Trotz Corona-Krise

Arbeitsagenturchef Klaus-Dieter Gläser: Gute Chancen auf eine Lehrstelle

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Ein Schreiner-Lehrling bei der Ausbildung: Noch bestehen gute Chancen, sich eine interessante Stelle für 2020 zu sichern.

Durch die Corona-Krise kommt es auch beim Thema Berufsausbildung zu bestimmten Problemen. Wir sprachen dazu mit Klaus-Dieter Gläser, dem Chef der Göttinger Agentur für Arbeit.

Ist es für junge Leute durch die Corona-Krise schwieriger, eine Lehrstelle zu finden?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Wir haben seit Mitte März die Corona-Krise. Durch den Lock-Down mussten viele Bewerbungs- und Vorstellungsgespräche auf später verschoben werden. Bei den Betrieben, die jetzt wieder arbeiten, laufen auch diese Prozesse langsam wieder an.

Wie ist die Situation der Berufsberatung bei der Arbeitsagentur?

Zahlreiche Mitarbeiter der Berufsberatung haben vorübergehend die Anträge auf Kurzarbeitergeld bearbeitet. Sie werden jetzt wieder sukzessiv an ihren normalen Arbeitsplätzen eingesetzt. Deshalb bieten wir jetzt wieder verstärkt telefonische Beratung und Sprechstunden für junge Leute an. Der persönliche Zugang zur Arbeitsagentur ist weiterhin nur für Notfälle möglich.

Was raten Sie jungen Leuten, die jetzt noch eine Ausbildungsstelle für diesen Sommer suchen?

Alle jungen Leute, die sich bemühen, eine Ausbildungsstelle zu finden, haben gute Chancen, eine Lehrstelle zu finden. Wir haben noch genügend unbesetzte Ausbildungsstellen in Südniedersachsen – natürlich nicht in allen Berufen.

Haben schon Betriebe angekündigt, durch die Corona-Krise in diesem Jahr beziehungsweise 2021 weniger Ausbildungsplätze anbieten zu wollen?

Wir gehen stark in die Offensive, um die Betriebe und die jungen Leute entsprechend zu motivieren und zu aktivieren. Nur wenige Betriebe haben bislang wegen der Corona-Krise Ausbildungsplätze gestrichen.

Wie steht es um die Ausbildung von jungen Leuten, die aktuell in einer Lehre sind?

Die Betriebe führen die Ausbildung in der Regel ganz normal weiter. Es können sich nur die Gestaltung und die Zeitpunkte einzelner Ausbildungsabschnitte verschieben. Inzwischen gehen zahlreiche Firmen wieder in den Normalbetrieb über.

Gibt es Verzögerungen bei den Prüfungen?

Ja, da gab es Probleme, weil Prüfungen wegen der Corona-Krise nach hinten geschoben werden mussten. Jetzt laufen die Prüfungen nach und nach wieder an.

Wie sieht es mit der Übernahme nach bestandener Prüfung in den Firmen aus?

Nur ganz vereinzelt übernehmen Betriebe durch die Corona-Krise bestimmte Azubis nicht. Bei Unternehmen in Kurzarbeit erteilt die Agentur natürlich die Genehmigung zur Übernahme der Azubis.

Wird sich die Corona-Krise nachhaltig auf das Thema Ausbildung auswirken?

Nach heutigem Stand nicht. Die Unternehmen sind mit Blick auf den demographischen Wandel gut beraten, an der Ausbildung festzuhalten. Die Auszubildenden sind die Fachkräfte von morgen.

VON BERND SCHLEGEL

Zur Person: Klaus-Dieter Gläser

Klaus-Dieter Gläser (64) ist seit 2007 Chef der Göttinger Agentur für Arbeit. Er studierte Jura und Betriebswirtschaft. 1990 kam der DiplomKaufmann zur damaligen Bundesanstalt für Arbeit. Nach Stationen im Fachvermittlungsdienst und in der Berufsberatung und in der Regionaldirektion Niedersachsen Bremen wurde er schließlich Chef der Göttinger Agentur, die für die Landkreise Göttingen und Northeim zuständig ist. In seiner Freizeit ist er begeisterter Langstreckenläufer. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in Hannover.

Noch 1530 offene Ausbildungsstellen in Südniedersachsen

Laut einer Statistik werden bei der Agentur für Arbeit Göttingen 1530 offene Ausbildungsstellen geführt, 959 junge Menschen waren Ende April noch auf der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb. Statistisch kamen im auf einen unversorgten Ausbildungsplatzbewerber 1,6 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Seit Oktober vergangenen Jahres haben 1736 junge Menschen bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern in den Landkreisen Göttingen und Northeim Unterstützung bei der Ausbildungsuche in Anspruch genommen – 12,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Demgegenüber meldeten Wirtschaft und Verwaltung insgesamt 2494 Ausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur – 9,6 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Der Grund: in Niedersachsen verlassen aufgrund der Umstellung der gymnasialen Schulzeit von G8 auf G9 keine Abiturienten die allgemeinbildenden Gymnasien. Jugendliche, die sich über offene Ausbildungsstellen informieren möchten, erreichen die Berufsberatung der Göttinger Agentur für Arbeit unter der Telefonnummer 0551 / 520-350.

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