30. Göttinger Literaturherbst

Ausverkaufter Auftakt: Buchpreis-Gewinnerin Strubel liest beim Göttinger Literaturherbst

Autorin Antje Rávik Strubel bei einer Lesung auf der Bühne im Scheinwerferlicht.
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Lesung im ausverkauften Saal des Alten Rauthauses: Autorin Antje Rávik Strubel las dem Publikum aus ihrem preisgekrönten Roman „Blaue Frau“ vor.

Göttingen – Bei der Frankfurter Buchmesse wurde Antje Rávik Strubel am vergangenen Dienstag mit dem Deutschen Buchpreis 2021 ausgezeichnet. Am Samstag las sie zum Auftakt des 30. Göttinger Literaturherbstes im ausverkauften Saal des Alten Rathauses aus ihrem preisgekrönten Roman „Blaue Frau“.

Seit 2014 zählen die ersten Lesungen der frischgekürten Preisträger des Deutschen Buchpreises außerhalb der Frankfurter Buchmesse zu den Höhepunkten des Göttinger Literaturherbstes.

„Es ist schön, Sie hier so gelassen zu erleben“, begrüßte Moderator Stephan Lohr die aus Potsdam stammende Autorin Strubel, die in diesem Jahr für ihren Roman „Blaue Frau“ die begehrte und mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung erhielt. „Wir hatten hier schon Buchpreisgewinner, die nach dem Messestress deutlich angespannter wirkten und die erstmal ein Stützbier bestellt haben.“

Tatsächlich sei die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr aus Strubels Sicht „deutlich entspannter“ gewesen als vor der Corona-Pandemie. „Die Gänge waren viel breiter und die Luft deutlich besser“, berichtete die 47-Jährige. „Deshalb habe ich mir den Gewinn des Buchpreises auch für dieses Jahr aufgespart“, scherzte sie.

In ihrem Roman „Blaue Frau“, der von einer siebenköpfigen Jury (darunter die Göttingerin Dr. Anja Johannsen) zum besten deutschsprachigen Roman des Jahres ernannt wurde, geht es um Adina (auch Sala oder Nina genannt), die in Helsinki Zuflucht gesucht hat.

Schon als Kind sehnte sie sich hinaus aus dem Dorf in Tschechien, in dem sie aufwuchs. Als junge Frau geht sie nach Deutschland, absolviert zunächst einen Sprachkurs in Berlin.

Strubel zusammen mit Moderator Stephan Lohr. Im anschließenden Gespräch erklärte die frischgebackene Buchpreisträgerin, wie es ihr gelang, ihren vielschichtigen Roman zu schreiben.

Bei einem anschließenden Praktikum in einem Kulturhaus in der Uckermark wird sie Opfer eines sexuellen Übergriffs, den niemand ernst nimmt. Adina wird zu einer unsichtbaren Frau, arbeitet schwarz in einem Hotel in Helsinki und beginnt eine Beziehung mit einem estnischen Professor, der auch Abgeordneter im EU-Parlament ist. Stück für Stück versucht sie, herauszutreten aus der Unsichtbarkeit und wieder hinein ins Leben.

Im Gespräch über die Passagen, die Antje Ravik Strubel dem interessierten Göttinger Publikum am Samstagabend vorlas, gingen Stephan Lohr und die Autorin deren Motivation für das Schreiben eines derart vielschichtigen und in zwei erzählerische Ebenen verwobenen Romans auf den Grund.

„Dies ist ein kluges und sehr kenntnisreiches Buch, das viele Leser verdient hat“, befand Lohr zum Abschluss des Abends, der einen gelungenen Auftakt für den 30. Göttinger Literaturherbst lieferte. (Per Schröter)

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