Göttingen: Apotheker zeigt Politiker Missstände der Branche auf

Der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) ist bei Michael Winkler zu Gast

(Von links) Apotheker der Südapotheke in Göttingen Michael Winkler, Mitarbeiterin Vanessa Paris und der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler nach einem Gespräch über Apotheken in der Coronakrise.
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Sprachen über Apotheken in der Coronakrise: (von links) Apotheker Michael Winkler, Mitarbeiterin Vanessa Paris und der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler.

Aus der Sommertour des Göttinger Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler (CDU) ist eine „Corona-Tour“ geworden, wie er sagt. Der Politiker besucht Menschen, die ihn wegen ihren Problemen mit der Coronakrise angeschrieben haben.

Göttingen – Kürzlich war er bei Apotheker Michael Winkler in der Südapotheke in Göttingen zu Gast.

Ein großes Thema war dabei die Mehrwertsteuersenkung. Deutsche Apotheken nehmen dadurch pro Medikament netto vier Cent weniger ein. Das seien 12,4 Millionen Euro weniger in einem halben Jahr. „Ich hoffe, dass das alle Apotheker bei ihren Abgeordneten deutlich machen, denn das ist nicht gewollt“, sagt Güntzler. Er selbst habe sich deswegen mit einem Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gewandt.

„Vieles schreiben die Kunden uns zu, zum Beispiel den Maskenpreis“, sagt Winkler. Da habe die Politik den Apotheken auch nicht geholfen, weil sie viele Masken zu hohen Preisen gekauft und damit den Preisdruck erhöht haben. „Bei der Maskenversorgung sind wir dann nicht berücksichtigt worden“, sagt er: „Da werden wir nicht wahrgenommen.“

Ebenso die Systemrelevanz der Apotheken-Angestellten in Niedersachsen: „Ich kann mir gar nicht erklären, warum das in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt wird“, sagt Güntzler. Die Folge sei, dass die Angestellten keinen Anspruch auf eine Notbetreuung gehabt hätten. „Dabei haben wir oft bis zu zehn Stunden am Tag gearbeitet“, sagt eine Mitarbeiterin, die zwischendurch dazukommt. Sie wünscht sich, dass die Arbeit der Mitarbeiter eine höhere Anerkennung bekommt.

Nicht Politiker, sondern alte und kranke Kunden würden ihre Arbeit würdigen. „Die haben leider keine Lobby“, sagt Winkler. Und auch bei den Kunden verändere sich etwas. „Sie sind am Anfang verständnisvoll gewesen, werden aber zunehmend aggressiver“, sagt Apotheken-Mitarbeiterin Vanessa Paris. „Das habe ich auch schon von anderen Branchen gehört“, sagt Güntzler: „Ich kann mit gar nicht vorstellen, was bei einer zweiten Infektionswelle passiert.“

Auch das Zusatzgeschäft sei zum Problem geworden, weil Kunden nur noch das Nötigste kauften, aber nichts mehr nebenbei mitnehmen würden. „Dieses Geschäft ist praktisch tot“, sagt Winkler. Damit brechen bis zu 30 Prozent der Umsätze weg.

Der Apotheker glaubt, dass das Geschehen vor allem dem Versandhandel für Medikamente und dem elektronischen Rezept nutzt. „Die Politik und der Apotheker-Verband haben noch nicht verstanden, dass der Versandhandel im Internet anders funktioniert“, sagt Winkler: „Die wollen kein Geld verdienen, sondern irgendwann ihr Unternehmen verkaufen.“ Beim elektronischen Rezept sieht er die Abhängigkeit von der Internet-Plattform, den Datenschutz und die Gewährleistung der freien Apothekenwahl als Probleme.

Kurz haben die beiden auch den Wirkstoffmangel angesprochen. Lieferengpässe entstünden zum Beispiel durch Länder wie Indien. „Sie brauchen die Medikamente wegen der Coronakrise selbst“, sagt Winkler: „Wir besprechen dann mit dem Arzt, welches Medikament wir alternativ geben können.“  

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