Universitäts-Präsidium plant Schließung von Einrichtung

Aus für Lichtenberg-Kolleg?

Die Skulptur von Georg-Christoph Lichtenberg am Alten Rathaus in Göttingen: Nach diesen Gelehrten, der im 18. Jahrhundert forschte, ist das Kolleg an der Uni Götingen benannt. 
Archivfoto: Thomas Kopietz
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Die Skulptur von Georg-Christoph Lichtenberg am Alten Rathaus in Göttingen: Nach diesen Gelehrten, der im 18. Jahrhundert forschte, ist das Kolleg an der Uni Götingen benannt.

Einem der einstigen Eckpfeiler der Exzellenzinitiative der Universität Göttingen droht das Aus.

Göttingen – Das Präsidium der Georg-August-Universität plant, das Lichtenberg-Kolleg in der historischen Sternwarte zum September 2021 zu schließen. Das Kolleg war ein zentraler Baustein des Zukunftskonzepts, mit dem sich die Universität Göttingen 2007 erfolgreich bei der Exzellenzinitiative durchsetzte.

Die Hochschule wollte damit international ausgewiesene Geisteswissenschaftler verschiedener Disziplinen für einen Forschungsaufenthalt in Göttingen gewinnen. Seit 2009 können dort so genannte Fellows aus aller Welt in stilvollem Ambiente ungestört ihren Forschungsvorhaben nachgehen, ohne sich um Lehrverpflichtungen und sonstige Aufgaben kümmern zu müssen.

Grund für die Schließungspläne seien die Kürzungen im Hochschuletat des Landes Niedersachsen, sagte Uni-Sprecher Romas Bielke. Bereits in diesem Jahr stünden der Universität 2,9 Millionen Euro weniger zur Verfügung. Für 2021 habe das Wissenschaftsministerium weitere Kürzungen in Höhe von insgesamt 3,3 Millionen Euro angekündigt. Die beabsichtigte Schließung des Kollegs sei nur eine Maßnahme von vielen Sparmaßnahmen, die die Hochschule treffen müsse.

Sowohl bei den aktuellen als auch bei den früheren Gastwissenschaftlern des Lichtenberg-Kollegs stoßen die Pläne auf heftigen Protest. In einem von 120 Forschern aus zahlreichen Ländern unterzeichneten offenen Brief werten sie die beabsichtigte Schließung als direkten Angriff auf die Werte der Aufklärung, für die die Universität Göttingen stehe. Diesen Brief haben die Wissenschaftler allerdings nicht auf der offiziellen Internetseite des Lichtenberg-Kollegs veröffentlicht, sondern auf einem separat von ihnen betriebenen Blog. Die offizielle Webseite des Instituts unter dem „Briefkopf“ der Universität Göttingen, so ist dort zu lesen, befindet sich in Überarbeitung.

In diesem Jahr haben nach eigenen Angaben 23 Fellows am Lichtenberg-Kolleg geforscht, im Januar soll ein weiterer dazu stoßen. Die Wissenschaftler stammen aus den USA, Großbritannien, Polen, Brasilien, Frankreich, Deutschland, Italien, Indien, der Türkei und der Schweiz. Zu ihnen gehören unter anderem Historiker, Völkerrechtler, Soziologen, Politikwissenschaftler und Germanisten. Thematisch gebe es am Lichtenberg-Kolleg aktuell bis zum Sommer 2021 vier Forschungsgruppen, die sich unter anderem mit Modernen Jüdischen Studien und den Menschenrechten beschäftigen.

Noch ist die Schließung nicht beschlossene Sache. Als Nächstes wird nun der Senat darüber befinden, ob das Lichtenberg-Kolleg weitergeführt oder geschlossen wird.

Hintergrund

Jahresetat der Einrichtung liegt bei bei 770 000 Euro

Nachdem die Förderung aus der Exzellenzinitiative ausgelaufen war, hat die Universität das Lichtenberg-Kolleg in der Folgezeit mit eigenen Mitteln weiterfinanziert. Laut Uni-Sprecher Romas Bielke verfügt die Einrichtung über einen Jahresetat von rund 770 000 Euro.

Wegen der vom Land Niedersachsen beabsichtigten dauerhaften Budgetkürzungen seien an der Uni Göttingen jetzt drastische Sparmaßnahmen unausweichlich. Da der Haushalt langfristig in erster Linie durch Personalkosten sowie Bau- und Sanierungsmaßnahmen gebunden sei, gebe es für kurzfristig wirksame Sparmaßnahmen kaum Handlungsspielräume.

„Allein im Bereich Bauen und Sanieren fehlen der Universität mit ihren zahlreichen historischen Gebäuden weit über eine halbe Milliarde Euro“, sagte Bielke. Daher sehe man sich gezwungen, die Kürzungen auf die gesamte Hochschule zu verteilen. (pid)

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