Fahrgastverband wirft Verkehrsverbund Ideenlosigkeit in Tarifgestaltung vor

Pro Bahn kritisiert teure Tickets

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Vorwürfe gegen Verkehrsverbund: Pro Bahn-Regionalvorsitzender Gerd Aschoff.

Göttingen. Die Tariferhöhung im Verkehrsverbund Südniedersachsen (VSN) zum 1. April, die am Donnerstag offiziell bekannt gegeben wurde, ist beim Fahrgastverband Pro Bahn auf deutliche Kritik gestoßen.

„Die Verantwortlichen schauen weder nach links oder rechts und unternehmen nichts, um für neue Kundengruppen attraktiv zu werden“, bedauert der Pro Bahn-Regionalvorsitzende Gerd Aschoff (Göttingen).

Diese Ideenlosigkeit sei angesichts der hinreichend bekannten Tatsache, dass die größte Kundengruppe, die Schüler, Jahr für Jahr kleiner wird, mehr als erstaunlich. Die Fachwelt verweise seit Jahren auf den Freizeit- und Gelegenheitsverkehr als wichtigen Wachstumsmarkt für den öffentlichen Nahverkehr, „doch der VSN plant wacker weiter am Markt vorbei“.

Dabei beurteilt der Fahrgastverband das Angebot mit Bahn und Bus für den Freizeit- oder Gelegenheitskunden als gar nicht mal so schlecht. Die Bahnstrecken und viele Buslinien werden im Stundentakt oder jedenfalls in merkbaren Intervallen bedient und lassen spontanes Fahren durchaus zu. Was fehlt, ist der preisliche Anreiz zum Umsteigen: Pro Bahn-Sprecher Michael Reinboth (Walkenried): „Nach wie vor gibt es kein Ticket für Fahrten nach 9 Uhr, nach wie vor ist auch die Regelung für die Mitnahme bei Zeitkarteninhabern unzureichend, da sie den Samstagvormittag ausklammert. Für die stark wachsende Gruppe der Senioren gibt es ebenfalls keinerlei Angebote. Von Angeboten für Ausflügler in Harz oder Solling ganz zu schweigen.“

Der Fahrgastverband kritisiert weniger die Höhe der Anhebung um 1,9 Prozent mit acht Monaten Verspätung („Endlich einmal eine Verspätung, die gefällt…“), sondern vielmehr „die weiter obwaltende Phantasiearmut. Bahnen und Busse könnten auch in Südniedersachsen neue Kunden gewinnen. Aber hierzu müsse man sich mit Tarifanreizen bewegen und sollte nicht länger darauf vertrauen, auf ausgefahrenen Wegen mittels steigender Zuschüsse der öffentlichen Hand über die Runden zu kommen.“ (p)

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