Hauptrolle im Krimi

Emilia Schüle: "Im Tatort zu spielen war mein größter Traum"

Göttingen-"Tatort": Emilia Schüle im Interview - „Tatort“ zu spielen war mein größter Traum
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Emilia Schüle ist Marie Jäger, eine junge, rechtsnationale Bloggerin, die ermordet wird. Der Mord wird Linken angehängt. „National feminin“ ist der Titel des dritten Göttingen-„Tatort“, der am Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD läuft. 

Emilia Schüle spielt im Göttingen-Tatort „National feminin“ eine Hauptrolle. Im Interview sprach sie über ihre Verbindung zum "Tatort" und die Dreharbeiten.

  • Der Göttingen-Tatort „National feminin“ läuft um 20.15 Uhr im Ersten (ARD)
  • Schauspielerin Emilia Schüle spielt eine Hauptrolle im Tatort am Sonntag (26.04.2020)
  • Im Tatort mitzuspielen war für Emilia Schüle ein großer Traum

Göttingen - Sie ist gerade 27 Jahre alt und schon seit einem Jahrzehnt ein Filmstar. Jetzt spielt Emilia Schüle eine Hauptrolle im Göttingen- „Tatort“ „National feminin“. Gesehen hat sie ihn noch nicht, wird es am Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD sein. Wir sprachen mit ihr.

Frau Schüle, Sie spielen im Göttingen-Tatort eine rechte Bloggerin. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich habe sehr viel recherchiert. Das Spannende an dieser Neuen Rechten ist, dass sie sich zumindest optisch kaum von Gleichaltrigen unterscheiden. 

Die Bewegung will sich klar abgrenzen von der alten Rechten, sie wollen den Mainstream erreichen, keine Subkulturen – und die Leute bei deren Sorgen abholen, sie für sich gewinnen. Zu erkennen, dass sie so normal sind, war für mich erstaunlich wie erschreckend.

Göttingen-Tatort: Schauspielerin Emilia Schüle im Interview - Aktuelles Thema in „National feminin“

Und sie nutzen das Internet..

Ja, sie sind im Internet gut organisiert, haben verstanden haben, wie man Aufmerksamkeiten schafft und polarisiert. Sie bedienen sich Wortneuschöpfungen wie ´Ethnomasochismus‘, um den Rahmen des Sagbaren zu erweitern. Das macht sie gefährlich, denn es hilft, nationalistische Themen salonfähig und „hip“ zu machen.

Woran bestand der Reiz, im „Tatort“ zu spielen?

Es ist auch ein melancholischer Grund: Denn es ist ein Zurück zum Tatort, der mir 2012 zu sehr viel verholfen hat. Zudem ist das extrem relevante Drehbuch, es schildert das Wachsen des Rechtspopulismus, den Übergriff auf Frauen, Feminismus und die junge Rechte. 

Es ist auch das extreme Frauenpower-Projekt – mit der Regie und dem Kommissarinnen-Duo. Maria kannte ich von dem alten Tatort, Florence habe ich jetzt kennengelernt – und Jenny Schily ist eine ganz großartige Schauspielerin, wie in der Rolle zu sehen.

Göttingen: Tatort „National feminin“  in der ARD: "Deutsche Kultur und ein Prestigeprojekt"

Haben Sie „National feminin“ schon gesehen?

Nein. Ich freue mich auf die Verstrickungen und die komplexen Charaktere – wie die Person der rechtsgesinnten Professorin, die jedoch in einer homosexuellen Beziehung lebt. Aber für all das gibt es Beispiele im realen Leben, wie in der Politik. Wir erzählen also aus dem Leben.

Was zeichnet denn den „Tatort“ generell aus?

Der Tatort ist deutsche Kultur und ein Prestigeprojekt. Ich war aber schon erstaunt, wie wenig Zeit es für die Produktion gibt. Ich hatte das ja länger nicht erlebt. Dennoch: Es ist eine große Freude dabei zu sein, weil man weiß, wie viele Leute vor dem Fernseher zuschauen und das es ein Ritual ist. 

Im Tatort mitzuspielen war damals mein größter Traum. Jetzt hat sich das ein wenig verschoben. Jetzt träume ich natürlich auch von anderen Projekten. Man muss sich ja neue Träume setzen.

Emilia Schüle im Göttingen-Tatort: Erkundung der Stadt bei Dreharbeiten

Kennen Sie Göttingen?

