Spitzennoten für Absolventen

Ausbildung bei Sartorius in Göttingen: Vom Flüchtling zum Facharbeiter

+
Sie haben die Ausbildung bei der Sartorius AG in Göttingen erfolgreich abgeschlossen: Omar Tbeil (links) lernte Fachinformatiker und Biniam Maekele Maschinen- und Anlagenführer.

Beide kamen vor einigen Jahren als Flüchtlinge nach Deutschland: Bei der Sartorius AG haben sie die Berufsausbildung mit hervorragenden Noten bestanden.

Beide werden jetzt dauerhaft übernommen. Als Fachinformatiker wird Omar Tbeil künftig bei dem Göttinger Unternehmen arbeiten. Zunächst absolvierte er ab Oktober 2015 ein Praktikum und eine Einstiegsqualifikation. Anfang August 2016 begann dann die dreijährige Ausbildung. „Am Anfang war es schwer“, sagt der Palästinenser aus Syrien. „Ich hatte schon Angst, dass es nicht schaffe“, macht der 28-Jährige im Rückblick deutlich.

Doch bei Sartorius bekam er viel Unterstützung und Hilfe, um sein großes Ziel, den Berufsabschluss, zu erreichen. So gab es beispielsweise jede Woche internen Deutsch-Unterricht. Mit Erfolg: Tbeil konnte sein deutlich Sprachniveau steigern, was natürlich für die spätere Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) wichtig war.

Abschlussprüfung erwies sich als echte Hürde

Tbeil war davon zunächst ausgegangen, dass in der Ausbildung vor allem um fachliche Aspekte geht. Er musste dann aber erkennen, dass er auch über Politik und Wirtschaft eine ganze Menge lernen musste. Nach der Zwischenprüfung änderten sich die Inhalte – mehr fachspezifische Themen standen im Mittelpunkt.

Als echte Hürde erwies sich die Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Ein Grund: Sie musste komplett in deutscher Sprache absolviert werden. Und er erhielt keinen Nachschlag bei der Bearbeitungszeit.

Brigitte Wilhelm-Nienaber, Ausbildungsleiterin bei Sartorius, sieht deshalb Nachholbedarf bei der IHK. Sie wünscht sich, dass auch die Prüfungsfragen überarbeitet und in „Leichte Sprache“ umformuliert werden.

„Die Antworten sind oft nicht schwer. Aber es ist nicht leicht, die Fragen zu verstehen“, sagt Wilhelm-Nienaber. Entscheidend für den erfolgreiche Ausbildungsabschluss waren aus ihrer Sicht die intensive Begleitung des Duos sowie der Sprachunterricht.

Kollegen und Firma als große Unterstützung

Voll des Lobes für die Firma Sartorius und seine Kollegen ist auch Biniam Maekele: „Alle waren immer für mich da.“ Hilfreich war aus seiner Sicht des frisch gebackenen Maschinen- und Anlagenführers auch der Austausch mit Auszubildenden aus anderen Abteilungen.

Ganz entscheidend ist aus Sicht von Maekele, den Lernstoff nicht aus den Augen zu verlieren. „Man muss jeden Tag lernen und Geduld haben“, bringt es der 26-Jährige, der aus Eritrea stammt, auf den Punkt.

Beide werden mit festen Verträgen künftig dauerhaft bei Sartorius arbeiten. Die erfolgreichen Absolventen haben noch einen großen Wunsch: Ihre Familien leben noch in den Heimatländern. Tbeil und Maekele hoffen, dass ihre Lieben irgendwann nach Deutschland kommen können.

Chancen für Berufseinsteiger: 155 Auszubildende bei Sartorius

Zum 1. August wird bei der Sartorius AG 155 Auszubildende in 23 Berufen haben. Aktuell sind unter den Nachwuchskräften, die in Göttingen sowie in Guxhagen bei Kassel ausgebildet werden, drei Flüchtlinge, von denen einer demnächst den Chemikanten-Abschluss in der Tasche haben wird. 

Anfang August starten weitere drei bis vier weitere Geflüchtete ihre Ausbildung bei dem Göttinger Unternehmen, das an der Börse notiert ist. Sartorius hat weltweit mehr als 8000 Mitarbeiter, darunter mehr als 3000 am Hauptsitz in Göttingen und etwa 400 am Produktionsstand in Guxhagen.

Weitere Informationen gibt es hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.