Tierheime brauchen Unterstützung

Ausgesetzt in den Ferien: Tierschützer melden mehrere Katzen und weniger Hunde

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Solea aus dem Tierheim Göttingen sucht ein neues Zuhause: Die vierjährige Hündin ist sehr verschmust, sportlich und menschenbezogen. Sie hat bereits eine Grunderziehung genossen und beherrscht daher das Hunde-ABC. Zu Familien mit kleinen Kindern wird sie nicht vermittelt.

Tierschützer aus dem Göttinger Landkreis und Northeim haben in diesen Sommerferien weniger Fälle von ausgesetzten Tieren registriert, als in den Jahren zuvor. 

Besonders bei Hunden sei dies zurückgegangen. Die Sommerferien gelten normalerweise als Hochzeit für ausgesetzte Tiere. Als Grund vermuten Tierpfleger aus der Region die Registrierungspflicht von Hunden in Niedersachsen. Auf einem eingepflanzten Chip sind Daten gespeichert, mit denen der Halter ermittelt werden kann. 

Sabine Kober, Leiterin des Tierheims in Göttingen, meldet mehrere Katzen und Kleintiere. Auch Laura Blume, Chefin des Tierheims in Osterode, berichtet von zwei Meerschweinchen, die kürzlich an einem Müllberg bei Bad Lauterberg gefunden wurden. 

In Osterode wurde der Halter eines ausgesetzten Katers ermittelt

Außerdem sei ein Kater in der Innenstadt von Osterode von seinem Halter ausgesetzt worden. Zeugen beobachteten den Vorfall. Der Kater war gechippt, wodurch der Besitzer ausfindig gemacht werden konnte. Das Tier ist laut Blume neu vermittelt und der Mann wurde angezeigt. „Er hat damit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen“, sagt sie. Der Besitzer selbst äußerte sich nicht. 

Tierpfleger Domenik Geese vom Tierheim in Northeim habe in den vergangenen Jahren oft erlebt, dass Tiere ausgesetzt wurden. Auch wenn es in diesem Jahr noch nicht vorkam, erinnert er sich, dass Hunde häufig an Autobahnraststätten angeleint zurückgelassen wurden. Besonders schlimm sei es für Tiere, wenn sie in Transportboxen abgestellt werden, die sich aufheizen. „Diese Hunde sind dann sehr verstört“, berichtet Geese. 

Katzenproblem in Hann. Münden

Nicole Herthum, Vorsitzende des Tierschutzvereins Hann. Münden, berichtet von einem größeren Katzenproblem. Nur selten seien sie gechipt und kastriert. „Wir versuchen seit Jahren, den vielen Katzen Herr zu werden“, berichtet Herthum. Einen Halter könne man nur selten ausfindig machen und viele melden eine gefundene Katze nicht. Eine Chip-Pflicht sollte es auch für Katzen geben, findet sie.

Lesen Sie auch hier: Meinung: Aussetzen des besten Freundes: Ein grausames Schicksal für Haustiere.

Kurz-Info: 25.000 Euro Strafe für Tierhalter

Wer ein Tier aussetzt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Laut Niklas Pfeifer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der juristischen Fakultät an der Uni Göttingen, müssen Täter mit einem Bußgeld von bis zu 25 000 Euro rechnen. Diese Strafe betrifft das Aussetzen, unabhängig davon, ob dem Tier etwas passiert. Läuft ein Hund nach dem Aussetzen frei auf die Straße, gilt es nach dem Gesetz zudem als fahrlässiger und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Die Rechnungen sind hoch: Geld allein hilft nicht

Das Geld ist knapp und die Käfige voll: Tierheime in Südniedersachsen benötigen Unterstützung. Sowohl finanzielle, als auch ehrenamtliche.

Wenn viele Tiere unter einem Dach wohnen, steigen die Ausgaben. Tierarztkosten sprengen oft den Rahmen, so die Tierschützer aus Northeim, Osterode, Göttingen und Hann. Münden. Dazu kommt täglich kiloweise Futter, um die vielen hungrigen Mäuler satt zu bekommen. Auch die Angestellten, Miete, Strom, Nebenkosten, Versicherung und Gebäudeinstandhaltung stehen auf der Rechnung.

Die Tierheime können sich oft nicht selbst finanzieren und sind daher auf Spenden angewiesen. Außerdem bekommen sie von der jeweiligen Stadt jährlich Geld für die Fundtiere, die sie aufnehmen.

In Northeim ist es der sogenannte Fundgroschen. Pro Einwohner in Northeim und den umliegenden Gemeinden sind es 25 Cent, wie Carina Spörndli, Zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Northeim, schildert.

In Osterode gibt es eine Pauschale von rund 11 000 Euro pro Halbjahr. Allerdings belaufen sich sie Kosten für Fundtiere auf mehr als 30 000 Euro, so die dortige Tierheimleiterin Laura Blume.

Zusätzliche Einnahmen erzielen die Tierheime durch Mitgliedsbeiträge, Sammelbüchsen, Flohmärkte und Verkaufsstände auf Veranstaltungen.

