Bohrungen zu Abbau-Möglichkeit

Australisches Unternehmen sondiert: Wieder Kali-Bergbau im Ost-Eichsfeld?

Ein Bagger und Planierer stehen auf freier Fläche
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Sondierung: Ein Kali-Unternehmen aus Australien macht Probebohrungen bei Haynrode im Thüringer Eichsfeld. Gesucht wird nach Salzstöcken.

Gibt es für den Kali-Bergbau in nördlichen Eichsfeld auf thüringer Boden ein Comeback? Es gibt Indizien, dass dort die Kali-Kumpel wieder in ein neues Bergwerk einfahren könnten.

Göttingen/Haynrode – Knapp 28 Jahre ist es seit dem 31. Dezember 1993 her, dass nach der Wende auch unter großem Widerstand der Kumpel inklusive Hungerstreik einiger Mitarbeiter in Bischofferode das Bergwerk Thomas Müntzer dort geschlossen wurde.

Sie fühlten sich verschaukelt – von der Treuhand, West-Firmen wie K+S –, weil ihr Salz qualitativ mit konkurrierenden auf dem Weltmarkt mithalten konnten. Also begehrten auf, fanden eine enorme Medienpräsenz, konnten aber das Dichtmachen nicht verhindern.

Nun also hat ein Unternehmen aus „Down Under“, aus Australien, mit der Firma „Südharz-Kali GmbH“ Interesse. im Eichsfeld wieder Kali abzubauen. So begannen die Vorbereitungen für Probebohrungen in der Gemeinde Haynrode, nur wenige Kilometer vom einstigen Werk in Bischofferode und 20 Kilometer von Duderstadt entfernt. Dort wird der Boden einer Wiese abgetragen, ein Kiesbett gelegt, das als Fundament für einen Bohrturm dienen soll.

Kämpfende Kali-Kumpel hielten im Juli 1993 ihr Werk in Bischofferode besetzt, um es vor der Schließung zu bewahren und ihre Arbeitsplätze zu retten: vergeblich. (Archivfoto)

Ergebnisse von mehr als 40 Bohrlöchern im nahen Ohmgebirge liegen bereits vor. Nach den Plänen der Südharz-Kali GmbH sollen die Bohrungen knapp 700 Meter in die Tiefe getrieben werden. Möglicherweise wird dann Bergwerk entstehen. Das soll ohne Abraumhalde auskommen wie es heißt.

Laut Information von Südharz-Kali könnten dort 500 Arbeitsplätze entstehen. Nach eigenen Informationen bezeichnet das Unternehmen das Ohmgebirge als kostengünstiges Projekt für die Kalisalzgewinnung in der Region.

Auswirkungen haben die Probebohrungen auch auf den Verkehr: Für die anstehenden Bohrungen wird die Straße zwischen Haynrode und Kaltohmfeld voraussichtlich für fünf Monate gesperrt.

Die Kali-Kumpel von einst werden die Aktivitäten aufmerksam beobachten, teilweise arbeiteten mehr als 1000 in dem Werk, die meisten kamen aus den umliegenden Orten. Gekämpft haben sie 1993 wie die Löwen für ihr Werk, ihre Arbeitsplätze und gegen die Mitteldeutsche Kali AG, die mit der K+S AG aus Kassel fusionierte.

Am 7. April 1993 besetzten 500 Bergleute das Werk – bei laufender Produktion. Man versuchte vergeblich Export-Verträge mit indischen Unternehmen zu schließen. Das Kaliwerk schloss zum 31. Dezember 1993. Die übertägigen Anlagen des einstigen VEB-Kaliwerkes Thomas Müntzer wurden bis auf wenige Ausnahmen abgebaut, die Schächte wurden verfüllt. Knapp 100 Leute sicherten noch mehr als zehn Jahre die Grube.

Einen Erfolg aber verbuchten die kämpferischen Kali-Kumpel aus Bischofferode, die große Unterstützung, so auch von Schülern, erhalten hatten: Manche standen vier Jahre bei K+S auf der Lohnliste, auch bei Bechäftigungsgesellschaften sowie in Umschulung. (Thomas Kopietz und Gregor Mühlhaus)

Das einstige Kaliwerk Bischofferode - Tradition, Stilllegung, Auswirkungen

Baubeginn des Kaliwerks der Gewerkschaft Bismarckshall bei Bischofferode war 1909. Aufgrund des reichhaltigen Kalivorkommens wurden zwei Schächte errichtet, Schacht 1 Weithmannshall wurde vom 4. Januar 1909 bis zum 3. Juni 1910 geteuft, der Schacht 2 Holungen vom 2. Januar 1910 bis zum 12. Dezember 1914. Die Salzförderung und -verarbeitung begann 1911. Im Oktober 1908 wurde der Gleisanschluss des Werkes als Anschlussstrecke der Bahnstrecke Bleicherode–Herzberg eröffnet.

Mit der politischen Wende in der DDR wurde das volkseigene Kombinat Kali von der Treuhandanstalt im Rahmen des „Kalivertrages“ als Kalisüdharz AG in die Mitteldeutsche Kali AG überführt, die im Zuge der bevorstehenden Fusion mit der K+S AG Kassel alsbald mit der Schließung der Kaliwerke begann.

Nachdem am 22. Dezember 1993 die letzte Förderschicht gefahren wurde, wurde das Kaliwerk „Thomas Müntzer“ am 31. Dezember 1993 endgültig geschlossen. Seit Januar 1994 verwaltet die Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von Bergwerksanlagen – GVV mbH das stillgelegte Kaliwerk. Den meisten Bergleuten wurde unter Zahlung von Abfindungen gekündigt.

Von den seitens der Thüringer Landesregierung versprochenen 700 Ersatzarbeitsplätzen wurden etwa 100 im örtlichen Gewerbegebiet geschaffen, knapp zwei Dutzend Kali-Kumpel fanden dort eine neue Anstellung. Seit der Stilllegung der Grube hat Bischofferode 700 Einwohner verloren. tko

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