Arbeitgeber wollen kräftig sparen

Gewerkschaften in Südniedersachsen spüren die Corona-Krise bei Verhandlungen

Das Symbolfoto zeigt einige Autodächer, aus deren Seitenfenstern kleine Fähnchen ragen.
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Die IG Metall: In diesem Jahr gibt es eine besonders harte Auseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft und den Arbeitgebern. (Symbolfoto)

Die Gewerkschaftsvertreter bekommen die Coronakrise voll zu spüren. Arbeitgeber führen dessen Folgen bei Verhandlungen an. Das wurde bei einem Gespräch mit Gewerkschaften deutlich.

Göttingen – Die Gewerkschaftsvertreter in Südniedersachsen bekommen die Corona-Krise voll zu spüren. In einer harten Auseinandersetzung befindet sich in diesen Tagen die Industriegewerkschaft Metall. Das machte Manfred Zaffke, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Südniedersachsen-Harz, deutlich.

Das Forderungspaket seiner Gewerkschaft sei mit Blick auf die Corona-Krise voll abgelehnt worden. Die Arbeitgeber sperren sich bislang gegen höhere Löhne in diesem Jahr. Sie haben wie in Nordrhein-Westfalen einen Mix aus Einmalzahlung und Tabellenerhöhung ab 2022 vorgeschlagen.

Probleme gibt es auch im Wissenschaftsbereich

Dagegen fordert die IG Metall ein Paket mit vier Prozent mehr Lohn plus Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten. Deshalb läuft bei der IG Metall eine größere Kampagne zur Mobilisierung der Mitglieder. An ersten Aktionen haben bereits 4000 Beschäftigte in der Region teilgenommen.

Nach Ostern soll es mit schärferen Aktionen weitergehen. Bei Sartorius sind laut Zaffke andere Protest-Formen angedacht, weil das Unternehmen insbesondere als Zulieferer für die Impfstoffproduktion wichtig sei.

Auch im Wissenschaftsbereich haben die Beschäftigten Probleme: Mitglieder der Initiative „Uni Göttingen unbefristet“ wiesen darauf hin, dass mehr als 87 Prozent der 2300 Beschäftigten im akademischen Mittelbau der Uni Göttingen befristete Verträge haben. Deutschlandweit liege dieser Wert bei 80 Prozent.

Öffentliche Aktion Mitte April auf Zentral-Campus geplant

Ein weiteres Problem sind globale Minderausgaben, die das Land Niedersachsen verkündet habe. Dadurch müssten die Uni (3,3 Millionen Euro) und die Uni-Medizin (zwei Millionen Euro) kräftig einsparen.

Mit einer öffentlichen Aktion wollen die Betroffenen am Donnerstag, 15. April, ab 16 Uhr auf dem Zentral-Campus auf ihre Situation aufmerksam machen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sorgt sich um die Zukunft des Vereins „Bildungsregion Südniedersachsen“, der möglicherweise in der Südniedersachsenstiftung aufgehen soll.

Für die Gewerkschaft sind die zukünftigen Entscheidungsstrukturen unklar. Es sei einfach zu wenig, nur die Vereinsziele in die Satzung der Stiftung zu übernehmen, so GEW-Kreisvorsitzende Elke Moeken.

Große Gefahren für Tourismus und Gastronomie

Moritz Braukmüller von Verdi schaut mit Sorge auf die Zukunft der Bankenlandschaft. So gebe es harte Auseinandersetzungen um das 13. Monatsgehalt für die Beschäftigten von „DB Direkt“, der Callcenter-Tochter der Deutschen Bank.

Bei der Commerzbank befürchtet er einen Stellenabbau. Bei vielen Banken gebe es zudem den Ansatz, dass durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz einfachere Arbeiten wegfallen könnten.

Katja Derer von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sieht große Gefahren für den Tourismus und die Gastronomie – insbesondere im Harz. Sie befürchtet, dass 2020 ein Drittel des Umsatzes (etwa eine Milliarde Euro) weggebrochen ist.

Tarifverträge als Schlüssel zu mehr Geld für Mitarbeiter

Sie lobt die Tarifverträge, die bei etwa der Hälfte der Betriebe gelten. Sie sorgten dafür, dass die Beschäftigten auch während der momentanen Kurzarbeit mehr Geld in der Tasche haben. Gleichzeitig sieht sie die Gefahr, dass viele der Beschäftigten in andere Branchen abwandern.

Die Gewerkschaft Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie versucht nach Angaben von Mathias Heiden, einen Haustarifvertrag mit dem Holzmindener Duft- und Geschmacksstoffhersteller Symrise abzuschließen.

Dieses Unternehmen profitiere seit zehn Jahren von einem Standortsicherungsvertrag. So arbeiten die Beschäftigten dort 40 Stunden pro Woche – nicht 38,5 Stunden. (Bernd Schlegel)

Maifeiertag steht unter dem Motto „Solidarität ist Zukunft“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) will zum Maifeiertag unter dem Motto „Solidarität ist Zukunft“ zu insgesamt acht Freiluft-Veranstaltungen in Südniedersachsen einladen – natürlich unter Beachtung der Hygiene-Regeln. Dazu werden auf den Straßen und Plätzen Markierungen angebracht, damit die Abstände gut eingehalten werden können.

Hinzu kommt ein umfangreiches digitales Angebot. Allerdings wird wegen der Pandemie auf Familien- und Kulturfeste verzichtet. Stattdessen gibt es am Vorabend ein Kulturprogramm per Internetstream. Derzeit sucht der DGB Beschäftigte, die in kurzen Videointerviews Antworten auf die Fragen „Was sorgt uns gerade?“, „Wie wollen wir aus der Krise gestärkt rauskommen?“ und „Was ist eine solidarische Zukunft?“ geben wollen.

Im Bereich der Erwachsenenbildung des DGB geht es um die Themen „Warum wählen Frauen rechts?“ sowie die Betriebsratswahlen im kommenden Jahr.

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