Berufungsverhandlung vor dem Landgericht

Attacke auf Radfahrer in Göttingen: Geldstrafe für rechten Aktivisten

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Göttingen. Wegen eines Angriffs auf einen Radfahrer muss ein Aktivist der inzwischen umbenannten rechtsextremen Gruppierung „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ eine Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu je 20 Euro (insgesamt 700 Euro) zahlen.

Das hat am Dienstag das Landgericht Göttingen entschieden. Das Gericht gab damit der Berufung des Angeklagten gegen ein Urteil des Amtsgerichts Göttingen teilweise statt. Dieses hatte den heute 28 Jahre alten Betriebswirt im Mai 2016 zu einer höheren Geldstrafe von 50 Tagessätzen (insgesamt 1000 Euro) verurteilt. Das Landgericht befand den Angeklagten ebenfalls der Körperverletzung, nicht aber der Nötigung für schuldig. Weil sich das Verfahren erheblich verzögert hatte, gelten außerdem fünf Tagessätze als verbüßt.

Der 28-jährige frühere Verbindungsstudent hat damit allerdings nur einen Teilerfolg erzielt, denn eigentlich hatte er einen Freispruch erreichen wollen. Auch das Berufungsgericht war aber überzeugt, dass der Angeklagte im Juli 2015 vor dem Haus seiner damaligen Studentenverbindung in Göttingen einen Studenten vom Fahrrad geschubst hatte. Bei dem Sturz wurde der Radfahrer so schwer verletzt, dass er unter anderem drei Tage im Krankenhaus verbringen musste und bis heute Kniebeschwerden hat. Der Verletzte, der in der linken Szene aktiv ist, trat in dem Verfahren als Nebenkläger auf.

In einem Punkt bewertete das Landgericht den Fall anders als die erste Instanz: Weil der Radfahrer Fotos vom Verbindungshaus angefertigt hatte, durfte der Angeklagte nach Ansicht der Kammer dessen Fahrradlenker festhalten. Der 28-Jährige habe befürchtet, dass Fotos von ihm veröffentlicht und damit seine Persönlichkeitsrechte verletzt werden könnten. „Man darf nicht jeden fotografieren“, sagte der Vorsitzende Richter. Er habe den Radfahrer festhalten, nicht aber schubsen dürfen: „Die Nötigung war erlaubt, die Körperverletzung nicht.“

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen plädiert hatte. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. Während auch diesmal wieder zahlreiche Angehörige der linken Szene die Verhandlung verfolgten, ließen sich anders als sonst keine Gesinnungsgenossen des mehrfach vorbestraften Angeklagten blicken.

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