Nobelpreis für Professor Hell: Auch ohne Ehrung eine wichtige Entdeckung

Der Mann und sein Mikroskop: Prof. Dr. Stefan Hell hat mit seinem STED-Lichtmikroskopie-Verfahren den Chemie-Nobelpreis gewonnen. Am Mittwochnachmittag war im Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie deshalb eine Menge los. Foto: Jelinek

Göttingen. Standing Ovations für Stefan Hell: Umjubelt ging der Nobelpreisträger für Chemie durch das Spalier der Mitarbeiter um 14.30 Uhr in den Saal zur Pressekonferenz. Dort gab er sich Locker, gelöst – auch im harten Interview-Marathon.

Die Konferenz mit etwa 50 Medienvertretern hatte MPI-Pressesprecherin Dr. Carmen Rotte mit Mitarbeitern in aller Eile – innerhalb von nur drei Stunden – organisiert. „Wir waren heute überhaupt nicht darauf vorbereitet“, schilderte Rotte. Grund: Am Dienstag waren die Physik-Nobelpreisträger bekanntgegeben worden. Hell war nicht dabei. Und da hatte man den Physiker eher auf der Rechnung – auch im MPI. Denn die Pressemappen waren vorbereitet – wurden nun am Mittwoch verteilt.

Lesen Sie auch: 

- Nobelpreis: Sektkorken knallten im Max-Planck-Institut

- Göttinger Stefan Hell bekommt Chemie-Nobelpreis

- Held des Tages: Chemie-Nobelpreis für Stefan Hell

- Göttinger Max-Planck-Forscher mit Chemie-Nobelpreis geehrt

- Kavli-Preis für Professor Hell: Stadt ehrt Spitzen-Forscher mit Empfang

- Ehrung für Nano-Forscher und Kavli-Preisträger Stefan Hell

„Das kam heute unerwartet“, sagten denn auch Hell und Rotte unisono. „Ich dachte an einen Scherz, als am Telefon die Nachricht kam, sie haben mit zwei amerikanischen Kollegen den Chemie-Nobelpreis gewonnen.“ Allerdings habe er diese Sensationsbotschaft zunächst eine halbe Stunde lang nicht weitergeben dürfen, schilderte Hell, der den Übermittler der Nachricht, Staffan Normark vom Nobelpreiskomitee persönlich kennt.

Normark fügte noch hinzu, dass er Hell noch eine E-Mail schicken wollte, quasi zur Bestätigung der Richtigkeit der guten Nachricht. „Die Nachricht kam aber zunächst nicht“, schmunzelte Hell. Dichthalten konnte er dann aber doch nicht und rief seine Frau Anna im nahen Uni-Klinikum an, die gleich vorbeikam und mit anstoßen konnte.

Denn nach Ablauf der halbstündigen „Gnaden-Frist“ hatte der Chef einem Post-Doc-Mitarbeiter gesagt: „Kaufen Sie bitte ein paar Flaschen Champagner.“ Der junge Mann habe das mit großen Augen zur Kenntnis genommen. „Ihm war sofort klar, was das bedeutet.“ Es bedeutet, dass das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie bereits den dritten Nobelpreisträger hervorgebracht hat. Und zum ersten Mal einen Wissenschaftler, der in einem Jahr den hoch angesehenen Kavli-Preis (750.000 Euro) und den Nobel-Preis (875.000 Euro) erhalten hat.

Mit „seinem“ Nobelpreis hatte Stefan Hell jedenfalls nicht gerechnet, weil die Konkurrenz „viel zu hart ist“. Die Messlatte liege im Sinne von Alfred Nobel auch sehr hoch. „Es wird immer die Entdeckung ausgezeichnet, die im abgelaufenen Jahr für die Menschheit am wichtigsten war. Das ist aber immer eine Ermessensfrage. Man weiß nie genau, was das Komitee als das Wichtigste erachtet. Wir wussten aber, dass es wichtig ist! Deshalb haben wir mit Spaß und Elan so daran gearbeitet. Es wäre auch ohne Nobelpreis wichtig gewesen.“

Für den Preisträger, Verwandte, Freunde und Mitarbeiter wurde es ein langer Abend. „Wir feiern“, kündigte Stefan Hell an. Im Foyer jedenfalls ging das schon am Nachmittag los. Hunderte MPI-Mitarbeiter sorgten für eine freudige Stimmung – und es gab auch Sekt. Die Forschungsarbeit ruhte am 14.30 Uhr. Das darf sein: Wer weiß, wann der nächste Nobelpreis dort gefeiert werden kann. Auch wenn das MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen eine Preisträger-Schmiede ist – und vielleicht auch deshalb am Mittwoch nicht ganz unvorbereitet auf den Medienansturm und die Feier war.

Von Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.