Pro Bahn: „GDL nimmt Kunden als Druckmittel“

Gerd Aschoff Foto: Schlegel

Göttingen. Im Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Deutschen Bahn AG drohen weitere Streiks. Wir sprachen mit Gerd Aschoff, Pressesprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, über den Streit.

Drohen in der kommenden Woche weitere Arbeitsniederlegungen der Lokomotivführer? 

Gerd Aschoff: Ja, wir müssen damit rechnen. Nach den Ankündigungen von GDL-Chef Claus Weselsky wird der Konflikt weiter eskalieren. Ich rechne mit mehrtägigen Ausständen ab der zweiten Wochenhälfte.

Gibt es inzwischen Anzeichen für eine Einigung in dem Konflikt? 

Aschoff: Überhaupt nicht. GDL und Bahn sprechen gar nicht miteinander. Die GDL redet nur über öffentliche Erklärungen mit der Bahn-Spitze und damit dem Arbeitgeber.

Sind die Streiks der Lokführer überhaupt noch gerechtfertigt? 

Aschoff: Überhaupt nicht. Die GDL nimmt gleichsam alle Kunden der Deutschen Bahn als Druckmittel gegen ihren Arbeitgeber. Das ist angesichts der Verhandlungsmöglichkeiten, die weiterhin bestehen, nicht zu rechtfertigen.

Wie sieht das Verhältnis zwischen GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) aus? 

Aschoff: Die Fronten sind absolut verhärtet. Zwischen den Führungen beider Gewerkschaften herrscht Stillschweigen. Das hat sogar Auswirkungen auf die Arbeit der Eisenbahner vor Ort: Mitglieder beider Gewerkschaften stehen sich fast feindselig gegenüber.

Was raten Sie Kunden der Deutschen Bahn im Streikfall? 

Aschoff: Man sollte die Reisepläne mit der Bahn auf Eis legen. Niemand kann davon ausgehen, dass man beim Streik mit der Bahn sein Ziel reibungslos erreicht. In Einzelfällen kann man alternativ Privatbahnen, wie den Metronom oder dem Cantus, nehmen. Zum Glück reagiert die Bahn außerdem in der Regel mit einem Ersatzfahrplan, der vielen Reisenden hilft.

Wann wird der Tarifkonflikt bei der Bahn vom Tisch sein? 

Aschoff: Dazu müsste die GDL mit ihrem überzogenen Expansionskonzept scheitern. Oder es müssen endlich konkrete Verhandlungen zwischen den Kontrahenten laufen.

Zur Person

Gerd Aschoff (58) ist seit vergangenem Jahr Bundespressesprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, der sich für die Belange der Bahnkunden einsetzt. Der Göttinger ist freiberuflicher Journalist. In seiner Freizeit ist er gern mit der Eisenbahn unterwegs. (bsc)

Von Bernd Schlegel

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