Katze Sara aus dem Göttinger Tierheim sucht ein neues Zuhause. Sie ist weiblich, etwa ein Jahr alt, gechippt und kastriert. Sie ist ein Freigänger, sehr verschmust, verträgt sich mit anderen Katzen und ist sehr menschenbezogen.

Northeim

Neben Spenden setzt dasNortheimer Tierheim ebenfalls auf seine selbst organisierten Veranstaltungen, wie beispielsweise das Sommerfest am vergangenen Wochenende.

Kürzlich wurde für das Tierheim auch ein Neubau errichtet, zu einem großen Teil sei er aber noch eine Baustelle, sagt die zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Carina Spörndli. Das Material zum Pflastern und Fliesenlegen sei da. Nun fehlen noch fleißige freiwillige Hände, sagt sie.

„Geld ist es nicht allein. Wir suchen händeringend ehrenamtliche Helfer.“ Unterstützt werden kann das Tierheim durch Hundeausführen, Katzenstreicheln, damit sie zahm werden, Babykatzen mit der Flasche füttern und Käfige sauber machen.

Göttingen

Mit einem festen Stamm an ehrenamtlichen Helfern sei das Göttinger Tierheim zwar „ganz gut versorgt“, wie die Tierpflegerinnen mitteilen. Hilfe sei aber trotzdem jederzeit willkommen. Auch Futter- und Sachspenden in Form von Bettwäsche und Handtüchern sei gerne gesehen. „Finanziell sind wir auch auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen“, sagt Tierheimleiterin Sabine Kober. Für eine Katze nehme das Tierheim etwa 90 Euro, das decke aber oft nicht einmal die Kastrationskosten, so Kober.

Die Hündin Janja ist etwa zwei bis drei Jahre alt und kommt aus Kroatien. Sie ist seit einem halben Jahr im Göttinger Tierheim. Fremden gegenüber ist sie etwas schüchtern, taut aber schnell auf und ist dann sehr verschmust. Allgemein ist sie sehr aufgeweckt. 

Osterode

Das Tierheim Osterode hatte kürzlich größere finanzielle Probleme. So groß, dass es kurz vor dem Aus stand. Damit es weitergehen konnte, half der Tierschutzbund unter aus. Auch die Stadt hat ihre Fundtierpauschale vorgestreckt, wie die stellvertretende Tierheimleiterin Jacqueline Wriedt mitteilt. „Durch dieses Notfallprogramm wurden sämtliche Gehälter und offene Rechnungen bis Ende September bezahlt.“ Das berichtet Frank Abraham, der als besorgter Bürger aus Osterode zudem eine Informationsveranstaltung organisiert hat. Interessierte Bürger und die Mitarbeiter des Tierheims sprachen dabei über die finanzielle Situation und den Erhalt des Tierheims.

Dabei sind laut Leiterin Laura Blume zudem etwa 2750 Euro sowie sämtliche Futterspenden zusammengekommen.

Obwohl es Menschen gebe, die regelmäßig spenden und vor Ort aushelfen, sei auch in Osterode stets ehrenamtliche Hilfe gefragt.

Hann. Münden

Der Tierschutzverein Hann. Münden vermittelt Fundtiere an die umliegenden Tierheime sowie an Pflegestellen. „Eine Art Auffangstation oder Notpflegestelle für die ganzen Tiere wäre für uns sinnvoll und hilfreich“, sagt Nicole Herthum, Vorsitzende des Tierschutzvereins Hann. Münden. Denn Tierheime und Pflegestellen seien häufig überbelegt.

Ein großes Problem in der Mündener Region seien vor allem Katzen. Haushalten mit geringem Einkommen bietet der Verein an, die Katze für 15 Euro chippen und kastrieren zu lassen. „Dadurch konnten wir dem Katzenelend in den letzten Jahren etwas Herr werden“, so Herthum.

Die Kommunen tun sich laut der Tierschützerin schwer mit den Fundtieren. Oft werde das Problem ausgesessen und viele denken, sie seien nicht zuständig. Eine Katzenschutzverordnung wie es sie auch in Göttingen gibt, also ein Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsgebot für Freigängerkatzen, könne mit Blick auf die vielen Straßenkatzen helfen, so Herthum.

Hintergrund: Kastrationspflicht für Katzen in Göttingen

In Göttingen gilt seit Anfang 2018 eine Kastrationspflicht für Katzen. Ausgenommen sind Katzen unter fünf Monaten. Wer Rassekatzen züchtet, kann bei der Stadt einen Ausnahmeantrag stellen. Außerdem müssen die Katzen gekennzeichnet sein, entweder durch eine Tätowierung oder durch einen Transponder. 

Dadurch kann der Besitzer ermittelt werden. Als Katzenhalter gilt jeder, der freilaufenden Katzen regelmäßig Futter zur Verfügung stellt. Die Kosten für die Kastration liegen zwischen 80 und 100 Euro.

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