Landwirte kommen nicht zu ihren Äckern

Bahnübergang bei Klein Schneen dicht: Bauern sind sauer

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Seit einem Blitzeinschlag ist ein kleiner Bahnübergang bei Klein Schneen defekt: Bislang gab es immer einen Mitarbeiter der Bahn, der die Landwirte über die Gleise ließ. Jetzt ist dieser Übergang und Zugang zu den Fel dern versperrt.

Ein gesperrter Bahnübergang in der Feldmark von Klein Schneen sorgt für großen Unmut unter Landwirten.

Stein des Anstoßes ist eine im Normalfall permanent geschlossene „Anrufschranke“ in unmittelbarer Nähe des Klein Schneer Sportplatzes. Auf der anderen Seite des Bahnübergangs befinden sich insgesamt 23 Hektar Ackerland, die von sieben Landwirten bewirtschaftet werden.

Bis zum vergangenen Herbst konnten die Landwirte über einen Knopf an der Schrankenanlage signalisieren, dass sie geöffnet werden soll. Der Schrankenwärter im nahe gelegenen Stellwerk von Obernjesa, der Sichtkontakt zu dem Bahnübergang in Klein Schneen hat, öffnete dann die Schranke und schloss sie wieder, wenn der Traktor die Bahnstrecke überquert hatte.

Blitzeinschlag

Nachdem die Anlage dann im Herbst durch einen Blitzeinschlag beschädigt worden war und eine Reparatur aus Kostengründen nicht erstmal nicht infrage kam, hatten Bahn und Landwirte schnell eine Zwischenlösung gefunden: Immer dann, wenn mehrere Landwirte zu ihren Feldern wollten und dies zuvor bei der Bahn angekündigt hatten, entsandte diese einen Mitarbeiter, der eine sichere Überquerung gewährleistete.

„Dann wurde uns am 15. April aber plötzlich schriftlich mitgeteilt, dass aufgrund der aktuellen Sicherheitsbestimmungen der Bahnübergang bis auf Weiteres für den Straßenverkehr gesperrt werden muss“, berichtet Achim Hübner, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Göttinger Landvolk.

Als Begründung habe die Bahn angegeben, dass der Übergang von Unbekannten „unerlaubt und ohne Sicherung durch einen Bahnmitarbeiter“ überquert worden sei, was eine Straftat darstelle und worüber auch die Bundespolizei informiert worden sei. Ein Vorwurf, zu dem Hübner nur soviel sagen könne, dass es sich bei den möglichen „Tätern“ definitiv nicht um die sieben jetzt von der Sperrung betroffenen Landwirte handelt.

Bahn: Kein Anspruch

In dem Schreiben der Bahn heiße es weiter, dass der Bahnübergang nicht im Zuge einer rechtlich-öffentlichen Straße liege und es sich daher um einen privaten Bahnübergang der DB Netz AG handele. Damit bestehe auch kein Anspruch auf eine vorübergehende Öffnung.

Kehrtwende

„Diese überraschenden Kehrtwende der Bahn ist ärgerlich und – insbesondere angesichts der beginnenden Frühjahrsbestellung der Felder – so auch nicht hinnehmbar“, sagt Achim Hübner. Der Bahnübergang stelle für die Landwirte die einzige Möglichkeit dar, das betroffene Gebiet zu erreichen. Die Nutzer müssten „regelmäßig und fortlaufend“ zu ihren Flächen. „Die Felder, die im Herbst bestellt wurden, müssen bis zur Ernte im Spätsommer regelmäßig kontrolliert und weiter befahren werden“, macht Hübner deutlich.

Eine kontinuierliche Erreichbarkeit sei notwendig, da sonst unweigerlich erhebliche Schäden an den Kulturen entstünden. Auch die Jagdpächter müssten das betroffene Gebiet zur Verhinderung oder Abwicklung von Wildschäden regelmäßig erreichen können.

In einem Schreiben fordert das Landvolk die Bahn nun auf, die im Herbst getroffene Lösung weiter anzuerkennen. Auch wenn keinem Nutzer derzeit ein privatrechtlicher Vertrag vorliege, ergebe sich aus der Lage heraus „völlig eindeutig“ der Sinn des Bahnübergangs. „Warum, wenn nicht für diesen Zweck, wurde der Bahnübergang sonst gebaut“, fragt sich Hübner, der nach wie vor auf eine gütliche Klärung des Falles hofft.

VON PER SCHRÖTER

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