Gymnasiastin gewinnt Rechtsstreit gegen Kreis

Bafög für Unterricht auf dem segelnden Klassenzimmer

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Lernen auf dem Segelschiff: Für den Unterricht auf der Brigg Roald Amundsen steht einer Gymnasiastin Bafög zu.

Göttingen. Eine Gymnasiastin aus dem Landkreis Göttingen, die sieben Monate lang im Rahmen eines schulischen Projekts über die Weltmeere geschippert ist, hat für diese Zeit Anspruch auf Bundesausbildungsförderung (Bafög).

Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden. Das Gericht gab damit einer Klage der Schülerin gegen den Landkreis Göttingen statt (Aktenzeichen 2 A 780/13).

Die Gymnasiastin hatte von Oktober 2013 bis Mai 2014 an dem Projekt „High Seas High School – Das segelnde Klassenzimmer“ teilgenommen, das von einem Internatsgymnasium auf Spiekeroog angeboten wird. Bei diesem Projekt segeln bis zu 28 Schüler auf einem traditionellen Zweimaster von Hamburg aus nach Teneriffa und von dort weiter über den Atlantik in die Karibik. Nach verschiedenen Stationen in Mittel- und Südamerika geht es dann über die Bahamas, Bermudas und die Azoren zurück nach Hamburg.

Ziel des Projekts ist es, junge Menschen in ihrer Eigenverantwortlichkeit und ihren sozialen Kompetenzen zu stärken. Die Schüler lernen segeln und navigieren und müssen auf dem Schiff Aufgaben wie Kochen, Wachen und Putzen übernehmen.

Während des Segeltörns findet an Bord regelmäßig Schulunterricht statt, der im Wesentlichen dem Lehrplan für Gymnasien entspricht. In allen Fächern werden Themen mit einem maritimen Schwerpunkt behandelt, etwa die Geschichte der Sklaverei an der Küste Afrikas, die Mathematik der Navigation oder im Englischunterricht die Besichtigung von Originalschauplätzen Ernest Hemingways auf Kuba. Während des Aufenthalts in Mittelamerika erhalten die Schüler intensiven Spanischunterricht.

Schüler, die an diesem Projekt teilnehmen möchten, müssen ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen und sehr gute schulische Leistungen, ein breites außerunterrichtliches Engagement und ein aussagekräftiges Motivationsschreiben vorweisen können. Außerdem müssen sie bei einem einwöchigen Probetörn ihre grundsätzliche Eignung beweisen. Die Schülerin aus dem Landkreis Göttingen erfüllte alle diese Bedingungen. Die Gymnasiastin interessiert sich besonders für Biologie und Naturwissenschaften und möchte später Meeresbiologie studieren. An ihrer vorherigen Schule hatte sie sich jahrelang in einer Schülerfirma und der Schulband sowie als Klassensprecherin engagiert.

Der Landkreis Göttingen wollte ihr für das schulische Segelprojekt allerdings kein Bafög bewilligen, weil sie stattdessen ein wohnortnahes Gymnasium besuchen könne. Nach Ansicht des Gerichts sind beide Ausbildungen jedoch nicht vergleichbar. Die Schülerin habe individuelle ausbildungsbezogene Gründe für eine Teilnahme an diesem Projekt gehabt. Deshalb stünden ihr Bafög-Leistungen zu.

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