Attacken aus dem Oberrang

Polit-Aktivisten stören Lesung von Jakob Augstein

Protest und Gerangel: Im Oberrang des Deutschen Theaters postierten sich Demonstranten und störten die Augstein-Lesung.
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Protest und Gerangel: Im Oberrang des Deutschen Theaters postierten sich Demonstranten und störten die Augstein-Lesung.

Göttingen. Zu einem Eklat mit kleineren Handgreiflichkeiten kam es am Sonntagabend bei der Literaturherbst-Lesung des Journalisten Jakob Augstein.

Etwa 45 Minuten nach Beginn der Lesung regnete es Flugblätter aus dem Oberrang und ein junger Mann verlas per Megaphon den Text des Pamphlets, das sich gegen den Autor richtete. Jakob Augstein habe mehrfach offen seinen Antisemitismus und seine negative Einstellung gegenüber dem Staat Israel geäußert. Da er ja persönlich in seinem aktuellen Buch zum verschärften Protest aufrufe, müsse er sich nun dem Protest stellen. Hinter der Aktion steht der Arbeitskreis „AK Ohne Zweifel antisemitisch – Kritik an Augstein“, der sich am Montagmorgen per Pressemitteilung zu erkennen gegeben hat.

Auf ein von Augstein ausdrücklich angebotenes Gespräch über Saal-Lautsprecher hatten sich die Protestierenden nicht eingelassen. Das Publikum hatte die Aktion nach einigen Minuten mit Pfiffen quittiert. Zuschauer hatten auch versucht, dem Sprecher das Megaphon zu entreißen. Es kam aber zu keinen größeren Ausschreitungen.

Literaturherbst-Vorstandsmitglied Klaus Wettig rief die Protestierenden zur Mäßigung und zum Beenden der Aktion auf. Nach etwa zehn Minuten wurden die etwa zehn jungen Leute aus dem Großen Saal des Theaters geführt.

Die Kritik an Jakob Augstein ist nicht neu. In Interviews und Kolumnen hatte der Autor, Chefredakteur und Verleger der Zeitschrift „Freitag“ wiederholt dem Staat Israel Vorwürfe gemacht. Inhalt: Israel gefährde als Atommacht den Weltfrieden. Den Gaza-Streifen habe er mit NS-Konzentrationslagern verglichen, riefen die Protestanten. Deshalb steht Augstein auf einer Ranking-Liste antisemitischer Äußerungen des Simon Wiesenthal-Zentrums auf Rang neun.

Jakob Augstein blieb während der Aktion im Deutschen Theater gelassen, sagte, er sei kein Antisemit. „Das war so etwas wie Sabotage, darüber muss man ja fast froh sein, heutzutage“, kommentierte er die Protestaktion.

Sein aktuelles Buch trägt den Titel: „Sabotage – Warum wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden müssen.“ Darin bemängelt er unter anderem, dass die deutschen Bürger immer weniger zu körperlichem Protest bereit sind.

Von Thomas Kopietz

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