Eröffnung im Deutschen Theater

Auftakt zu Händel-Festspielen: Musikalischer Ritt durch die Geschichte

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Brillierten mit Arien aus der Oper: Sopranistin Christina Gansch, und Bariton Tobias Berndt traten zum Auftakt der Internationalen Händel-Festspiele in Göttingen auf.

Mit dem Auftaktkonzert „Rodelinde_1920“ sind die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen im Jubiläumsjahr zu ihrem 100-jährigen Bestehen im Deutschen Theater eröffnet worden.

Die Sopranistin Christina Gansch, und Bariton Tobias Berndt brillierten mit Arien aus der Oper, wie sie vor 100 Jahren aufgeführt wurde, sowie aus der Zeit von Händel. Begleitet wurden sie von der Akademischen Orchestervereinigung und Mitgliedern des Göttinger Symphonie Orchesters unter der Leitung von Piero Lombardi.

„Ach verloren hab ich den Gatten“, sang Christina Gansch innig. Mit ihrer stimmigen Interpretation eroberte sie auf einen Schlag Publikumsherzen – in der Festspieloper 2020 wird sie die Titelrolle der Rodelinda singen.

Tobias Wolff, Intendant der Göttinger Händelfestspiele führte die Händel-Begeisterten mit viel Hintergrund durch den Abend. Händel selbst sei nie in Göttingen gewesen. Dem Kunsthistoriker Oskar Hagen sei es zu verdanken, dass die Festspiele hier ausgerichtet werden. Nach einer Krankheit hätte ihn Händels Musik schnell genesen lassen. Der Freund, dem Hagen das erzählte, habe ihn darin bestärkt, eine Händel-Oper zur Aufführung zu bringen.

Allerdings, so berichtete Wolff, habe sich Händel-Fan Hagen kaum an historische Aufführungen gehalten. Eine Schwierigkeit habe sich allein bei der Besetzung der Kastraten ergeben. Hagen entschied sich für den „einfachen Ausweg“, die Sopran- oder Altpartie für Männerstimmen zu transponieren. Folgerichtig sang beim Konzert Bariton Berndt den Bertarido, ursprünglich Mezzosoprankastrat.

„Oscar Hagen streicht und kürzt“, nahm Wolff denen den Wind aus den Segeln, die nicht glaubten, dass die Arien so kurz waren. Wer über das Klavier erstaunt war, dem erklärte der Festspiel-Intendant: 1920 habe es noch kein Cembalo gegeben. Experimente mit einem mit Reißnägeln präparierten Klavier seien schnell wieder verworfen worden.

Seit den 1930er Jahren werden laut Wolff die Opern Händels wieder weitgehend ungekürzt aufgeführt. Mit Oskar Hagen sei es zum Bruch gekommen. Die Göttinger Händel-Gesellschaft sei 1931 gegründet worden. Bis heute spiele sie als Hauptgesellschafterin der Festspiel GmbH eine bedeutende Rolle.

Wolff berichtete vom Experimentieren mit Formaten. Nicht immer seien nur Opern gespielt worden. So erklang auch Händels „Wassermusik“. Nach Orchestereinlagen mit Strawinskys Pulcinella-Suite sowie Wolffs Ritt durch die Festspielgeschichte ging das Konzert, das Lust machte auf mehr, zu Ende mit dem anrührenden Duett „Einen Kuss nur!“ von Rodelinde und Bertarido. Das Schlusswort „gab“ Wolff an Oskar Hagen. Der hatte es schon damals gewusst: „an die denkwürdige Uraufführung der Rodelinde“ werde man „im kleinen Göttingen zurückdenken.“ Das Publikum applaudierte begeistert mit Johlen, Trampeln und Bravo-Rufen.

Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Jubiläumsfestspiele ist der Händel-Talk am Mittwoch, 4.3. Ab 20 Uhr können Interessierte Künstler und Partner der Händel-Festspiele in lockerer Gesprächsrunde in Bremers Weinkellerei am Wall, Obere Karspüle 42, erleben. Tickets gibt es im Internet.

Von Ute Lawrenz

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