Omar Sosa und Iiro Rantala im DT

Ausverkauft: Weltgrößen des Jazz beim Göttinger Festival

Göttingen. Höhepunkt des Göttinger Jazz-Festivals waren am Wochenende die beiden Konzertabende im Deutschen Theater. Sie waren ausverkauft.

Experimentell, mitreißend, fordernd, tanzbar. Wie kaum eine andere Musikrichtung steht Jazz für Vielfalt und so braucht man es gar nicht erst zu versuchen, eine generell passende Schublade zu finden.

Für Musikfreunde in Südniedersachsen ist dieses Festival ein Glücksfall: Es hat einen hervorragenden Ruf und entsprechend lassen es sich Jazzkenner nicht entgehen, einige reisen für dieses Wochenende über hunderte Kilometer an. „Wenn ein Jazzmusiker von Weltklasse wie Omar Sosa nach Göttingen kommt, dann heißt das schon etwas,“ bestätigte ein langjähriger Besucher. Und wer als Jazzneuling einen ersten intensiven Einblick wagen will, findet dazu kaum eine bessere Gelegenheit. All das vor der eigenen Haustür.

Zudem haben die Veranstalter ein gutes Gespür dafür, das Thema Jazz in seiner Vielseitigkeit darzustellen. So spielte zum Auftakt auf der Großen Bühne das Andromeda Mega Express Orchestra. Beeindruckend war die ausgeprägte Spielfreude der jungen Musiker, die ihr Publikum früh mit streckenweise experimentellen Klangkreationen forderten. Ganz anders, aber nicht minder fordernd, übernahm anschließend die Musik von Christy Doran´s New Bag den Saal. Deren Sängerin, Sarah Buechi, setzte ihre Stimme teils als Instrument ein oder thematisierte etwa im Song „Last Call“ eine künftige Umwelt-Apokalypse.

Höhepunkt des kontrastreichen Freitagabends war der mitternächtliche Auftritt des Jazzpianisten Omar Sosa mit dem Quarteto AfriCubano. Die unüberhörbar kubanisch-afrikanischen Wurzeln der Musiker fluteten den nun wieder komplett gefüllten Konzertsaal mit ihrer fesselnden, oft tanzbaren Jazzvariante. Wegen der Enge war ein tanzendes Publikum zwar nicht möglich, doch zum Mitklatschen und –singen ließ es sich gerne ermuntern.

Am Samstagabend übernahm zunächst Tony Malaby TubaCello die Große Bühne im DT. Die Instrumentierung mit Tuba, Cello, Saxophon und Percussion ließ ein spannungsgeladenes Konzert erwarten und das Publikum wurde nicht enttäuscht. Eine wieder andere Richtung schlug anschließend der finnische Jazzpianist Iiro Rantala mit seinen intensiven Interpretationen von John Lennon ein. Während Rantala im Foyer noch lange CDs signierte, präsentierte zum Abschluss des Hauptprogramms das Ray Anderson Organic Quartett rasante Arrangements.

Parallel zu den Konzerten auf der Großen Bühne wechselten sich Jazzmusiker überwiegend aus der Region mit ihren Interpretationen auf zwei weiteren Bühnen des Deutschen Theaters ab. Während die schmalen Eingänge zum sogenannten „Keller“ oft mit Menschentrauben verstopft waren und man beim Streifzug durchs Gebäude die dortige Musik dann nur aus der Ferne zu hören bekam, fand sich zur Bühne im Studio immer ein Weg.

In Vorbereitung aufs Jazzfestival-Wochenende liefen wieder zahlreiche weitere Konzerte in der Region. Den Abschluss übernimmt das Berliner Jazzfunk-Quartett Mo´ Blow am heutigen Sonntag um 20 Uhr im Kulturzentrum Musa.

Von Harald Kuhl

Künstler überzeugen beim Göttinger Jazz-Festival

Rubriklistenbild: © Kuhl

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