Schildkröten aus dem Mississippigebiet der USA

Ausgesetzte Tiere überwintern im Kiessee in Göttingen

Ein letztes Sonnenbad am Kieessee in Göttingen: Immerhin 40 Zentimeter lang ist diese Rotwangenschildkröte.
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Ein letztes Sonnenbad am Kieessee in Göttingen: Immerhin 40 Zentimeter lang ist diese Rotwangenschildkröte.

Ein letztes Sonnenbad nehmen in diesen Tagen die Schildkröten im Göttinger Kiessee. Die kommenden Monate werden sie in Winterstarre am Boden des Sees verbringen. Ihren geringen Sauerstoffbedarf decken sie dann über die Haut.

Göttingen – „Vor allem in den 1970er und 80er Jahren sind im See viele Rotwangenschildkröten ausgesetzt worden“, weiß Angelika Stroka, die Vorsitzende des Kleingartenvereins Am Kiessee. Ihre Schwester und sie hätten das selbst getan. Die Gründe dafür kennt der Saarbrückener Experte Zappo Zimmermann (klappschildkroete.de): „Die süßen kleinen Tiere wachsen schnell, verdrecken dann ständig ihr Aquarium und schnappen auch schon mal zu.“

„Ausgesetzte Rotwangenschildkröten können in Deutschland jahrzehntelang überleben“, betont der Experte. Die Tiere, die aus dem Mississippigebiet der USA stammten, ernährten sich unter anderem von Wasserpflanzen, Insekten und Krebsen, verschmähten aber auch Aas nicht. In Südeuropa, wohin Züchter aus den USA die Tiere seit den 70er Jahren ebenfalls exportiert hätten, vermehrten sie sich sogar. Das werde mit dem Klimawandel wohl auch in Deutschland möglich.

„Weil Rotwangenschildkröten die heimische Fauna verändern, herrscht in der Europäischen Union mittlerweile ein Importverbot“, erläutert Zimmermann. US-Züchter hätten daraufhin auf ähnliche Arten, etwa Gelbwangenschildkröten, umgestellt. Die dürften mittlerweile ebenfalls nicht mehr eingeführt werden. „Auch diese Art gibt es im Kiessee“, weiß Uwe Zinke, der Vorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu) Göttingen.

Seltener zu beobachten sei die geschützte Europäische Sumpfschildkröte, führt Zinke aus. Er habe im August ein in Göttingen gefundenes Jungtier übergeben bekommen, das einen Angelhaken verschluckt hatte. Für 900 Euro sei es in der Tierärztlichen Hochschule Hannover operiert worden und lebe nun im Nabu-Artenschutzzentrum Leiferde bei Gifhorn.

„Es passiert manchmal, dass Schildkröten im Kiessee nach unseren Köderfischen schnappen“, bestätigt Thorsten Bierfreund, der Vorsitzende des Angelvereins Göttingen. Das lasse sich am charakteristischen Rundbiss der Reptilien erkennen. An den Fischen im See würden sich die Schildkröten nicht vergreifen. „Da machen uns die Kormorane, die im Herbst wieder verstärkt auftreten, mehr Ärger“, so Bierfreund. (Michael Caspar)

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