Auswirkungen von Corona auf die Arbeit

Göttinger Finanzamt-Chef: Homeoffice-Kosten können abgesetzt werden

Das Foto zeigt den Eingangsbereich eines älter aussehenden großen Steingebäudes von außen.
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Das Finanzamt Göttingen: Es betreut praktisch alle Städte und Gemeinden im Landkreis Göttingen. Ausnahmen sind die Stadt Duderstadt und die Samtgemeinde Gieboldehausen. Sie gehören zum Finanzamt Northeim.

Corona und Steuern spielen zurzeit eine besondere Rolle. Auch in Südniedersachsen ist die Krise spürbar. Wir sprachen dazu mit Andreas Pohlmann, Chef des Göttinger Finanzamtes.

Göttingen – Wer Kurzarbeitergeld bezogen hat, muss für 2020 eine Einkommenssteuererklärung abgeben. Das sagt Andreas Pohlmann, Chef des Göttinger Finanzamtes. Wir sprachen mit ihm über das Thema Corona und Steuern, das in der Pandemie eine besondere Rolle spielt.

Andreas Pohlmann (61) leitet seit März 2015 das Finanzamt Göttingen. Nach einer Ausbildung beim Finanzamt Oldenberg und einem Jura-Studium in Göttingen und dem anschließenden Referendariat kam er zur Steuerverwaltung zurück. Pohlmann ist verheiratet, lebt in Northeim und hat zwei erwachsene Kinder.
Wie hat sich das Steueraufkommen beim Finanzamt Göttingen durch die Corona-Krise entwickelt?
Wir werden voraussichtlich etwa 70 Millionen Euro weniger einnehmen als 2019. Damals haben wir mehr als eine Milliarde Euro von den Steuerzahlern bekommen.
Worauf führen Sie geringen Rückgang zurück?
Wir haben in unserem Amtsbezirk viele Beschäftigte mit überdurchschnittlichem Einkommen. Große Arbeitgeber hatten in der Regel keine Kurzarbeit. Deshalb rechne ich mit einer Lohnsteuersumme von gut 550 Millionen für 2020. Das entspricht aber wegen der Kurzarbeit nicht ganz dem Vorjahresniveau.
Wo gab es Rückgänge bei den Steuern?
Bei der Einkommensteuer, die Selbstständige und Gewerbetreibende zahlen, haben wir starke Rückgänge um etwa 25 Prozent auf etwa 150 Millionen Euro. Da ist die Krise deutlich zu spüren.
Wie hat sich die Senkung der Umsatzsteuer ausgewirkt?
Wir hatten eine Mehreinnahme von 20 Millionen auf etwa 140 Millionen Euro. Die Unternehmen machen gute Umsätze. Im zweiten Halbjahr hat vermutlich auch der Konsum der Privathaushalte zugenommen.
Wie wirkte sich die Abordnung von Beschäftigten des Finanzamtes zum Gesundheitsamt auf die Arbeitsbelastung aus?
Es unterstützten zehn Beamte der Göttinger Finanzämter das Gesundheitsamt in der Uni-Stadt. Die Kollegen der Stadtverwaltung lobten den Einsatz unserer Kollegen, weil sie Erfahrung in Verwaltungsfragen haben.
Auf die Arbeit der Finanzämter selbst hatte es geringe Auswirkungen. Es waren vor allem Außenprüfer beim Gesundheitsamt im Einsatz. Sie konnten jetzt nicht in Unternehmen prüfen. Deshalb könnte es am Ende Mindereinnahmen bei den Steuern geben.
Was sollten Beschäftigte beachten, die in diesem Jahr Kurzarbeitergeld bezogen haben?
Wer Kurzarbeitergeld bezogen hat, muss für 2020 eine Einkommensteuererklärung abgeben. Hintergrund ist der sogenannte Progressionsvorbehalt.
Dabei erhöht sich der persönliche Steuersatz für das übrige Einkommen. Die Folge: Es muss unter Umständen nachgezahlt werden.
Wie hoch wird die Belastung durch den Progressionsvorbehalt sein?
Das hängt vom Einzelfall ab und den persönlichen Umständen ab. Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Sinnvoll kann es sein, eine kleine Rücklage zu bilden.
Wie kommt das Finanzamt an Daten zum Kurzarbeitergeld?
Wir bekommen die Daten über die Einkommensteuererklärung sowie über den Datenabgleich der Lohnsteuerdaten vom Arbeitgeber.
Was ist mit dem Thema Fahrtkosten und Steuererklärung?
Für Tage im Homeoffice können keine Fahrtkosten geltend gemacht werden. Wir werden ein Auge auf das Thema haben.
Lohnt es sich, Kosten aus dem Homeoffice bei der Steuererklärung anzugeben?
Ja, es gibt die Möglichkeit, fürs Homeoffice eine Kostenpauschale von fünf Euro je Tag, höchstens aber 600 Euro im Jahr steuerlich geltend zu machen, aber nur wenn kein Arbeitszimmer steuerlich abgesetzt wird.
Zu beachten ist aber das sich dieser Vorteil nur dann steuerlich auswirkt, wenn dadurch der Arbeitnehmerpauschbetrag in Höhe von 1000 Euro überschritten wird.
Wie überprüfen Sie die Steuerehrlichkeit der einzelnen Kunden?
Dabei unterstützt uns ein Computerprogramm. Das sogenannte „Risiko-Management“ der Finanzverwaltung hilft uns auf zwei Wegen. So werden offensichtliche Falschangaben automatisch einer Zusatzüberprüfung unterzogen.
Außerdem werden nach dem Zufallsprinzip aus allen Steuerfällen einzelne Fälle per Hand unter die Lupe genommen. Außerdem gibt es in jedem Jahr neu festgesetzte Prüfschwerpunkte.
Mit welchen Sanktionen muss man rechnen, wenn man falsche Angaben macht?
Das hängt von der Höhe des Steuerschadens sowie von der kriminellen Energie des Steuersünders ab. Bei einem Steuervergehen von mehr als einer Million Euro drohen sogar Haftstrafen.
Ist das Interesse, beim Finanzamt zu arbeiten, mit Blick auf einen sicheren Arbeitsplatz gestiegen?
Ja, bei den jüngsten Vorstellungsgesprächen haben wir das immer wieder gehört. Insbesondere unsere Ausbildung für den gehobenen Dienst mit dualem Studium ist bei jungen Leuten beliebt.

(Bernd Schlegel)

Online-Service: „Mein Elster“ löst das bisherige Elster-Formular ab

Mit der kostenfrei von der Steuerverwaltung zur Verfügung gestellten Plattform „Mein Elster“ können Steuererklärungen elektronisch abgegeben werden.

Auch verschiedene Anträge, Mitteilungen und Einsprüche können darüber auf digitalem Weg gesendet werden. Das neue Angebot ersetzt das bisherige ElsterFormular.

Die ersten Steuererklärungen für das vergangene Jahr werden voraussichtlich erst ab diesem Monat bearbeitet, den zunächst müssen noch aktuelle Daten in die Computersysteme der Finanzämter eingespielt werden.

Das Finanzamt Göttingen betreut praktisch alle Städte und Gemeinden im Landkreis Göttingen. Ausnahmen sind die Stadt Duderstadt und die Samtgemeinde Gieboldehausen. Sie gehören zum Finanzamt Northeim. elster.de

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