Kämpfer für die Menschenrechte

Auschwitz-Überlebender Prof. Dr. Thomas Buergenthal erhält Edith-Stein-Preis

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Den Edith-Stein-Preis 2019 nahm Dr. Robert Buergenthal (Mitte) stellvertretend für seinen Vater Prof. Dr. Thomas Buergenthal im Alten Rathaus entgegen, von links Dr. Mary Heidhues (Ehrenvorsitzende des Edith-Stein-Kreises), Dechant Wigbert Schwarze, Robert Buergenthal, Gabriele Braun (stellvertretende Vorsitzende des Kreises) und Heiner J. Willen (Vorsitzender des Kreises).

Für seinen Kampf um die Menschenrechte ist der eng mit Göttingen verbundene US-Jurist Prof. Dr. Thomas Buergenthal mit dem Edith-Stein-Preis 2019 ausgezeichnet worden.

Der Preis wird im Gedenken an die Philosophin und Frauenrechtlerin Edith Stein verliehen, die 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Die Brückenbauerin zwischen Juden und Christen hatte in Göttingen studiert.

Vor rund 150 Zuhörern im Alten Rathaus sagte die Präsidenten der Edith-Stein-Gesellschaft, Dr. Katharina Seifert, Thomas Buergenthal habe mit seinem hohen Engagement über staatliche Grenzen hinweg dem Menschenrecht als allen Menschen zustehendes, universelles und unveräußerliches Recht zur Geltung verholfen.“ 

Er selbst hatte in einem Interview gesagt: „Ich glaube, dass ich als Jurist dazu beitragen kann, zu verhindern, was ich als Kind erlebt habe.“

Reise ins Exil scheiterte 

Thomas Buergenthal wurde 1934 in der Tschechoslowakei geboren. Dort hatte seine aus Göttingen stammende Mutter, Gerda Silbergleit, seinen Vater Mundek Buergenthal kennengelernt und geheiratet. 

Eine Ausreise der jüdischen Familie 1939 nach Großbritannien scheiterte wegen des Einmarsches der Deutschen in Polen. Über das Ghetto von Kielce wurden sie 1944 in das KZ Auschwitz Birkenau deportiert.

Von den Eltern getrennt und Todesmarsch überlebt

Sie hatten Glück, bei der Ankunft fand keine Selektion für die Gaskammern statt. Thomas Buergenthal wurde von seinen Eltern getrennt. Im Dezember 1946 sah er seine Mutter in Göttingen wieder. Der Vater starb 1945 im KZ Flossenbürg. 

Der Sohn überlebte Auschwitz und den Todesmarsch 1945 ins KZ Sachsenhausen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges besuchte er das Felix-Klein-Gymnasium in Göttingen, 1951 wanderte er mit seiner Mutter in die USA aus und wurde als Jurist zu einem Kämpfer für die grundlegenden Menschenrechte weltweit. 

Er war als Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag und am Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte tätig.

Sohn nahm Preis stellvertretend entgegen

Den Edith-Stein-Preis nahm stellvertretend für seinen Vater der älteste Sohn des Geehrten, Dr. Robert Buergenthal, entgegen. Ärzte hatten seinem Vater geraten, auf die lange Reise über den Atlantik zu verzichten. 

In einem Grußwort sagte Thomas Buergenthal: „Edith Stein war überzeugt, dass es ohne Versöhnung keinen Frieden geben kann und dass ein Fehlen von Versöhnung zu Hass und Konflikten führt.“

Das Preisgeld von 5000 Euro stiftete Buergenthal der Stadtbibliothek, die seit 2008 nach ihm benannt ist. An seine Familie erinnern Stolpersteine in der Groner Straße und im Papendiek. 

Seine schreckliche Geschichte erzählte er in seiner 2007 erschienenen Autobiografie „Ein Glückskind. Wie ein kleiner Junge zwei Ghettos, Auschwitz und den Todesmarsch überlebte und ein zweites Leben fand“.

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