Fensterkonzerte

Auftritt im Innenhof von Altenheim: Applaus von den Balkonen fürs Junge Theater

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Auftritt im Innenhof: Die JT-Musikshow Wild Thing des Jungen Theaters gastierte am GDA-Wohnstift in Göttingen .

Applaus von den Balkonen und Fenstern statt Standing-Ovations: Nicht nur die Begeisterungsbekundungen des Publikums waren bei dieser Vorstellung des Jungen Theaters (JT) Göttingen ganz besonders.

Göttingen – In insgesamt sechs Fensterkonzerten präsentierten die Schauspieler am Mittwoch und Donnerstag Auszüge aus der Musikshow „Wild Thing“ im GDA-Wohnstift in Göttingen.

Was tun kreative Menschen, wenn sie nicht ihrer eigentlichen Bestimmung nachgehen dürfen? Sie suchen einfach nach neuen Wegen. „Theater sucht Output“, sagt JT-Intendant Nico Dietrich. „Und uns war wichtig, dass wir etwas für die Menschen hier vor Ort machen.“ So entstand die Idee der Fenstervorstellung, die das JT bereits zu Ostern am Göttinger Uni-Klinikum praktiziert hat.

„Etwas Sinnstiftendes“

Für die mehr als 600 Senioren, die im GDA-Wohnstift unter Quarantäne-Bedingungen leben, hat das Junge Theater gleich sechs Konzerte an zwei Tagen gegeben – damit jeder Bewohner zuhören und -sehen kann. Die Reaktionen sind für Dietrich und seine Schauspieler überwätigend. „Wir machen hier etwas Sinnstiftendes – sowohl für uns als auch für die Bewohner.“ Die stehen an ihren Fenstern und beteiligen sich sogar an der Choreografie, tanzen und klatschen mit. „Das geht ans Herz“, sagt Nico Dietrich.

Für die Ensemble-Mitglieder ist dieses gute Gefühl tatsächlich der einzige Lohn für die Fenstervorstellungen. Nur die beteiligten Soloselbstständigen bekommen ein kleine Gage vom GDA-Wohnstift. Alle wollen einfach etwas tun „für Leute, die nicht raus dürfen, denen es im Moment wirklich nicht so gut geht“. Das kommt – wie gesat – gut in den Logen-Plätzen. Teilweise seien die Menschen sogar zu Tränen gerührt gewesen, erzählt Dietrich. Und zum Schluss gab es eben diese ganz speziellen Ovationen.

Wilde Seite der Nacht

„Wild Thing“ ist eine Reise durch ein halbes Jahrhundert Rock’n’Roll-Geschichte. In der fünften Musikshow des Jungen Theaters geht das Ensemble mit den Zuschauern auf einen wilden Ritt durch die Welt der Nachtklubs und Freaks. Das Publikum könne sich auch auf Hits mit einem hohen Wiedererkennungswert freuen, sagt Regisseurin Michaela Dicu. Aber ebenfalls auf ungewöhnlich interpretierte Lieder. Die Botschaft des Jungen Theaters ist klar: Take a walk on the wild side, in eine Welt, in der Menschen sich trauen so zu sein, wie sie sind.

VON ANDREAS ARENS

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