Göttingen: Kulturzentrum nutzt größere Räume

Das Apex in Göttingen startet wieder – mit Auswärtsspielen

Kulturstätte mit Kneipe und Restaurant: Während Letztere besucht werden und laufen, ruht der Kulturbetrieb im Obergeschoss noch. Jetzt weicht das Apex aus.
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Kulturstätte mit Kneipe und Restaurant: Während Letztere besucht werden und laufen, ruht der Kulturbetrieb im Obergeschoss noch. Jetzt weicht das Apex aus.

Ein halbes Jahr lag der Kulturbetrieb im Apex brach. Der Veranstaltungsraum in dem kultigen Klub ist zu klein, um unter Corona-Hygiene- und Abstandsregeln wirtschaftlich über die Runden zu kommen.

Göttingen – Nun startet die Kultur im Apex wieder durch – oder besser außerhalb, im Sport würde man sagen mit Auswärtsspielen.

Zu Hilfe gekommen ist den beiden federführenden Programmplanern des Apex-Kulturvereins, Stefan Dehler und Christoph Huber, das Junge-Theater. Es stellt seinen Saal im an der Bürgerstraße bereit.

„Daneben werden wir in Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen auch Programm im Alten Rathaus präsentieren, wo 60 Leute Platz finden“, ergänzt Christoph Huber, der sich über die Kooperation und die besondere Hilfe des JT besonders freut. „Es kann wieder losgehen. Jetzt muss nur noch das Publikum kommen.“

Denn Corona hatte die Kultur im Apex komplett lahmgelegt. 90 Plätze hat der Saal im Obergeschoss des Hauses Burgstraße 46 in der Göttinger Innenstadt normalerweise. „Wir hätten nur 24 Plätze anbieten können, das hätte sich nicht gelohnt“, sagt Christoph Huber.

Theatergruppe Stille Hunde und Vorstand vom Apex-Kulturverein: Stefan Dehler (links) und Christoph Huber.

Bands, Comedians, Kabarettisten seien meist an den Abendeinnahmen beteiligt. „Ein Gastspiel macht also nur dann Sinn, wenn eine Mindestanzahl BesucherInnen untergebracht werden kann.“

Die Folge: Vereinbarte Gastspiele im Apex, die oft mehr als ein Jahr im Voraus geplant wurden, fielen aus. Die oft freischaffenden Einzelkünstler „Eine fatale Situation, die zeigt, wie schlecht diese Künstler abgesichert sind.

Besondere finanzielle Hilfen betrafen vor allem feste Betriebsausgaben. Einzelkünder, die diese meist nicht haben, fielen aus der Förderung“, beschreibt Christoph Huber.

Dass es jetzt weitergeht mit Apex Kultur, ist ein positives Zeichen. Gleichwohl bleiben die Defizite in der Absicherung der freien Künstler und die Gefährdung kleiner Kultureinrichtungen.

Für das eigene Theaterunternehmen Stille Hunde fielen bislang so gut wie alle Auftritte, flach. Erst für November sind wieder öffentliche Vorstellungen in Planung.

Daneben nutzen er und sein Kollege Stefan Dehler die Zeit, um neue Projektideen zu entwickeln – so einen Dokumentarfilm über den Lagerort Moringen und eine Hörspielfassung ihres Klassenzimmerstücks „Die Besserung“.

Der Apex-Kulturbetrieb ist laut Huber nicht im Bestand gefährdet, aber Gespräche mit kooperierenden Agenturen und Künstler zeigten: Die Lage in der Kulturszene generell sehe alles andere als rosig aus.

„Einige Veranstalter und Künstler befinden sich, weil zu viele Spielstätten geschlossen wurden, in wirtschaftlicher Schieflage, manche sind sogar in ihrer beruflichen Existenz bedroht.

Das gilt auch für die lokale Szene“, resümiert Huber. „Deshalb ist es wichtig, dass schnell Veranstaltungsorte mit genug sicheren Besucherplätzen nutzbar gemacht werden, mit denen wirtschaftliches Arbeiten möglich ist.“

Initiativen, so auch von Kunst e.V. in Göttingen und Parteien, Spielstätten bereitzustellen und Transparent zu vergeben, laufen bereits – das macht Mut. (Thomas Kopietz)

Apex-Kultur: das Programm im September und Oktober

Eintritt jeweils 22 Euro, Beginn: 20.15 Uhr, Karten unter: apex-goe.de:

Samstag, 12. September, Altes Rathaus: Robert Capitoni und sein Kabarett Programm „Spätzle, Sex und Dolce Vita“.

Donnerstag, 17. September, Junges Theater: Jaqueline Amirfallah und Comedy Company, „Schmeckt´s? – die Impro-Kochshow.

Freitag, 18. September, Altes Rathaus: Musikkabarett mit Madeleine Sauveur „Lassen Sie mich durch – ich bin Oma!“

Mittwoch, 23. September, Junges Theater, Konzert mit dem Duo Broom Bezzums.

Mittwoch, 30. September, Junges Theater: Blueskonzert mit Bad Temper Joe.

Samstag, 10. Oktober, Altes Rathaus: Kabarett mit Henning Schmidtke: „Egoland“.

Donnerstag, 22. Oktober, Junges Theater: JMO – Jan Galega Brönnimann, Moussa Cissokho & Omri Hason erzählen musikalische Geschichten mit besonderen Instrumenten. Eintritt: 22 Euro. Beginn: 20.15 Uhr.

Leider ausfallen muss am 29. Oktober: Matt Epp und seine Rivers of Tears Tour 2020.

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