1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Die Suche nach der Zweit-Erde: Astrophysiker aus Göttingen betreiben Riesen-Teleskop

Erstellt:

Von: Thomas Kopietz

Kommentare

Astrophysiker der Universität Göttingen betreiben mit dem Hobby-Eberly-Teleskop in Texas eines der größten Teleskope der Welt. Dieses liefert wichtige Erkenntnisse zur Entstehung der Erde und Planeten.

Göttingen – Sie blicken gespannte und mit schier unendlicher Geduld in die tiefen des Weltalls: die Astrophysiker der Universität Göttingen. Seit 25 Jahren ist die Uni Mitbetreiber eines der größten Teleskope der Welt: des Hobby-Eberly-Teleskop (HET) am McDonald-Observatorium in West-Texas (USA).

Damit fangen sie das Licht von Sternen und fernen Galaxien ein. Das wiederum hilft Astronomen, Rätsel des Kosmos zu entschlüsseln. Der Hauptspiegel hat einen Durchmesser von elf Metern – damit zählt es zu den größten optischen Teleskopen der Welt. Das befähigt es, tief ins All zu spähen. So führt das HET-Projekt zu besonderen Entdeckungen, die auch ein Verdienst Göttinger Astrophysiker sind.

Hobby-Eberly-Teleskop: Astrophysiker der Uni Göttingen betreiben eines der größten Teleskope der Welt

Seit 25 Jahren fängt das Hobby-Eberly-Teleskop (HET) am McDonald-Observatorium in West-Texas das Licht von Sternen und fernen Galaxien ein. Astrophysiker der Uni Göttingen sind daran beteiligt.
Seit 25 Jahren fängt das Hobby-Eberly-Teleskop (HET) am McDonald-Observatorium in West-Texas das Licht von Sternen und fernen Galaxien ein. Astrophysiker der Uni Göttingen sind daran beteiligt. © Ethan Tweedei/nh

So sind sie beteiligt an der Erforschung der sogenannten dunklen Energie. Durch seine Ausrichtung erfasst das Teleskop den kosmischen Fingerabdruck des Lichts von 2,5 Millionen Galaxien. Mithilfe eines speziellen Spektografen erhalten die Astronomen ein Lichtspektrum von allen Objekten im Gesichtsfeld des Teleskops. So lässt sich eine dreidimensionale Karte des Kosmos erstellen. Sie hilft zu erklären, wie und warum sich die Expansion des Universums im Laufe der Zeit von Milliarden von Jahren beschleunigt.

Das HET spielt auch eine wichtige Rolle bei der Suche nach erdgroßen Planeten, welche um sonnenähnliche Sterne kreisen – also der Suche nach einer möglichen Zweit-Erde. Der „Habitable-Zone-Planet-Finder (HPF)“ zielt darauf ab, Exoplaneten zu finden, die in bewohnbaren Zonen liegen und die auf ihrer Oberfläche flüssiges Wasser tragen können.

Informationen sind zentral für unser Verständnis der Entstehung der Erde und der Planeten.

Professor Ansgar Reiners

„Mit dem HPF können wir außerhalb des Sonnensystems gezielt nach Planeten suchen, die unserer Erde sehr ähnlich sind“, sagt der Göttinger Astrophysiker Professor Ansgar Reiners, der Mitglied im HET-Vorstand ist. Dabei geht es aber nicht primär darum, eine mögliche Außenstelle für die Menschheit zu finden und zu errichten. „Diese Information ist zentral für unser Verständnis der Entstehung der Erde und der Planeten“, erläutert Reiners.

Hobby-Eberly-Teleskop am McDonald-Observatorium in West-Texas: Schwarzen Löcher auf der Spur

Das riesige HET-Observatorium ist auch den mysteriösen Schwarzen Löchern auf der Spur – mit Erfolg: Mehr als unglaubliche 220 Millionen Lichtjahre entfernt hat das HET die Masse eines riesigen Schwarzen Lochs in der Galaxie NGC 1277 ermittelt und gemessen. Mithilfe von Zeitreihenmessungen konnten die Massen weiterer supermassiver Schwarzer Löcher in den Zentren von entfernten aktiven Galaxien, den sogenannten Quasaren, extrem genau bestimmt werden.

„Es wurden Schwarze Löcher mit bis zu 100 Millionen Sonnenmassen in den Tiefen des Universums entdeckt“, fügt der Göttinger Astrophysiker Professor Wolfram Kollatschny. Die Untersuchungen sollen Aufschluss darüber geben, wie Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien entstehen und sich auf kosmischen Zeitskalen entwickeln.

Und es waren HET-Forschende, die das weltweit beachtete Rätsel um die Supernova 2014C lösten: Sie maßen Schwankungen in der Helligkeit und im Spektrum des sterbenden Sterns und entwickelten ein Modell, das zeigte, dass der Stern nicht kugelförmig nach außen explodierte.

Vier Betreiber und eine Vielzahl von Wissenschaftlern sind weltweit am HET-Projekt beteiligt

Während des Ereignisses verschmolz das Gas von 2014C, der Teil eines Doppelsternsystems ist, mit seinem Nachbarn und teilte die Gashülle in der expandierenden Scheibe. Als der eine Stern explodierte, kollidierte er mit der gasförmigen Grenzschicht und rutschte daran entlang.

Prof. Ansgar Reiners Universität Göttingen
Prof. Ansgar Reiners der Universität Göttingen © Privat

Die Georg-August-Universität Göttingen ist einer der vier Betreiber, zu denen auch die University of Texas in Austin, die Penn State University (beide USA) sowie die Ludwig-Maximilians-Universität München gehören. Über die Göttinger Beteiligung ist das HET eine wissenschaftliche Außenstelle des Landes Niedersachsen.

„Im Projekt ,Hobby-Eberly Telescope Dark Energy Experiment (HETDEX)’ sind nicht nur die vier universitären Partner beteiligt, sondern auch Dutzende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Einrichtungen auf der ganzen Welt“, schildert Professor Dr. Jens Niemeyer vom Institut für Astrophysik und Geophysik der Uni Göttingen. (mit pug)

Mehr zum Thema: Das Teleskop der Sunrise-III-Mission aus Göttingen soll von einem Helium-Ballon aus die Sonne erforschen, aber eine Panne beendet den Flug kurz nach dem Start. Ein Solar Orbiter sendet nie gesehene Bilder der Sonne an Göttinger Forscher. Ein Teleskop an einem Heliumballon untersucht ab Juni von Schweden aus die Sonne, die Mission ist eine Kooperation des Göttinger Max-Planck-Institut und der Johns Hopkins Universität.

Auch interessant

Kommentare