Unterhaltung in Corona-Zeiten

Autokino: Der „Rocketman“ war erst der Anfang

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Der Rocketman aus Windschutzscheiben-Perspektive: 60 Fahrzeuge fanden sich zur Premiere des Autokinos im Göttinger Jahnstadion ein. 

„Rocketman“ machte den Anfang: Der Film über Popstar Elton John lief zur Premiere des Autokinos im Jahnstadion am Sandweg in Göttingen. Eine Woche lang gibt es jeden Abend einen anderen Film – doch alle Termine sind bereits ausgebucht.

Zusammen mit der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH (GöSF) hat das Kino Lumière die Aktion auf die Beine gestellt, damit trotz Coronakrise weiterhin Kinohits auf der großen Leinwand angeschaut werden können – denn auch die Kinos müssen noch auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben.

Sechzig Fahrzeuge werden am Samstagabend nach und nach in mehrere Reihen vor die große Leinwand gelotst. Dabei helfen Mitarbeiter der GöSF. Einlass ist ab 19.30 Uhr, ab 20 Uhr werden die Autos eingewiesen, um 20.45 Uhr beginnt die Vorstellung. Die Besucher kommen nicht nur aus Göttingen, sondern auch von weiter weg, so aus Einbeck oder Kassel. „Schade, dass es so etwas nicht auch in Kassel gibt“, sagt ein extra für das Autokino angereister Nordhesse.

Kati Ludwig aus Göttingen ist mit ihrem Mann und ihren drei Kindern gekommen. Dementsprechend eng ist es im Auto. „Ich habe von der Aktion von einer Freundin erfahren und mich direkt angemeldet“, sagt sie. „Wir haben Glück gehabt, denn die Filme waren sehr schnell ausgebucht.“

Getränke, Chips und Dips haben sie sich mitgebracht, ein Verkauf darf vor Ort nicht stattfinden. „Das ist eine richtig tolle Aktion und Abwechslung“, erzählt die Göttingerin, die generell gerne ins Kino geht. „Das wird ein schöner bunter Abend.“

Detlev Borchert aus Göttingen kam mit seinem Wohmobil ins Autokino am Sandweg.

Komfortabler geht es da bei Detlev Borchert aus Göttingen zu. Er ist mit seiner Frau in einem großen Wohnmobil auf den Jahnstadion-Parkplatz gekommen. „Das ist doch viel bequemer als im Pkw, und wir haben Bier aus dem Kühlschrank und eine Toilette an Bord, um es wieder loszuwerden“, sagt Borchert. Er steht ganz am Rand der Autoreihen, um keinem anderen Pkw die Sicht zu versperren.

„Wir als Lumiere machen diese Veranstaltung auch, um im Gedächtnis der Bürger zu bleiben“, sagt Geschäftsführerin Telke Reeck. „Natürlich sind auch wir offen für Spenden, nicht nur zum Autokino. Das hilft uns, diese Zeit zu überbrücken.“

Auf die Idee zum Autokino ist Luise, die 24-jährige Tochter von GöSF-Chef Andreas Gruber, gekommen. „Das ist eine super Sache, wir haben einfach das Equipment des Freibad-Open-Air-Kinos auf die andere Straßenseite gebracht“, erzählt Gruber. Und er hat an alles gedacht: Kurz vor Beginn der Vorstellung bringt Tochter Luise noch ein Ladegerät für Autobatterien vorbei, „falls nach dem Film ein Auto nicht mehr anspringen sollte.“ Denn der Ton zum Kinofilm kommt über das Autoradio auf einer extra eingerichteten UKW-Frequenz.

Weil das Autokino für die Besucher komplett kostenlos ist, konnten die Besucher eine Spende geben. Alleine am Samstagabend sind 636,50 Euro zusammen gekommen, die zusammen mit den Spenden der noch folgenden Tage je zu Hälfte an den Verein Kunst (Kultur unterstützt Stadt) und den Stadtsportbund gehen, die das Geld an Kultureinrichtungen und Sportvereine weitergeben.

Nachdem am Samstagabend zunächst der Streifen „Rocketman“ gezeigt wurde, folgten am Sonntag und Montag „Das perfekte Geheimnis“ sowie „Eiskönigin 2“. Weitere Filme sind „Gundermann“, „25 km/h“, „Jojo Rabbit“ und „Bohemian Rhapsody“ und noch einmal „Das perfekte Geheimnis“. „Und wenn die Stadt Göttingen zustimmt, zeigen wir am kommenden Sonntag das Musical Wild Thing als Aufführung vom Jungen Theater auf einer mobilen Bühne“, hofft GöSF-Chef Andreas Gruber.

VON STEFAN RAMPFEL

Auch in Kassel gibt es nun ein Autokino. Wegen der Corona-Krise sind die Kinos in der Stadt zu. Auf ein schönes Filmerlebnis muss nun trotzdem nicht verzichtet werden. 

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