Lage für Händler und Gastronomen kaum besser

Ansturm in Göttinger Innenstadt blieb am Freitag aus

Zu sehen ist die Göttinger Innenstadt, Weender Straße mit Cafè Alfredo. Der Publikumsverkehr in der Göttinger Innenstadt war moderat. Schlangen vor Geschäften gab es keine, in den Außengastronomien war aber etwas los.
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Der Publikumsverkehr in der Göttinger Innenstadt war am Freitag überschaubar. In den Außengastronomien waren aber viele Stühle besetzt, wie hier in der Weender Straße.

Wie nehmen die Menschen Lockerungen unter schärferen Auflagen wie Impf- und Schnelltestnachweis auf? In Göttingen sind Gäste und Kunden zurückhaltend, Händler unzufrieden.

Göttingen - Freitagmittag in der Göttinger Innenstadt, unter normalen Umständen einer der geschäftigsten Tage der Woche. Während der Pandemie sah das zwischenzeitlich aber auch schon ganz anders aus. Nun gelten zwar seit einiger Zeit Lockerungen, der Publikumsverkehr hält sich aber – immer noch – in Grenzen. Auch, weil es kein einheitliches Vorgehen gibt:

Hier Click&Buy mit vorheriger Anmeldung. dort Türverkauf. Hier Eintritt nur mit Test- oder Impfnachweis, dort kein Eintritt mit Nachweis, weil Außengastronomie. Kurzum: Viele Menschen scheint das – ebenso wie das Wetter – abzuschrecken. Was auch Eckart Kohl, Inhaber der Buchhandlung Calvör festgestellt hat, wie er im Gespräch sagt.

Schlangen mit Wartenden vor den Geschäften gab es an diesem Freitagmittag nicht – außer vor den Apotheken, die Schnelltests anboten, so wie in der Groner Straße.

Häufig zu sehen waren hingegen Hinweisschilder an den Eingängen, die erklärten, welche Voraussetzungen für einen Einkauf gelten – also ob ein Test nötig ist oder Terminshopping oder Türverkauf angeboten wird.

Der Großteil der Geschäfte in der Innenstadt scheint auf Terminshopping zu setzen. Entsprechend oft stehen daher kleine Tische an den Eingängen mit Desinfektionsmittel und Kontaktformularen oder einem Schild mit Barcode für die Luca-App bereit.

Für diejenigen, die sich spontan für einen Einkaufsbummel in der Stadt entschieden, war das auch gut, denn Termine für einen Schnelltest waren am Freitag rar – oder mit Wartezeit verbunden. Im Testzentrum im Deutschen Theater beispielsweise waren die Termine ausgebucht, am Bahnhof standen Menschen Schlange für einen Test.

Stärkeren Besuch gab es in den Außengastronomien der Cafés, Eisdielen und Restaurants. Wobei auch dort noch längst nicht alle Kapazitäten erschöpft waren. Im Bullerjahn im Alten Rathaus waren gegen kurz vor 12 vier Tische besetzt. Cron & Lanz hatte zu dieser Zeit gerade einmal zwei Gäste. Einiges los war beispielsweise bei Alfredo neben der alten Sparkasse, wo acht Tische besetzt waren und beim Eiscafé Collosseum am Markt mit sieben besetzten Tischen. Einige genossen ihr Eis aber auch auf einer der zahlreichen Bänke und Sitzgelegenheiten, so am Jacobi-Kirchhof und am Gänseliesel.

„Die Stadt sieht belebter aus durch die Außengastronomie, aber die Händlerschaft merkt davon eigentlich nichts“, sagt Alexander Grosse, Geschäftsleitung von Wiederholdt Bürobedarf und Vorsitzender des Kreisverbandes Göttingen im Handelsverband Hannover. Seit der neuen Verordnung sei die Lage für die Händler also nicht besser geworden. Der Aufwand sei derzeit einfach zu groß dafür, dass zumeist hauptsächlich Artikel für kleines Geld gekauft würden. Daher sähen auch viele Kunden noch von Geschäftsbesuchen ab. Grosse hofft, dass auch durch steigende Impfzahlen bald substanzielle Lockerungen möglich werden und sich so die Lage für die Händler wieder verbessert.

Robert Vogel, stellvertretender Vorsitzender von Pro City und Inhaber der Cafè-Bar Esprit, sagt, dass es für die Gastronomen schleppend anlief. Es hätten noch immer längst nicht alle geöffnet, viele warteten noch bis zum 1. Juni. Die, die offen haben, könnten aufgrund des besseres Wetters aber eine leichte Verbesserung verzeichnen. „Besser heißt aber nicht, dass es gut ist“, sagt Vogel klar. Geld verdiene man damit kaum, aber die Rückmeldung der Gäste sei positiv. „Wir machen es für die Moral, nicht für den Geldbeutel“, sagt er. „Die Menschen wollen wieder etwas Normalität und hier in der Gastronomie kann man ihnen etwas davon geben“, so Vogel. Man müsse aber dennoch weiter vorsichtig sein und dürfe nichts überstürzen.

Bei manchen sorgen Regelungen für Unverständnis, vor allem aber dann, wenn diese Corona-Regeln nicht beachtet würden. Auch das gab es in dieser Woche zu beobachten, wenn Tests nicht verlangt wurden, stattdessen der ausgefüllte Kontaktadressenzettel angenommen wurde.

Manche Betreiber von Außengastronomien kritisieren auch, dass sie ihre Gäste nur mit Test oder Impfpass draußen begrüßen und bewirten dürfen, andererseits das aber wiederum zum Eintritt in Geschäfte berechtigt, während sie bei einem Regenguss, keinen Geimpften oder Getesteten auch nur einen Sitzplatz im Eiscafè anbieten dürfen. „Seltsam“, findet sagt die Inhaberin des Eiscafès San Marco in der Weender Straße. In der Tat: Seltsam. (Sarah Schnieder/Thomas Kopietz)

Der Publikumsverkehr in der Göttinger Innenstadt war am Freitag moderat. Schlangen mit wartenden Menschen vor Geschäften gab es wenige, in den Außengastronomien war aber durchaus etwas los.

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