Vor allem BMW sind betoffen

Autoaufbrüche in Südniedersachsen: Reisende Täter sind auf Navis scharf

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Navigationsgerät und Multifunktionslenkrad weg: Die Autoknacker haben es vor allem auf BMW-Fahrzeuge abgesehen.

Göttingen/Northeim. Eine Serie von Autoaufbrüchen beschäftigt derzeit die Polizei in Südniedersachsen.

Das Besondere daran: Die Täter haben sich insbesondere auf die Marke BMW spezialisiert. In einigen Fällen waren auch Fahrzeuge der Marke Mercedes betroffen. Die Autoknacker haben es vor allem auf fest eingebaute Navigationsgeräte, Multifunktionslenkräder, Airbags und weitere hochwertige Elektronik abgesehen.

Beim jüngsten Vorfall brachen unbekannte Täter in der Nacht zum Mittwoch im Norden von Göttingen vier Pkw der Marke BMW auf und bauten die Geräte aus. Ein Autofahrer aus Bovenden war bereits zum zweiten Mal betroffen. Vor wenigen Wochen hatten Autoknacker sein Fahrzeug schon einmal aufgebrochen und das Multifunktionslenkrad entwendet. Jetzt stand sein Auto erneut ohne Lenkrad da.

In den vergangenen drei Wochen gab es im Bereich der Polizeiinspektion Göttingen mehr als zehn Fälle dieser Art. Zuvor hatte es im Raum Kassel eine ähnliche Serie von Kfz-Aufbrüchen gegeben. Auch hier seien vor allem Fahrzeuge der Marke BMW betroffen gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

Tatorte nahe der Autobahn

Die Ermittler vermuten, dass reisende Täter aus Osteuropa hinter der Diebstahlsserie stecken und die Beute anschließend ins Ausland verfrachten. Die Tatorte lagen jeweils nahe der Autobahn. Die Täter kennen sich offenbar gut mit den Fahrzeugen aus und gehen professionell vor. In der Regel seien die Lenkräder und Navigationsgeräte fachmännisch ausgebaut worden, sagte ein Sprecher. Um in das Fahrzeug gelangen zu können, schlugen sie die hintere Seitenscheibe ein.

Der bayerische Autohersteller will den kriminellen Banden jetzt das Geschäft erschweren. Seit Ende 2016 statte man alle neuen Navigationsgeräte mit einem Länder-Code aus, sagte ein BMW-Sprecher auf Anfrage. „Gestohlene Geräte mit einem solchen Code können in anderen Ländern nicht verwendet werden und sind dort nutzlos.“

Die Zeitschrift Auto-Bild hat vor einigen Monaten eigene Ermittlungen angestellt, um herauszubekommen, wo die Diebe ihre hochwertige Beute absetzen. Ein Redakteur hatte dazu ein fest eingebautes Navigationsgerät in einem BMW mit einem Peilsender ausstatten lassen und das Fahrzeug anschließend am Hamburger Stadtrand abgestellt.

Das Auto sei prompt aufgebrochen worden, heißt es in dem Bericht. Anhand der gesendeten GPS-Daten habe man den weiteren „Vertriebsweg“ verfolgen können. Das gestohlene Navi gelangte zunächst über Litauen nach Riga und Helsinki, von dort mit Luftfracht nach Paris und weiter über Hongkong nach China, wo es in einen BMW eingebaut wurde. (pid)

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