Ausstellung „Conn3ct“: Auch Luther würde twittern

Auf Spurensuche Luthers: Silke Glitsch, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der SUB Göttingen, an einem Touchpad. Foto: Voß

Wer glaubt, die kommunikative Vernetzung hat erst mit Facebook und Co. begonnen, der irrt. Selbst Martin Luther nutze schon soziale Medien.

„Lebte Luther heute, er würde wahrscheinlich twittern“, ist Silke Glitsch, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit an der Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Göttingen, überzeugt während sie durch die Ausstellung „Conn3ct“ führt. Bis zum 18. Dezember können sich Besucher in der Paulinerkirche auf eine interaktive Reise durch die sozialen Medien begeben.

Zur Erkundung stehen dabei nicht nur die Welten von Facebook, Twitter oder Pinterest an, sondern auch die sozialen Netzwerke zu Lebzeiten Martin Luthers. „Ja, auch Luther war schon sozial vernetzt“, betont Glitsch.

Denn ebenso wie man heute mit kurzen Textmeldungen auf Twitter eine große Menge Menschen erreichen könne, habe auch Luther mit seinen kurzen Pamphleten die damalige Welt revolutioniert. „Die Texte konnten binnen eines Tages verfasst und in großem Stil verbreitet werden“, erklärt sie: „Zwei Medienrevolutionen, die unsere Gesellschaft verändert haben.“

Ermöglicht habe dies der Buchdruck. Besonders Antwerpen habe sich im 15. Jahrhundert zum „Silicon Valley“ der Buchdruckkkunst entwickelt. „Wer damals erfolgreich sein wollte, der ging nach Flandern“, erklärt Glitsch, „Gemeinsam mit den Niederlanden waren dort damals die Hotspots der Buchdrucker.“ So sei auch der Gründer des seit 1735 in Göttingen publizierenden Verlags Vandenhoeck & Ruprecht von dort abgeworben worden.

Buchdruck aus Antwerpen

Prägenden Einfluss haben Flandern und die Niederlande auch auf die Ausstellung: Viele Ausstellungsbereiche sind von holländischen und belgischen Universitäten und Bibliotheken erarbeitet worden. Zusätzlich habe sich der Umstand, dass die Niederlande und Flandern bei der Frankfurter Buchmesse im Mittelpunkt stünden, positiv auf die Finanzierung der Arbeit ausgewirkt, sagt Glitsch.

Auf den vielen Exponaten sind die Erklärungen denn auch in Deutsch, Niederländisch und Englisch verfasst. Unübersichtlich wirkt die Ausstellungen dadurch nicht: Neben historischen Büchern verlocken große Touchpads mit Videos und Onlinebefragungen zum unbefangenen Stöbern nach neuem Wissen und Parallelen zwischen dem heute und damals.

Eine besondere Reihenfolge der Stationen gibt es nicht einzuhalten, betont Glitsch. „Das wollen wir auch nicht, vielmehr kann bei uns genauso in den Informationen umhergesurft werden, wie es viele Jugendliche heute im Netz tun.“

Die Ausstellung „Conn3ct“ ist dienstags bis sonntags zwischen 11 und 18 Uhr in der Paulinerkirche, Papendiek 14, geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro pro Person, ermäßigt 1,50 Euro.

www.conn3ct.media.

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