Schließung aufgrund von Corona-Pandemie

Aussteller des Göttinger Weihnachtsmarktes ziehen bittere Bilanz: „Ich zahle drauf“

Aus und vorbei: Der Weihnachtsmarkt in Göttingen wurde am Mittwoch geschlossen. Es wird keine Ersatzveranstaltung geben. Viele Aussteller und Marktbeschicker kommen nicht auf ihre Kosten und legen drauf.
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Aus und vorbei: Der Weihnachtsmarkt in Göttingen wurde am Mittwoch geschlossen. Es wird keine Ersatzveranstaltung geben. Viele Aussteller und Marktbeschicker kommen nicht auf ihre Kosten und legen drauf.

Nur wenige Tage war der Weihnachtsmarkt in Göttingen aufgrund der Corona-Pandemie geöffnet. Gegenüber unserer Zeitung ziehen die Marktbeschicker Bilanz.

Göttingen – Anfang der Woche kam die Nachricht von der Stadtverwaltung, dass der Göttinger Weihnachtsmarkt ab Mittwoch geschlossen wird – wegen der hohen Corona-Inzidenzzahlen. Wir haben mit Besuchern und Standbetreibern über Ihre Meinungen gesprochen.

Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag (30.11.2021), bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zu Ende ging – nach gerade einmal neun Tagen. Voll im Stress war Hans Drolshagen. In der Trommel rösteten die Butter-Zimt-Mandeln. Kunden standen Schlange, um kandierte Früchte, Crepes und die holländischen Minipfannkuchen Poffertjes zu kaufen. Seit mehr als 50 Jahren ist der Stand auf dem Markt zu finden.

Toffee- und Nusslikör schenkte Ieva Grigonyk zum Probieren aus. O’Donnell Moonshine nennen sich die Schnäpse auf Weizenbrandbasis. Verkauft werden sie – wie die Alkoholika, die während der amerikanischen Prohibition bei Mondlicht von Gangstern wie Spike O’Donnell illegal gebrannt wurden – in Einmachgläsern. „Bei diesem Job habe ich einiges über Menschen gelernt“, erklärte die junge Frau, die an der Universität Arbeitssoziologie studiert.

Weihnachtsmarkt-Aussteller in Göttingen enttäuscht: „Es tut weh, den Stand schließen zu müssen“

Ruhiger ging es an den Ständen mit Kunsthandwerk zu. „Richtig viel zu tun, haben wir immer erst gegen Weihnachten“, berichtete Tim Lüders, der vom niedersächsischen Groß Flöthe aus in normalen Jahren fünf, sechs Stände mit Stofftieren managt. Seit August ist er am Organisieren, hat Verkaufsteams zusammengestellt und viel Ware beschafft. Nun muss er die Bären, Hasen und Einhörner einlagern. „Ich zahle drauf“, meinte er bitter.

Aus Danzig war Jolanda Rybakowska angereist. Die Polin, die fließend Deutsch spricht, verkaufte in Sterling-Silber eingefassten Bernsteinschmuck. Die Nachfrage sei in Göttingen viel größer als in Bremen, wo sie elf Jahre lang gelebt habe, erzählte sie. Auch andere Danziger Bernsteinfabrikanten hätten Stände auf deutschen Weihnachtsmärkten. Doch damit sei es jetzt vorbei. Ihre Chefin habe sich bereits auf den Weg gemacht, um sie und den Schmuck wieder abzuholen.

„Es tut weh, den Stand schließen zu müssen“, erklärte der Göttinger Schneidermeister Dennis Dah. Wochenlang hat er seine aufheizbaren, mit Weizen gefüllten Kissen sowie die bunte Kleidung im Stil seiner westafrikanischen Heimat produziert. „Alle sollen sich impfen lassen, damit die Welt endlich ihr altes Leben zurückbekommt“, wünscht er sich. Nun hofft er, dass er künftig wieder seinen deutlich kleineren Stand in der Fußgängerzone betreiben darf.

Plötzliches Ende: Der Göttinger Schneidermeister Dennis Dah hat Kissen sowie farbenfrohe Kleidung im Stil seiner westafrikanischen Heimat verkauft.

Weihnachtsmarkt Göttingen: Die Unvernunft siegt oft

Bunte Papier-Lampenschirme aus Indien gab es am Just-Stars-Stand bei Summer Hofmann. Nicht zuletzt Kinder schauten mit leuchtenden Augen zu, wenn die Studentin einen Schirm nach dem anderen über einer Leuchte aufspannte. Manche der Kleinen kauften sich einen der fair gehandelten Sterne vom eigenen Taschengeld. „Zum Glück bin ich nicht auf das Geld aus diesem Job angewiesen“, sagte Hofmann erleichtert mit Blick auf die Absage des Weihnachtsmarkts.

Ende nach neun Tagen: Impressionen vom Göttinger Weihnachtsmarkt

Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen.
Noch einmal gut zu tun hatten die Glühweinstände, Bratwurstbuden und der Karusselbetreiber am Dienstag, bevor dann am Abend der Göttinger Weihnachtsmarkt zuende ging – nach gerade einmal neun Tagen. © Stefan Rampfel

Am Montagabend war Rolf Nietzold mit seinen beiden Kindern Florian und Vanessa sowie Freund Toni Schmidt noch einmal auf dem Weihnachtsmarkt. „Wir sind extra heute noch mal gekommen, bevor der Markt am Dienstagabend für dieses Jahr schließt“, sagt Rolf Nietzold. „Es ist zwar traurig und schade, aber verständlich. Ich kann die Entscheidung der Stadt nachvollziehen.“ Oft siege die Unvernunft der Menschen, so Nietzold. „Wir müssen die Inzidenzen runtergekommen, anders ist das nicht möglich.“ Natürlich sehe auch er die Gefahr, dass sich die Menschen dann zu Hause in engen Räumen treffen. „Das Ergebnis haben wir ja im letzten Jahr gesehen. Auch da waren ohne Weihnachtsmarkt die Inzidenzen hoch.“ Aber irgendwann müssten die Leute doch mal vernünftig werden, sagt er.

Marktbeschicker erleiden erneut Verluste auf dem Weihnachtsmarkt Göttingen

Bei den Marktbeschickern und Budenbesitzern ist die Stimmung hingegen auf dem Tiefpunkt und teilweise auch voller Wut. Die Betreiber eines Süßigkeiten-Standes sind tief empört. „Das hätten die Verantwortlichen auch schon vor einer Woche wissen können, dann hätten wir gar nicht erst aufgemacht“, sagt der Mann, der namentlich nicht in der Zeitung stehen möchte. Die ganze Ware müsse er nun entsorgen. Das sei ein herber Verlust.

Diplomatischer drückt es Daniel Asmuß vom Göttinger Gänseliesel-Grill aus: „Die Stadt ist unser Vertragspartner, dann müssen wir die Entscheidung halt hinnehmen.“ Seine persönliche Meinung sei hier nicht maßgeblich, sagt er. Vorwürfe macht er der Stadt nicht, eher der Bundespolitik.

Asmuß: „Das ist nun die zweite Saison in Folge, wo wir und alle anderen Standbetreiber herbe Verluste einfahren.“ Ab Mittwoch wird auch er seine Weihnachtsmarktbuden wieder abbauen. Dann müssen die Menschen zum Beispiel nach Kassel oder Hannover auf den Weihnachtsmarkt fahren. (Stefan Rampfel und Michael Caspar)

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