Ich kannte Göttingen nicht, bin mit dem Zug oft durchgefahren. Ich weiß, dass es eine Studentenstadt ist und habe mich gefreut, zu Besuch sein zu können. Es war schön, dass ich einen Kumpel aus Berlin in Göttingen habe, der hier studiert. 

So hatte ich einen Anknüpfungspunkt in der Studentenszene und konnte die Hotspots kennenlernen. Ich habe während des Literaturherbstes eine Veranstaltung mit Luisa Neubauer besucht, war in Kneipen und im Stadtwald.

Wie geht es Ihnen in der Corona-Krise?

Mir geht es im Moment gut. Ich spüre einen Stillstand. Es ist ein absurder Zustand. Ich fürchte mich vor der Zeit, die noch kommt. Ich glaube, es warten noch negative Überraschungen auf uns, wie ein globales Wirtschaftstrauma, das haben wir ja alle noch nicht erlebt, ebenso wenig die Auswirkungen von Reisebeschränkungen. Ich mache mir Sorgen um das sehr fragile Europa. Die geschlossenen Grenzen sind ja der Traum aller Afd´ler und Identitären. Nationalisten wie Orban nutzen die Entwicklung für die Ausweitung ihrer Machtstrukturen.

Göttingen: Tatort-Schauspielerin zur Corona-Krise: "Trotz der Distanz eine neue Nähe"

Was kann die Krise Positives bewirken?

Ich denke jeder in meinem Umkreis, kann ihr etwas Positives abgewinnen. Allen, die normalerweise in einem hektischen Leben unterwegs sind, tut die Langsamkeit gut. Ich finde, es ist eine wichtige Möglichkeit die Aufmerksamkeit mal nach innen zu richten. 

Außerdem erlebe ich trotz der Distanz eine neue Nähe – im privaten wie gesellschaftlich. Es ist eine sehr solidarische Zeit. Aber das ist von mir so empfunden, weil ich in einer luxuriösen Blase lebe, ich habe keine Kinder, um die ich mich neben dem Home-Office kümmern müsste. Für viele aber ist die Situation schwierig, sie sind psychisch angeschlagen. Als Filmschaffende bin ich Lücken‘ zwischen den Projekten gewöhnt. Obwohl: Davon hatte ich in nicht viele.

Was ziehen Sie daraus?

Es ist ein Zusammenspiel aus Sorgen um die Zukunft und der Hoffnung auf Möglichkeiten der Digitalisierung und der Verbesserung des Klimaschutzes und Umstrukturierung – denn man merkt: Das Rad lässt sich doch drehen. Diese Handbremse ist ein Geschenk. Sonst ziehe ich daraus schöne Dinge: Ich habe viele Rezepte ausprobiert, meine Gitarre aus der Ecke geholt, aufgeräumt und viele Filme und Serien geschaut.

Welches Genre ist für Sie etwas ganz besonders?

Ich bin mit Kino gestartet, habe viele Kinofilme gemacht. Die Magie entsteht auch für mich als Zuschauerin im Kinosaal, auf der Leinwand. Auch die Produktion ist größer, aufwändiger und alles ist zeitlich nicht so gedrängt wie bei Serien, wobei es dort auch anders sein kann.

VON THOMAS KOPIETZ

Zur Person: Emilia Schüle

Emilia Schüle (27) stammt aus einer russlanddeutschen Familie und kam mit im Alter von einem Jahr. Mit Sieben nahm sie professionellen Tanzunterricht in Modern Dance und Ballett. 2005 kam sie durch den Workshop „Talents Getting Started“ zur Schauspielerei. Ihre erste Hauptrolle in einem Kinofilm hatte sie in „Freche Mädchen“ u.a. mit Anke Engelke und Armin Rohde. Es folgten „Rock It“ und „Bibi Blocksberg“. 2017 spiele Schüle in dem Siebenteiler „Charitè“ Hedwig Freiberg, die zweite Ehefrau von Robert Koch. Im Tatort spielte sie 2012 in „Wegwerfmädchen“ und „Das goldene Band“. Schüle lebt in Berlin.

Von Thomas Kopietz

Göttingen soll zum Dauer-Drehort für Filme werden. Diesen Wunsch hat eine Initiative. Mit dem Göttingen-Tatort „National feminin“ ist ein weiterer in der Uni-Stadt gedrehter Streifen zu sehen. Bereits der zweite  Göttingen-Tatort sorgte für Aufregung. Es ging um geheime Hirnforschung. 

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