50 Tagessätze

Attacke auf Radfahrer: Geldstrafe für Göttinger Verbindungsstudenten

Göttingen. Eine Attacke auf einen Radfahrer kommt einen 26-jährigen Verbindungsstudenten aus Göttingen teuer zu stehen.

Das Amtsgericht Göttingen verurteilte den 26-Jährigen am Mittwoch wegen Körperverletzung und Nötigung zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 20 Euro (insgesamt 1000 Euro). 

Das Gericht sah es am Ende der zweitägigen Verhandlung als erwiesen an, dass der Angeklagte im Juli vergangenen Jahres vor dem Haus seiner damaligen Studentenverbindung einen ebenfalls 26 Jahre alten Studenten vom Fahrrad geschubst hatte. Der Radfahrer, der in dem Prozess als Nebenkläger auftritt, erlitt bei dem Sturz unter anderem einen Kreuzband- und einen Meniskusriss und einen Knorpelschaden.

Der Angeklagte, der bereits zwei Vorstrafen hat, hatte nach dem Vorfall zunächst einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung erhalten. Dieser beinhaltete eine Verwarnung mit Strafvorbehalt: Sollte er innerhalb der Bewährungszeit erneut straffällig werden, müsste er eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 15 Euro zahlen, sonst nicht. Da der 26-Jährige diesen Strafbefehl nicht akzeptierte, kam es zur mündlichen Verhandlung. Der Prozess endete mit einer höheren Strafe, weil das Gericht den Vorfall nicht nur als fahrlässige, sondern als vorsätzliche Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung einstufte.

Zu dem Vorfall war es gekommen, als der Angeklagte gemeinsam mit einem weiteren Korporierten und dem Hausmeister Farbschmierereien von der Fassade des Verbindungshauses zu entfernen versuchte. Der Nebenkläger, der auch Sprecher der in der linken Szene angesiedelten Wohnrauminitiative ist, hatte dies beim Vorbeifahren gesehen, war vom Rad abgestiegen und hatte die Aktivitäten mit seinem Smartphone fotografiert. Als der Angeklagte dies bemerkte, lief er auf die Straße, stellte sich ihm in den Weg und hielt dessen Lenker fest. Bei dem folgenden Gerangel kam es dann zu dem folgenschweren Sturz.

Der Verbindungsstudent bestritt, den Radfahrer geschubst zu haben. Das Gericht hielt dessen Angaben indes für glaubwürdig. Der 26-Jährige hatte ausgesagt, vor dem Sturz einen Schlag gegen die Schulter bekommen zu haben. Am Mittwoch hatte eine weitere Zeugin des Vorfalls erklärt, dass der Radfahrer regelrecht durch die Luft geflogen sei.

Verteidigung wollte Freispruch

Das Gericht ging mit seinem Urteil noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die einen niedrigeren Tagessatz von 15 Euro angesetzt hatte. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch. Der Angeklagte habe in Notwehr gehandelt, da der Radfahrer ihn durch das Anfertigen der Fotos in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt habe. Der Anwalt des Nebenklägers wies dies zurück. Das Gericht sah das auch so. 

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