Pro Bahn: Zahlungswillige Kunden nicht kriminalisieren

Fahrkartenautomat: Immer wieder kommt es Problemen mit den Geräten. Foto: dpa

Göttingen. Pro Bahn will eine Kriminalisierung zahlungswilliger Fahrgäste verhindern. Der Fahrgastverband ist dagegen, dass Schwarzfahrer künftig generell 60 statt 40 Euro bezahlen sollen.

Hintergrund: Am Freitag soll über eine Vorlage im Bundesrat beraten und beschlossen werden, die eine Erhöhung der Strafe für Schwarzfahrer vorsieht. Der Verband freut sich darüber, dass auch aufgrund seiner Bemühungen das Thema wieder politisch diskutiert wird. „Wir fordern seit langem, dass notorische Schwarzfahrer strenger bestraft werden und dass hierzu unsere Forderung nach Verdoppelung des Preises für diese Personen mit aufgenommen wurde“, sagt Bundespressesprecher Gerd Aschoff (Göttingen).

Gleichzeitig will der Verband verhindern, dass zahlungswillige Fahrgäste als Schwarzfahrer abgestempelt werden. Pro Bahn liegen zahlreiche Fahrgastbeschwerden vor. Daraus werde deutlich, dass immer wieder zahlungswillige Fahrgäste durch mangelhafte Information, defekte Automaten oder schlechten Kundenservice ohne gültige Fahrkarte in Bahnen oder Bussen angetroffen werden.

Folgende Probleme treten verstärkt auf:

• Häufig versagen Automaten dabei, die EC-Karte des Fahrgastes zu lesen.

• Immer wieder ist der Einwurfschlitz von Automaten verklebt.

In diesen beiden Situationen geht die Zentrale des Verkehrsunternehmens bei einer Fernkontrolle fälschlicherweise davon aus, dass der Automat funktionsfähig ist. Auch die verschiedenen Fahrkartenangebote und -bedingungen sind aus Sicht des Verbandes häufig so kompliziert, dass immer wieder Fahrgäste ohne böse Absicht und aus Unwissenheit mit einer nicht gültigen Fahrkarte unterwegs sind.

Einige Verkehrsbetriebe stellen laut Pro Bahn generell bei jedem von ihnen festgestellten Schwarzfahrer einen Strafantrag. Das ist aus Sicht des Verbandes ein deutlich überzogenes Vorgehen.

Pro Bahn wurden auch Fälle bekannt, in denen die Fahrgäste nachträglich als gültig akzeptierte Fahrkarten vorweisen konnten, die Verkehrsunternehmen diese aber aus unterschiedlichen Gründen nicht anerkannten. Es komme sogar vor, dass trotz nachträglicher Akzeptanz der Fahrkarte die Daten bei der Bundespolizei gespeichert wurden.

Zudem landen ehrliche Fahrgäste bei schlechtem Kundenservice in der Schwarzfahrerkartei, in der sie für ein Jahr gespeichert bleiben und werden bei falscher Daten-Verarbeitung mit Zahlungsforderungen konfrontiert, sagt Pro Bahn.

„Verkehrsbetriebe und Gesetzgeber sind gefordert, die geschilderten Schwachstellen abzustellen und für die Schwarzfahrer-Frage kundenfreundliche Lösungen zu finden“, sagt ProBahn-Bundesvorsitzender Jörg Bruchertseifer. Darüber hinaus fordert der Fahrgastverband seit langem, dass die Tarifbedingungen der Verkehrsbetriebe und -verbünde deutschlandweit vereinheitlicht werden. (bsc)

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