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Ausbildungsplätze und Suchende passen oft nicht zusammen

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Von: Thomas Kopietz

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In Niedersachsen fehlen Azubi-Anfänger in vielen Berufsfeldern.
In Niedersachsen fehlen Azubi-Anfänger in vielen Berufsfeldern, besonders im Handwerk. © DPA

In der Berufsaubildung, vor allem im Dualen System, ist kräftig Sand im Getriebe – und das verstärkt den Fachkräftemangel.

Göttingen/Berlin - In der dualen Berufsausbildung in Deutschland sind 2021 Nachfrage und Angebot deutlich gesunken und passen immer weniger zueinander („Passung“), wie das Sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut der Universität Göttingen im Rahmen des Bildungsberichts 2022 erläutert.

Das SOFI erstellt jährlich den Teil berufliche Bildung für den nationalen Bericht „Bildung in Deutschland 2022“. Er wurde am Donnerstag vorgestellt.

Bildungsbericht 2022: Unsicherheiten bei Ausbildern und jungen Erwachsenen

Laut der Göttinger Forscher hat sich auch Corona problemverstärkend ausgewirkt: Der deutliche Rückgang des Angebots, in größerem Maße noch der Nachfrage nach dualen Ausbildungsplätzen vor allem in den vergangenen zwei Jahren, verdeutliche die „erheblichen Unsicherheiten sowohl auf Seiten der Betriebe als auch der jungen Erwachsenen während der Pandemie“.

Bildungsbericht 2022: Mehr Ausbildungsstellen schaffen reicht allein nicht aus

Zudem haben sich Probleme der fehlenden Passung zwischen Ausbildungsplätzen und Bewerbern wieder verstärkt – am kräftigsten in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Das zeige, dass allein Maßnahmen, die auf das Schaffen von mehr Ausbildungsstellen abzielen, wie die im Koalitionsvertrag aufgeführte Ausbildungsplatzgarantie, „nicht reichen werden, um Fragen der Leistungsfähigkeit und Fachkräftesicherung angemessen zu begegnen“.

Bildungsbericht 2022: Corona-Pandemie hat die Situation verschärft

Ein Mittel, gegen diese Zunahme der berufsfachlichen Passungsprobleme, nennt SOFI-Professorin Susann Seeber: Berufsorientierungsmaßnahmen wie Informations- und Beratungsangebote oder Betriebspraktika. Wie wichtig diese grundsätzlich und für einen Übergangsprozess seien, hätten die vergangenen beiden Jahre gezeigt.

Und noch ein Problem hat sich verstärkt: das des Fachkräftemangels und der Fachkräftesicherung, besonders in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und Soziales – obwohl dort die Zahl der Azubi-Anfänger zugenommen hat.

Bildungsbericht 2022: Mehr Ausbildungsanfänger mindern Fachkräftemangel nicht

Apropos Anfänger: Dabei gibt es Ausnahmen, so schneidet Niedersachsen auch dort unterdurchschnittlich ab. Fakt ist, dass trotz mehr Ausbildungseinsteiger die Zahl deutlich hinter der bestehenden Fachkräftenachfrage zurückbleibt.

Was ist zu tun? Die SOFI-Forscherin Dr. Maria Richter fordert, die Berufsfelder attraktiver zu gestalten, um mehr Bewerber zu bekommen. „Es ist aber auch mehr qualifiziertes Bildungspersonal für die Ausbildung der Fachkräfte von morgen bereitzustellen.“ So bestehe in den Bereichen Sozialpädagogik und Pflege „ein erheblicher Bedarf an Lehrkräften und Praxisanleitungen“.

Bildungsbericht 2022: Weniger Ausgebildete werden auch übernommen

Positiv: Trotz widriger Umstände in 2020 und 2021 konnten die Prüfungen überwiegend stattfinden. Aber die Absolventen standen vermehrt vor Herausforderungen beim Übergang in den Arbeitsmarkt, sprich bei der erfolgreichen Job-Suche oder bei der Übernahme im Betrieb. Denn auch die Übernahmequote sank bei Dual-Ausgebildeten. (Thomas Kopietz)

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