„Checklisten für Corona-Fall“

Auch Bauern trifft die Krise: Interview mit Landvolk-Chef Achim Hübner

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Spargelernte: Die Anbauer des Edel-Gemüses benötigen in den kommenden Wochen viele Erntehelfer.

Göttingen – Die Corona-Krise macht auch der Landwirtschaft in Südniedersachsen Sorgen. Wir sprachen dazu mit Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Göttingen.

Der Verband hat mehr als 1500 Mitglieder.

Wie trifft die Corona-Krise die Landwirtschaft in Südniedersachsen?

Im Vergleich zu anderen Branchen aktuell noch nicht so hart. Solange die Versorgung mit Futtermitteln, Diesel, Dünger und Saatgut klappt und es beim Absatz der Produkte keine Probleme gibt, kommen wir mit der Situation klar. Aber die Schweine und Schweine und die Milch müssen eben abgeholt werden. Da sind schon die zu erwartenden Personalausfälle dort ein Problem.

Wann würde es Probleme für die Landwirte geben?

Wenn Belieferung und Absatz stocken oder der Betriebsleiter wegen einer Corona-Erkrankung ausfällt. Glücklicherweise hatten wir diesen Fall bislang noch nicht, aber er wird kommen. Viele Landwirte haben nämlich keinen Vertreter von außerhalb, der sich beispielsweise um die Tiere kümmern könnte.

Wie sieht es mit kurzfristigen Aushilfen aus der Nachbarschaft für die Tierbetreuung aus?

Das ist wegen der strengen seuchenrechtlichen Auflagen für Tierbetriebe problematisch, denn Bauern sollten zu anderen Herden nicht in den Stall. Für die Arbeiten auf dem Acker ist das schon eher machbar.

Viele Erntehelfer aus Osteuropa können nicht nach Deutschland einreisen. Trifft das auch Betriebe in der Region Südniedersachsen?

Ja klar, aber nicht so fürchterlich viele. Als erstes Unternehmen wird der einzige Spargelanbauer in der Region Göttingen, der Werderhof, betroffen sein. Außerdem könnte es die Erdbeeranbauer treffen. Die Ernte dieser Früchte beginnt aber erst im Juni. Da ist noch ein wenig Zeit. An Lösungen Arbeiten die Verbände sehr engagiert.

Gibt es auch Landwirte, die vor der Krise profitieren?

Ja, die Direktvermarkter spüren erkennbar mehr Nachfrage. Ob dies allerdings dauerhaft sein wird, muss man abwarten. Bei früheren Krisen hat dieser Effekt nur kurz angehalten.

Welche Aufgaben übernimmt das Landvolk für die Betrieben n in der Krise?

Wir beraten, beraten, beraten und haben beispielsweise Checklisten für die Vorbereitung eines Corona-Falls für die Betriebe erstellt. Und es gibt intensiven Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Wir beraten aber auch beim Kurzarbeitergeld und bei Liquiditätsproblemen.

Was sagen Ihnen die Landwirte am Telefon mit Blick auf die aktuelle Situation?

Die Maßnahmen der Corona-Krise werden verstanden und akzeptiert, die Beurteilung ist je nach einzelbetrieblicher Betroffenheit unterschiedlich. Natürlich sind die Einschränkungen für bestimmte Betriebe schon heute groß.

Wird es Betriebe geben, die wegen der Corona-Krise in die Insolvenz gehen müssen?

Das will ich nicht hoffen. Konkrete Probleme haben bereits Blumenproduzenten, Gartenbaubetriebe und Betriebe mit Sonderkulturen wie Spargel und Erdbeeren. Einzelne Betriebe könnten fast ihren Umsatz verlieren.

Wie läuft aus Ihrer Sicht die Wirtschaftshilfe für die Landwirte an?

Da wird aktuell mehr versprochen, wie am Ende gehalten wird. Ein Beispiel: Fördermittel können (theoretisch) im Internet beantragt werden, aber es funktioniert nicht, da die Portale vermutlich völlig überlastet sind. Das gilt auch für die Stundung von Sozialbeiträgen für Mitarbeiter.

Wie sieht es mit den Steuern aus?

Glücklicherweise gibt es die Möglichkeit, Steuern stunden oder herabsetzen zu lassen. Für betroffene Betriebe nutzen wir diese Möglichkeiten schon.

Welche Hoffnungen für die Landwirtschaft ziehen Sie aus der aktuellen Entwicklung?

Eines ist klar: Wir und unsere Produkte werden auch weiterhin auch weiterhin gebraucht. Die Krise könnte die Chance sein, eine verlässliche und regionale Produktion wieder mehr im Bewusstsein der Verbraucher zu verankern.

Von Bernd Schlegel

Alle aktuellen Informationen zu Corona in Niedersachsen gibt es in unserem News-Ticker. 

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