Archäologen finden 39 Skelette von Mönchen am Wilhelmsplatz

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Spannende Funde: An der Baustelle um die alte Mensa am Wilhelmsplatz haben Archäologen bislang 39 sehr gut erhaltene Skelette, wahrscheinlich von Franziskaner-Mönchen aus dem 13. bis 16. Jahrhundert ausgegraben.

Göttingen. Umbauarbeiten an und in der ehemaligen Alten Mensa am Wilhelmsplatz haben einen weiteren spannenden Fund beschert: Archäologen haben dort bis Dienstagabend 39 Skelette im Boden ausgegraben.

Aktualisiert um 15.20 Uhr.

Die Archäologen sitzen auf Mauerresten, knien auf Schutzmatten im Morast, legen mit Schaufeln immer neue Knochen und Schädel frei, arbeiten diese mit Pinseln fein säuberlich aus dem Untergrund heraus. Allein am Dienstag sind so von den Mitarbeitern des Göttinger Unternehmens Streichardt & Wedekind fünf Skelette ans Tageslicht befördert worden. Sie stammen laut Ausgrabungsleiter Frank Wedekind wahrscheinlich von Mönchen, die im dort vom 13. bis 16. Jahrhundert angesiedelten Franziskaner-Kloster lebten. Nach dem Tod waren sie – ohne Sarg und Beigaben – auf dem Friedhof bestattet worden, der jetzt unter den Uni-Gebäuden der wieder zum Vorschein kommt. 

Im Boden herrschen ideale Bedingungen für die Skelette. Der Boden ist sehr kalkhaltig, was das typische Entkalken der Knochen behindert. „Die Skelette sind ausgesprochen gut erhalten, und können so auch leichter bestimmt werden“, sagt Frank Wedekind, der mit weiteren Funden rechnet. „Wir werden sicher noch einige Zeit hier zu tun haben.“ Probleme bei den Ausgrabungen bereiten neuere, nachklösterliche Strukturen wie im 16./17. und 19. Jahrhundert gebaute Häuser, aber auch Rohre und Leitungen, die quer durch das Grabungsfeld verlaufen. Das Team hat sich auch bis auf die Lößschicht vorgegraben, mehr als einen Meter tief. „Dort haben wir auch eine in Stein eingekleidete Grube gefunden.

 Zudem gibt es an der Oberfläche Funde, die aus der vorklösterlichen Zeit stammen.“ Jetzt, so hofft die Stadtarchäologin, könne man mehr über das weitgehend unbekannte Leben der Mönche, die „Barfüßer“ genannt wurden, erfahren. Dabei geht es um Alter, Ernährungsgewohnheiten, Gesundheitszustand, und natürlich Krankheiten. Untersucht und bearbeitet werden die Skelette in der Anthropologie der Uni. Bis es dazu kommt, werden die Archäologen noch viel Handarbeit leisten – mit Zollstock, Schaufel, Pinsel und Bleistift. So zeichnet ein Mitarbeiter die Funde maßstabsgerecht und mit Details. „Eine Zeichnung ist mehr als ein Foto, weil sie mehr Interpretation beinhaltet“, erklärt Frank Wedekind. Aber auch Digital-Technik wird eingesetzt, jeder Fund fotografiert und vermessen. Schließlich werden die Fotos entzerrt. „Die alte und moderne Technik ergänzen sich hervorragend.“ Die Ausgrabungen verzögern den Umbau der Alten Mensa nicht, wie der Leiter Gebäudemanagement der Uni, Rainer Bolli sagt. Verzögerungen könnte es aber beim Umbau des ehemaligen Keller-Lokals „Blue-Note“ geben.

Archäologen finden 39 Skelette in Göttingen

Klosterkirche im Zentrum Göttingens 

Die ersten Mönche waren 1246 in die Stadt gekommen, 1268 wurde der Bau des Klostters begonnen. Die Mönche wurden üblicherweise auf den Friedhöfen der Klöster bestattet. Die normale Bevölkerung neben den Pfarrkirchen. 1533sind nach Auskunft der Stadtarchäologin Betty Arndt die Franziskaner im Geschehen der Reformation aus Göttingen vertrieben worden. Die Klosterkirche wurde 1820 abgerissen. Danach hatte der Göttinger Baumeister Friedrich Andreas Rohns auf dem Gelände das Gebäude errichten lassen, das bis vor einigen Jahren die Alte Mensa und eine Aula beherrbergte, jetzt für 3,2 Millionen Euro von der Universität zu einem repräsentativen Tagungszentrum umgebaut wird.

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