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Archiv in Göttingen: Schatztruhe und Gedächtnis der katholischen Pfadfinder

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Von: Michael Caspar

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Mit Hemd und Pfadfinderhut: Manfred Reddig leitet das Pfadfinderarchiv Göttingen.
Mit Hemd und Pfadfinderhut: Manfred Reddig leitet das Pfadfinderarchiv Göttingen. © Michael Caspar

Die lange Geschichte der katholischen Pfadfinder wird in Göttingen archiviert. Viele Meter Akten, zig Fotos und Bekleidung erzählen Geschichten.

Göttingen – 35 laufende Meter Akten, zehntausende Fotos und einen Kleiderschrank voll Kluften – das und viel mehr haben katholische Pfadfinder in den vergangenen 40 Jahren in ihrem Archiv in Göttingen zusammengetragen.

„Das Archiv ist Schatztruhe und Gedächtnis unseres Stammes“, erklärt Leiter Manfred Reddig, ein Banker im Ruhestand. Bis ins Jahr 1931 reichen die Dokumente zurück. Damals scharte Kaplan Bertram von der Gemeinde St. Michael die ersten Jungen um sich - die Keimzelle der katholischen Pfadfinderei im Bistum Hildesheim. Drei Jahre zuvor hatten sich anderenorts erste katholische Pfadfinder-Stämme gebildet. Die vom englischen General Robert Baden-Powell angestoßene Pfadfinderbewegung war da bereits 20 Jahre alt.

„In der Kirche gab es anfangs Widerstände“, fand Reddig heraus. Einige Amtsträger befürchteten wohl, eine Laienbewegung nicht ausreichend kontrollieren zu können. Andere mag der überkonfessionelle Charakter von Baden-Powells Pfadfinderei irritiert haben. Die Evangelischen waren offener, gründeten bereits vor dem Ersten Weltkrieg erste Gruppen in Deutschland.

„Im Dritten Reich wurde die katholische Pfadfinderei aufgrund des Konkordats mit dem Vatikan zunächst geduldet“, berichtet Reddig. Erst 1938 kam es zu einem Verbot. Nach dem Krieg förderten die Briten in ihrer Besatzungszone die Pfadfinderei, kümmerten sich um den Transport der Kinder und stellten Lebensmittel zur Verfügung, erfuhr der Archivleiter in Zeitzeugengesprächen.

Die Mitgliederzahlen stiegen lange Zeit. In Göttingen erreichten sie 1980 mit mehr als 170 Aktiven einen Höhepunkt, heute sind dort 90 junge Menschen aktiv. Deutschlandweit erreichte der katholische Verband Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) 1990 mit 112 000 Mitgliedern einen Spitzenwert. Heute sind es dort 95.000 Menschen aktiv. Reddig erklärt sich den Rückgang mit dem gewachsenen Freizeitangebot, aber auch mit dem Ganztagsunterricht in der Schule.

Noch immer ist der DPSG jedoch der größte deutsche Pfadfinderbund. Zum Vergleich: Der evangelische Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder kommt auf 47 000 Mitglieder, der interkonfessionelle Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder auf 30 000 Mitglieder. Insgesamt gibt es 260 000 Pfadfinder in der Bundesrepublik.

„Die Idee in Göttingen ein Archiv zu gründen, kam im Vorfeld unserer 50-Jahr-Feier 1981 auf“, sagt Reddig. Seit 1982 steht dem Archiv ein Dachboden-Raum zur Verfügung. Vor zehn Jahren kam noch eine 50 Quadratmeter große Wohnung dazu. Dort stapeln sich heute Fahrtenberichte, Logbücher und Lagerzeitungen, dazu Presseberichte, Verbandszeitschriften und rund 300 Bücher. Der Archivleiter ordnet das Material und wertet es aus. Das Archiv umfasst zudem unter anderem einige 100 Abzeichen, die Pfadfinder auf ihre Kluft nähen, sowie Banner und Wimpel, Feldflaschen, Kochgeschirre und Fahrtenmesser. (Michael Caspar)

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