1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Hochgiftige Chemikalie tritt aus Labor an Göttinger Nord-Uni aus

Erstellt:

Von: Stefan Rampfel, Bernd Schlegel

Kommentare

Gefahrstoffeinsatz der Feuerwehr im Nordbereich der Universität Göttingen
Gefahrstoffeinsatz im Nordbereich der Universität Göttingen: Hochgiftiges Brom trat am frühen Mittwochabend an den Geowissenschaften aus. © Stefan Rampfel

Zu einem Gefahrstoffeinsatz musste die Göttinger Berufsfeuerwehr am Mittwochabend in den Universitäts-Nordbereich ausrücken.

Göttingen – Einsatz für die Berufsfeuerwehr Göttingen am Mittwochabend (21.09.2022): Wegen des Austritt der Chemikalie Brom in einem Labor der Geowissenschaften im Nordbereich der Universität Göttingen wurden die Rettungskräfte gegen 17.40 Uhr alarmiert.

Im Geowissenschaftlichen Zentrum in der Goldschmidtstraße sei es zu einem Gasaustritt gekommen, hieß es in der ersten Meldung. Daraufhin wurde der Gefahrstoffzug der Berufsfeuerwehr in Gang gesetzt.

Wie sich herausstellte, ist es in einem Labor zu einem Austritt von Brom aus einer Vakuumpumpe gekommen, die im Rahmen eines Versuches in Betrieb war. Laut Alexander Granget von der Berufsfeuerwehr kommt als Ursache ein technischer Defekt an der Pumpe in Betracht.

Hochgiftige Chemikalie Brom tritt in Göttinger Uni-Labor aus

„Problematisch bei diesem Einsatz ist, dass sich gesundheitsschädliche Dämpfe bilden können“, so Granget. Brom ist bei Raumtemperatur flüssig und verursacht schwere Verätzungen, wenn es auf die Haut kommt oder eingeatmet wird. Es wird in Forschung, Medizin und Batterien eingesetzt.

Zwei Feuerwehrleute sind in Chemikalienschutzanzügen in den betroffenen Bereich vorgegangen, um das ausgetretene Brom mit Chemikalienbinder zu neutralisieren und die Pumpe sicher zu verpacken und ins Freie zu bringen.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr während ihres Einatzes an der Nord-Uni.
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr während ihres Einatzes an der Nord-Uni. In einem der Labors war Brom aus einer Vakuumpumpe ausgetreten. © Stefan Rampfel

Nach rund einer Stunde war der Einsatz beendet, die beiden Kräfte wurden dekontaminiert, also mögliche gefährliche Verunreinigungen von den Anzügen abgespült. Das Labor wurde belüftet. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Vorsorglich war ein Rettungswagen vor Ort. Auch der Notfallmanager der Universität war im Einsatz. Da der Einsatz längere Zeit dauerte, wurden die Freiwilligen Feuerwehren Weende und Geismar sowie die Nebenberufliche Werkfeuerwehr der Universität in Bereitschaft versetzt.

Brom gehört wie Fluor, Chlor und Iod zu den Halogenen und ist damit äußerst reaktiv. In der Natur kommt das Element nicht elementar, sondern nur in Verbindungen vor.

Die wichtigsten Verbindungen dabei sind die negativ geladenen Bromide, heißt es im Online-Lexikon Wikipedia. Elementares Brom ist stark giftig und ätzend. Durch Hautkontakt kommt es zu Verletzungen, die nur schwer heilen. Bromdämpfe führen zu Atemnot, Lungenentzündung sowie Lungenödemen.

Brom wird unter anderem als Schädlingsbekämpfungsmittel (Methybromid) sowie als Desinfektionsmittel (milder als Chlor) eingesetzt. Brom wurde im Jahr 1826 durch den französischen Chemiker Antoine-Jérôme Balard aus Meeresalgen der Salzwiesen bei Montpellier hergestellt und von diesem als bisher unbekannter Stoff erkannt.

Schon zwei Jahre zuvor hatte der bekannte deutsche Chemiker Justus von Liebig das Element unwissentlich hergestellt. (ysr/bsc)

Auch interessant

Kommentare