Fingierte Unfälle in Serie

Mammutprozess in Göttingen: Ergaunerte Mann Riesensumme durch falsche Unfälle?

Göttingen: Prozess wegen Versicherungsbetrug gestartet
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Göttingen: Prozess wegen großangelegtem Versicherungsbetrug hat begonnen

Vor dem Landgericht Göttingen beginnt ein Mammutprozess um einen großangelegten Versicherungsbetrug. Durch fingierte Unfälle erschlich sich ein Mann hunderttausende Euro.

  • Prozess gegen mutmaßlichen Betrüger vor dem Landgericht Göttingen hat begonnen
  • Zwischen 2010 und 2013 soll der Angeklagte eine Vielzahl an Autounfällen verursacht haben
  • Versicherungen zahlen insgesamt 360 000 Euro

Mehr als viereinhalb Jahre nach Anklageerhebung hat in dieser Woche vor dem Landgericht Göttingen ein Mammutprozess um eine großangelegte Betrugsserie beziehungsweise wegen Versicherungsbetrug begonnen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem bereits mehrfach vorbestraften Angeklagten gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrug in 15 Fällen vor. Der 66-Jährige soll zwischen April 2010 und März 2013 zahlreiche absichtlich herbeigeführte Verkehrsunfälle organisiert haben, um anschließend die Schäden bei den Versicherungen geltend zu machen.

Der Angeklagte soll die Fahrzeuge beschafft und weitere Mittäter rekrutiert haben, die als Fahrer sowie als Halter fungierten. Auch Abschleppunternehmen, Sachverständige und Werkstätten sollen an den Betrügereien mitgewirkt haben. Insgesamt zahlten die Haftpflichtversicherungen rund 360 000 Euro.

Versicherungsbetrug in Göttingen: Angeklagte auch an Drogenhandel und Bandendiebstahl beteiligt

Der aus dem Raum Duderstadt stammende und jetzt in Göttingen wohnende Angeklagte ist mehrfach vorbestraft und hat auch schon wegen Bandendiebstählen und Drogenhandels mehrere Jahre in Haft gesessen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 66-Jährige spätestens Ende 2009 den Entschluss gefasst hat, vorsätzlich Verkehrsunfälle zu organisieren und unter Einschaltung von Rechtsanwälten die Kfz-Versicherungen zur Schadensregulierung zu veranlassen.

Die meisten mutmaßlich fingierten Unfälle des Versicherungsbetruges ereigneten sich in Göttingen, weitere Unfallorte waren Rosdorf, Heiligenstadt, Magdeburg und Leipzig. Auffällig war, dass es stets keine Verletzten und keine weiteren Zeugen gab und die Unfälle ein ähnliches Muster aufwiesen. Angeblich war ein Autofahrer für einen kurzen Moment unachtsam gewesen. So habe er nicht mitbekommen, dass ein anderer Autofahrer plötzlich abbremste oder anhielt, und war mit dessen Fahrzeug kollidiert.

Versicherungsbetrug in Göttingen: Keine Verletzten, keine Zeugen

Die Polizei Göttingen war dem Versicherungsbetrug nach einer Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche auf die Spur gekommen. Als sie im Zuge ihrer Ermittlungen ein Bankschließfach des 66-Jährigen durchsuchten, fanden sie dort zahlreiche Fahrzeugbriefe, Autoschlüssel und 200 000 Euro Bargeld. Bei der Auswertung der Dokumente stellten die Ermittler dann fest, dass zahlreiche Fahrzeuge in Unfälle verwickelt gewesen waren.

Das Gericht hat für den Prozess zunächst 25 Verhandlungstage bis in den November hinein terminiert. „Wir werden viel Zeit miteinander verbringen“, sagte der Vorsitzende Richter Martin Speyer zu dem Angeklagten. Um sicherzustellen, dass über diesen langen Zeitraum die Richterbank ausreichend besetzt ist, hat die Kammer vorsichtshalber noch eine Ergänzungsrichterin und einen Ergänzungsschöffen berufen. Der Angeklagte wollte zum Prozessauftakt keine Angaben zu den Vorwürfen machen. Heidi Niemann

Vor kurzem hatte am Amtsgericht Göttingen hat ein weiterer Prozess um eine Betrugsserie mit absichtlich verursachten Verkehrsunfällen begonnen.

Wegen vier Fällen des besonders schweren Betrugs muss sich ab Ende September ein 50-jähriger Vermögensberater aus Göttingen vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

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