinger Ratsherr Olaf Feuerstein informierte sich erneut über die Situation in dem Problemwohnblock.

Eine Anlaufstelle für Bewohner erhält die Göttinger Problemimmobilie Hagenweg 20 im August. Die Coreo Göttingen Residential mit Sitz in Frankfurt, der gut die Hälfte der insgesamt 164 Wohnungen gehören, stellt ein Appartement zur Verfügung.

Göttingen – Dort bekommen die beiden erfahrenen 450-Euro-Kräfte ein Büro, die der christliche Verein Haus der Hoffnung bereits seit dem Frühjahr im Haus einsetzt. Ratsherr Olaf Feuerstein (CDU), der seit März wöchentlich im Gebäudekomplex vorbeischaut und mit zahllosen Beschwerdebriefen für Bewegung sorgt, hilft bei der Einrichtung.

„Bewohner können bei einer Tasse Kaffee ihr Anliegen vortragen“, erläutert Vereinsvorstand Martin Dieckmann das Konzept. Die beiden Lotsen weisen den Weg zu vorhandenen Hilfsangeboten. „Wir assistieren beim Ausfüllen von Formularen, unterstützen Suchtkranke bei der Suche nach einem Therapieplatz, helfen entlassenen Strafgefangenen den Schulabschluss nachzuholen oder Langzeitarbeitslosen eine Stelle zu finden“, führt Dieckmann aus.

Die Mitarbeiter animieren die gut 40 Kinder bulgarischer und rumänischer Roma-Familien Freizeitangebote wahrzunehmen. „Die Stadt organisiert für sie zum Beispiel derzeit ein Ferienprogramm“, ergänzt der Leiter des nahen Weststadtzentrums, Ovidiu Ionut Ioan. Er stammt aus Rumänien und dolmetscht für seine Landsleute.

Auch Missstände im Haus können Bewohner melden. Einige wurden auf Drängen von Ratsherr Feuerstein bereits abgestellt. So sind die meterhohen Müllberge vor dem Haus verschwunden, seit es mehr Abfallcontainer gibt und die Göttinger Entsorgungsbetriebe Sperrmüll wöchentlich abfahren. In den Fluren liegt kein Unrat mehr. Auch die Tiefgarage ist vergleichsweise sauber. Einzelne aufgebroche Garagentore geben jedoch den Blick auf ein chaotisch vollgestopftes Inneres frei. Einbrecher haben den Inhalt auf der Suche nach Wertgegenständen teilweise auf dem Boden davor verteilt.

Vor dem Gebäude können – seit dort große Steine platziert worden sind – keine Autos mehr parken. Das hat die dortigen Gebrauchtwagengeschäfte zum Erliegen gebracht. „Zurückgegangen ist zudem der offene Drogenhandel“, berichtet Vereinsvorstand Dieckmann.

Für eine „elegante Lösung“ hält Armin Ede von der Coreo die neue Anlaufstelle. Sie entlaste die Hausverwaltung. An sie wendeten sich die Bewohner bisher oft mit sachfremden Anliegen. Ede erhofft sich zudem eine Beruhigung im Haus und weniger Vandalismus. „Neulich hat zum Beispiel ein Bewohner, weil er seinen Haustürschlüssel vergessen hatte, die Tür eingetreten und so einen Schaden von 300 Euro verursacht“, berichtet Ede.

In dem Gebäude, das aus den 70er Jahren stammt, bleibt viel zu tun. Im obersten Stockwerk tropft Regenwasser durch die Hausdecke. Bewohner fangen es mit Eimern auf, damit es nicht in ihre Wohnungen läuft. „Wir werden die Dehnungsfugen des Dachs erneuern lassen“, kündigt Coreo-Mitarbeiter Ede. Wände müssen aufgestemmt werden, weil aus korrodierten Rohren Wasser rinnt. Auf den Fluren herrschen zum Teil tropische Temperaturen, weil Heizungs- und Warmwasserrohe nicht isoliert sind. Wandpartien sind schwarz verschimmelt. In der Tiefgarage hängen Kabel gefährlich weit von der Decke herab.

164 Wohnungen, gut 15 Eigentümer – Coreo besitzt die meisten Anteile

„Kostspielige Sanierungsarbeiten in der Eigentümerversammlung zu beschließen, ist nicht einfach“, betont Armin Ede von der Coreo Residential Göttingen. Zwar habe Coreo dort als größter Eigentümer „eine komfortable Mehrheit“. Das Unternehmen dürfe aber die anderen gut 15 Eigentümer finanziell „nicht überfordern“. Kämen Beschlüsse zustande, ließen sie sich oft nicht zeitnah umsetzen. Handwerksbetriebe hätten derzeit gut zu tun, Baumaterial sei knapp. Zudem wollten manche Firmen nicht in der Immobilie arbeiten – aus Angst um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter oder vor Ratten und Kakerlaken. „Einiges setzen wir in Absprache mit der Stadt um“, berichtet Ede. Die Verwaltung habe eine Taskforce eingerichtet, die sich mit den „prekären Immobilien“ in Göttingen befasse. Er nehme an den zweiwöchentlichen Treffen teil. Es habe Begehungen mit der Sozialdezernentin, Feuerwehr, dem Bauamt gegeben. (zmc)

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