Ansturm auf die IGS

Immer mehr Eltern wollen Gesamtschule für ihre Kinder

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Muss viele Kinder ablehnen: Der Ansturm auf Christoph-Lichtenberg-Schule im Süden Göttingens ist riesig.

Göttingen. Der Ansturm auf die Christoph-Lichtenberg- Schule im Süden Göttingens ist riesig: Über 300 Anmeldungen gingen dort bei der Integrierten Gesamtschule in diesem Jahr ein, aber 140 Kinder können nicht angenommen werden.

Ähnlich ist die Situation an der Kooperative Gesamtschule. Sie hatte 260 Anmeldungen und musste 80 Mädchen und Jungen ablehnen. „Die Gesamtschulen müssen auch viele Kinder ablehnen, die Gymnasialempfehlung haben“, berichtet Göttingens Schuldezernent Siegfried Lieske. Bei den Eltern bestehe klar der Wunsch nach weiteren Möglichkeiten, ihr Kind in eine Gesamtschule zu geben, so die Überzeugung des Dezernenten. „Die Anmeldezahlen unterstreichen das.“

Lieske will, bevor die Planung für einen neuen Gesamtschulstandort beginnt, die Zahlen überprüfen lassen beziehungsweise Einschätzungen für die Zukunft bekommen. Deshalb gab es im Schuljahr 2012/13 eine Befragung unter Eltern, deren Kinder die Grundschuljahrgänge eins bis drei besuchen. Ergebnis: Die Mütter und Väter bevorzugen das Gymnasium beziehungsweise die Gesamtschule. Hintergrund: Es gibt in Göttingen die Besonderheit, dass fast zwei Drittel aller Kinder, die Grundschule mit einer Gymnasialempfehlung verlassen.

Die Schulformen Hauptschule und Realschule spielen kaum noch eine Rolle. „Das ist für diese gut arbeitenden Schulen eine bittere Erkenntnis“, sagt Lieske. Die meisten Eltern wünschen sich nach seinen Angaben zudem die Möglichkeit, dass ihr Kind das Abitur ablegen kann, ohne die Schule wechseln zu müssen.

Der Schuldezernent hat deshalb einen Arbeitskreis aus Vertretern beider Schulausschüsse aus Stadt und Landkreis gebildet. Es gibt viele Kinder aus dem Landkreis, die täglich Schulen im Oberzentrum ansteuern. Es gibt auch Göttinger Mädchen und Jungen, die die IGS Bovenden besuchen. „Wir müssen gemeinsam mit dem Kreis planen.“

Beirat aus Experten

Neben dem Arbeitskreis gibt es einen Beirat, dem Experten angehören, die viel über Gesamtschularbeit wissen. „Wir müssen, wenn es einen neuen Gesamtschulstandort in Göttingen geben soll, eine Schule schaffen, die neben den bestehenden Gymnasien und Gesamtschulen bestehen kann.“ Sie sollte Kindern und Angebot machen, das es so in Göttingen bislang noch nicht gibt, so Lieske. Der Beirat soll ein Ideen für ein solches Schulprofil erarbeiten. (bsc)

Hintergrund

80 Teilnehmer machten bei Forum Vorschläge zur Gesamtschule

80 Teilnehmer, darunter viele Lehrer, waren bei einem Forum zum Thema Gesamtschule im Göttinger Ratssaal dabei.

Sie machten Vorschläge, wie eine neue Gesamtschule strukturiert sein könnte. Dabei ging es unter anderem um die Bereichen Lernformen, Internationalität, Einbeziehung vermeintlich Schwächerer sowie Hochbegabte sowie die „Lernende Schule“.

Konkret: So sollen die Mädchen und Jungen in der neuen Schule die Möglichkeit bekommen, „Fremdheitserfahrungen“ zu machen. Ziel könnte es zudem sein, Persönlichkeiten heranzubilden, die in einer sich immer stärker und schneller wandelnden Welt keine Angst vor Veränderungen haben. Die Schule soll Angebote machen, die für intellektuell starke und schwächere Schüler gleichermaßen interessant sind, um Leistungsdifferenzierungen zu vermeiden. Jedes Kinder könnte sich zudem einen eigenen individuellen Lernplan im Bereich von Deutsch und Mathe anlegen.

Ein Expertenteam erarbeitet aus den Vorschlägen eine erste Konzeption. Darüber soll bei einem zweiten Forum Ende Oktober diskutiert werden. Nach der zweiten Runde sollen die Empfehlungen des Beirates den Schulausschüssen, dem Kreistag und dem Rat vorgestellt werden. Vertreter der Politik klären gleichzeitig unter anderem die Fragen des Standortes und der Trägerschaft. (bsc)

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