Baby-Boom bei den Harz-Luchsen

Krallen ausgefahren: Die Jungtiere wehren sich beim Messen und Wiegen. Foto: Ntionalpark Harz/pid

Göttingen/Altenau. Vor 15 Jahren wurden im Harz die ersten Luchse ausgewildert. Seitdem haben sich die Wildtiere immer weiter ausgebreitet, sind 200 Luchse geboren worden.

Jetzt haben die Pinselohren für eine Sensation gesorgt: Erstmals hat eine Luchsin in einem Wurf fünf Junge zur Welt gebracht.

„Das ist ein Rekord“, freut sich der Luchsbeauftragte der Harzer Nationalparkverwaltung, Ole Anders. Die Luchs-Experten hatten die Jungtiere Ende Mai in einem Waldgebiet bei Bockelnhagen im Südharz entdeckt. Um zu verhindern, dass Schaulustige die fünffache Luchsmutter bei der Aufzucht ihrer Jungen stören, informierten die Behörden erst jetzt über den Baby-Boom. Ole Anders und Kollegen waren den Jungtieren auf die Spur gekommen, weil die Mutter mit einem Halsbandsender ausgestattet ist.

Im April 2014 hatten Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung die damals ein Jahr alte Luchsin bei Altenau (Kreis Goslar) mit einer Kastenfalle eingefangen. Das Tier erhielt einen Sender und durfte unter dem Registriercode „F 5“ wieder die Freiheit genießen. Der Sender übermittelt zweimal täglich per Satellit ihren Aufenthaltsort.

Fauchend im Holzstoß: Drei der fünf jungen Harz-Luchse zeigen den Entdeckern ihren Unmut. Foto: Nationalpark Harz/pid

Während der Sommermonate wechselte sie immer wieder über die niedersächsisch-thüringische Grenze, bis sie sich südlich von Bad Sachsa in den Wäldern nahe Bockelnhagen niederließ. Seit Anfang Mai kamen die Signale des Tieres nur noch von einem einzigen Ort – ein Indiz dafür, dass die Luchsin Mutter geworden war. „Wir haben dann von den thüringischen Behörden die Genehmigung bekommen, die Jungtiere zu untersuchen und zu markieren“, sagt Ole Anders.

Dank des Senders wussten sie in etwa, wo sie suchen mussten. Unter einem großen Holzlager entdeckten sie die Kinderstube – und waren verblüfft: In einem Hohlraum drängten sich fünf fauchende Jungluchse zusammen.

Die Tiere wurden gewogen, vermessen und mit einem Chip-Transponder unter der Haut markiert. Um den genetischen Fingerabdruck erfassen zu können, wurden einige Haare und Speichelproben entnommen. Nachdem die Prozedur beendet war, kam die Luchsmutter zurück und brachte die Jungtiere in ein sicheres Versteck in der Nähe. Inzwischen sind sie so groß, dass sie mit ihrer Mutter umherziehen können.

Auch unter den Pinselohren, die vom Harz aus nach Nordhessen in den Kaufunger Wald ausgewandert sind, hat es wieder Nachwuchs gegeben.

Eine Luchsin, die Anfang des Jahres mit einem Sender ausgestattet worden war, habe dort vier Junge zur Welt gebracht, berichtet Anders. Eines davon sei gestorben. Die übrigen wurden ebenfalls vermessen und markiert.

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