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Anleger verlieren Millionen – Prozess am Landgericht Göttingen verzögert sich

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Von: Heidi Niemann

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Das Bürgerhaus in Bovenden: Dort begann am Montag ein umfangreicher Prozess um die Erneuerbare Energieversorgung.
Das Bürgerhaus in Bovenden: Dort begann am Montag ein umfangreicher Prozess um die Erneuerbare Energieversorgung. (Symbolbild) © Bernd Schlegel

Ein Prozess vor dem Landgericht Göttingen wegen eines mutmaßlichen Anlagebetruges bei der EEV Erneuerbare Energieversorgung verzögert sich.

Bovenden/Göttingen – Das Strafverfahren gegen frühere Verantwortliche des Göttinger Unternehmens EEV Erneuerbare Energieversorgung AG entwickelt sich zu einer unendlichen Geschichte der Neuauflage vor Gericht.

Im Oktober 2021 – etwa sechs Jahre nach der Firmeninsolvenz – war vor der großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Göttingen ein erster Prozess gegen fünf frühere EEV-Manager gestartet. Im Sommer 2022 platzte der Prozess, weil zwei Angeklagte längerfristig erkrankt waren. Damit sich der Prozess nicht noch weiter verzögerte, trennte das Gericht das Verfahren gegen einen der Angeklagten ab und setzte für Anfang Januar 2023 eine Neuauflage des Prozesses an. Schon beim ersten Termin am Montag kam es aber zur weiteren Verzögerung: Der Anwalt eines 61-jährigen Angeklagten aus Österreich teilte mit, dass sich sein Mandant in einem Wiener Krankenhaus befinde und nicht erscheinen könne. Die Kammer entschied, die Verhandlung auf Ende Januar zu vertagen. Aktuell gebe es noch keine Grundlage für Zwangsmaßnahmen gegen den Angeklagten, das Gericht behalte sich diese aber gegebenenfalls vor, sagte der Vorsitzende Richter.

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Braunschweig wirft den zwischen 55 und 68 Jahre alten Angeklagten Betrug im besonders schweren Fall, Kapitalanlagebetrug, Verstoß gegen das Gesetz über das Kreditwesen sowie Untreue vor. Laut Anklage sollen sie als frühere Verantwortliche der Erneuerbare Energieversorgung AG (EEV) in Göttingen zwischen Oktober 2012 und August 2014 fast 2000 Anleger betrogen haben. Dadurch sei ein Schaden von mindestens 6,4 Millionen Euro entstanden. Aus prozessökonomischen Gründen hat die Staatsanwaltschaft nur etwa 680 Fälle in die Anklage aufgenommen. Insgesamt sollen bei der EEV Anlegergelder von rund 26 Millionen Euro versickert sein. Die Angeklagten sind ein Steuerberater aus Wien, ein Banker mit britischer und ungarischer Staatsbürgerschaft, ein Forstwirt aus dem Kreis Hildesheim und ein Rechtsanwalt aus Göttingen. Der fünfte Angeklagte, dessen Verfahren abgetrennt wurde, ist ein Unternehmensberater aus Oldenburg.

Der zweite Prozess findet wieder im Bürgerhaus in Bovenden statt, da es im Landgericht Göttingen keinen ausreichend großen Sitzungssaal gibt. Das Gericht hat aktuell Verhandlungstermine bis Ende Januar 2024 angesetzt. Um zu verhindern, dass der Mammutprozess vorzeitig platzen könnte, nehmen außer den regulären Kammermitgliedern auch zwei Ersatzrichter und zwei Ersatzschöffen an der Verhandlung teil. Den Angeklagten stehen je zwei Verteidiger zur Seite.

Die EEV hatte jahrelang ihren Firmensitz an der Dransfelder Straße in Göttingen. Ab Herbst 2012 soll die auf dem grauen Kapitalmarkt agierende EEV rund 26 Millionen Euro eingeworben haben. (Heidi Niemann)

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