Ausstellung über Zwangsarbeit: Erinnerungen an dunkles Kapitel

Die Macher: (von links) Der Pole David Rojkowski, der Italiener Valter Merazzi und Günther Siedbürger von der Geschichtswerkstatt Duderstadt haben die Ausstellung über Zwangsarbeit in Südniedersachsen mit konzipiert. Foto: Schröter

Göttingen. Mit einem feierlichen Akt wurde die Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939 bis 1945“ neu eröffnet.

Die Ausstellung war von den Geschichtswerkstätten Göttingen und Duderstadt in Kooperation mit internationalen Projektpartnern aus Polen, Italien und den Niederlanden konzipiert und im Jahr 2010 mit großem Erfolg in verschiedenen Orten Südniedersachsens als Wanderausstellung präsentiert worden. Jetzt hat sie in den Räumen der Berufsbildenden Schulen (BBS) II in der Göttinger Godehardstraße ein festes Zuhause gefunden.

Sie zeigt in 13 thematischen Stationen das Ausmaß, die Bedeutung und die Vielfältigkeit von Zwangsarbeit am regionalen Beispiel Südniedersachsen, wo zwischen 50 000 und 60 000 Angehörige von mindestens 16 Nationen während der Zeit des Nationalsozialismus Zwangsarbeit leisten mussten - und das in beinahe jedem Wirtschaftsbereich und sogar in Privathaushalten.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Biografien ehemaliger Zwangsarbeiter aus mehreren europäischen Ländern. Um den Stellenwert dieser Erfahrung im Leben der Betroffenen kenntlich zu machen, werden ihre gesamten Lebensläufe weit über den Abschnitt der Zwangsarbeit in Deutschland hinaus dargestellt. Die Spur der Lebensgeschichten ermöglicht einen Blick auf die europäische Dimension der NS-Zwangsarbeit. Neben Texten, Bildern und historischen Dokumenten werden in Schubladen und Vitrinenfenstern Objekte gezeigt, die mit dem Thema verbunden sind. An Multimediastationen werden weitere Dokumente zugänglich gemacht, vor allem aber die autobiografischen Zeugnisse der Betroffenen präsentiert. In zahlreichen lebensgeschichtlichen Filminterviews berichten ehemalige Zwangsarbeiter anschaulich von ihren Erfahrungen.

Lernen und Erinnern

„Diese Dauerausstellung soll einerseits ein Lernort zum Thema Nationalsozialismus in Südniedersachsen, andererseits aber auch ein Erinnerungsort“, betonte Günther Siedbürger von der Geschichtswerkstatt Duderstadt, der die Ausstellung mit konzipiert hat und der durch die Eröffnungsveranstaltung führte. Neben Gästen aus Politik und Wirtschaft begrüßte Siedbürger auch zwei ehemalige polnische Zwangsarbeiterinnen, die der ergreifenden Veranstaltung teils mit Tränen in den Augen folgten.

„Dies ist eine bewegende Ausstellung, weil sie den Opfern ein Gesicht gibt“, betonte Landrat Bernhard Reuter. Das „Verbrechen der Zwangsarbeit“ habe Millionen von Menschen betroffen und dürfe sich nie wiederholen. Stadträtin Dagmar Schlapeit-Beck zeigte sich erfreut, „dass diese besondere Ausstellung jetzt hier in der BBS II dauerhaft gezeigt werden kann“. Das sei ein langer Weg gewesen.

Und Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt nannte die Ausstellung „eine gleichermaßen große Bereicherung für die Schüler der BBS II und die Menschen in ganz Südniedersachsen. (per)

Hintergrund: Ausstellung öffnet ab 22. April ihre Pforten für alle

Die Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939-1945“ in den Räumen der Berufsbildenden Schulen II an der Godehardstraße in Göttingen öffnet erstmals am Mittwoch, 22. April, ihre Pforten.

Künftige Öffnungszeiten: mittwochs und freitags von 10 bis 16 Uhr sowie jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Für Schulklassen und Gruppen weitere Termine nach Vereinbarung angeboten. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. Weitere Infos gibt es im Internet. (per)

www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu

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