Abend im Deutschen Theater

Axel Hacke: Wörter-Jongleur, Müßiggänger und Bedeutendmacher 

Frei erzählend: Dann ist der Journalist und Autor Axel Hacke so richtig stark, wie am Dienstagabend bei einer Lesung im Deutschen Theater Göttingen. Foto: Thomas Kopietz

Volles Haus im Deutschen Theater, als am Dienstag der Autor und Kolumnist Axel Hacke dort einen amüsanten Abend bot

Sein – gewiss nicht total langweiliger Lebenslauf – war Axel Hacke irgendwann dann doch zu langweilig. Heute findet der Leser auf des Autors Internetseite deshalb sechs (!) Lebenslauf-Varianten (auch im Schreibstil Thomas Manns und Thomas Bernhards). Das ist erfrischend komisch. Wie ein Lese- und Erzählabend mit Axel Hacke.

Talent für Wortspielereien

Im Deutschen Theater braucht es nicht mehr als einen Stuhl, bunte Hintergrundspots und einen Tisch zur Ablage einiger Hacke-Werke, aus denen der einstige SZ-Redakteur und seit Langem freischaffende Schreiber mit dem herausragenden Talent für Spiel, Deutung und Jonglage mit Wörtern, liest.

Die Toten der Woche

Der Held seines jüngsten Buches „Wozu wir alle da sind“ heißt Walter Wemut, „ohne h und ohne r“, fügt Hacke an. Wemut ist Journalist – und Experte in Sachen Lebensgeschichten. Er füllt allwöchentlich eine Zeitungsseite mit Nachrufen – nicht nur auf Berühmtheiten: „Die Toten der Woche.“ Nun soll der Nachrufe-Schreiber Wemut eine Rede für einen 80. Geburtstag schreiben. Kann er das überhaupt? Die Freundin lebt ja noch. Diese Aufgabe lässt Wemut nachdenken, über das Leben, sein Leben, über das, was wichtig und unwichtig ist.

Herumsitzen wird zum Machen

„Der Tod macht keinen Urlaub, deswegen mache ich auch wenig Urlaub“, sagt Wemut, dem auch auffällt, dass heute keiner mehr einfach herumsitzt. „Selbst Herumsitzen wird zum Machen.“ Das heißt heute Yoga oder Meditieren. „Nur der Müßiggang könnte unsere Rettung sein.“

Leben ist ein Weitsprung

Da ist nun eine „Handreichung für ein gelungenes Leben“, wie der Untertitel des Buches verspricht. Das liefert auch Zustandsbeschreibungen: „Die Leute betreiben das Leben wie einen Weitsprung. Das Leben ist eine Hitliste. Die Menschen dulden keine Zufälle mehr – auch beim Reisen.“ Dagegen, so Hacke, könne Müßiggang helfen – „das Starren und willenlose Betrachten der Dinge“. Das ist Glück. Obwohl Freud dieses nur als „episodisches Phänomen“ kategorisierte – ein kurzzeitiges, plötzlich herein stürzendens Gefühl.

Das Beste aus meinem Leben

In Halbzeit zwei (Hacke hat übrigens auch ein hervorragendes Buch über Fußballerlebnisse geschrieben) wird deutlich, wie brillant Axel Hacke ist. Er erzählt über seine Kolumne „Das Beste aus meinem Leben“, den legendären Akteuren darin – Kühlschrank „Bosch“ – und liest einige wunderbare Stücke. Diese basieren oft auf feinen Alltagsbeobachtungen, eigenen Erlebnissen, Leserzuschriften und der Faszination für Wortspielereien. Hacke beherrscht das vorzüglich, was nach seinen Worten einen Kolumnisten auszeichnen muss: „das Bedeutungslose bedeutend machen“.

Robuster Humor

Der Humor des gebürtigen Braunschweigers ist hintergründig, trocken, robust. So zitiert er im DT gerne auch Rudi Assauer: „Wenn der Schnee schmilzt, sieht man, wo die Scheiße liegt“ und Warren Buffet: „Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt schwimmt.“

Wörter-Ungetüme

Herrlich, als Hacke sich Wortungetümen widmet: „Donauaufforstung“ mit vier aufeinanderfolgenden Vokalen und „Bretterzerschmetterer“, oder er sich über die Aussprache des Wortes „röntgen“ auslässt und das von jedem irgendwo schon mal erlebte „Partnerschaftspassiv“ „Das muss unbedingt noch mal weggeräumt werden“, erfindet.

Eine Zuschauerin sagt nach dem höchst amüsanten Abend: „Wunderbar, ich liebe diese Sprache, diesen Hacke.“ Gleichwohl: Hacke war auch schon auftrittsfreudiger. (tko)

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