Göttinger Prozess um Überfall in Gittelde

Nach Banküberfall in Gittelde: Mitarbeiterin schildert die Minuten voller Todesangst

+
Das Landgericht Göttingen: Hier läuft der Prozess gegen die drei Angeklagten.

Göttingen/Gittelde. Der Prozess um einen Überfall auf eine Sparkasse in Gittelde läuft in Göttingen. Jetzt schilderten Angestellte die dramatischen Vorgänge.

„Überfall!“ und „Kein Alarm!“ Mit diesen Worten stürmten Anfang Januar zwei maskierte Männer in die Sparkassenfiliale in Gittelde.

Einer der Bankräuber hatte eine Pistole dabei, die er auf die Bankmitarbeiterin richtete. Am Dienstag schilderte die Angestellte als Zeugin im Prozess vor dem Landgericht Göttingen jene dramatischen Minuten, die sie bis heute in Alpträumen verfolgen und immer wieder Panikattacken auslösen. „Ich hatte enorme Angst, schwer verletzt oder getötet zu werden“, sagte sie.

In dem Prozess müssen sich ein 61-jähriger Mann aus Hanau, ein 49-jähriger Metallbauer aus Bad Oldesloe und ein 44-jähriger Anlagen- und Maschinenführer aus Eisenach unter anderem wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. 

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatten die drei Angeklagten, die alle bereits vielfach vorbestraft sind, den Überfall gemeinsam geplant. Der 44-Jährige habe dabei im Fluchtauto auf seine beiden Komplizen gewartet, während diese den eigentlichen Überfall verübten. Der 49-Jährige soll der Mann mit der Waffe gewesen sein. Nach den Erkenntnissen der Ermittler handelte es sich um eine täuschend echt aussehende Spielzeugpistole.

Dies konnte die Mitarbeiterin allerdings nicht wissen, als sie den Pistolenlauf auf sich gerichtet sah. Sie habe keinen Zweifel gehabt, dass sie ernstlich bedroht gewesen sei, sagte sie. Der Mann habe immer wieder geschrien: „Wo hast du Geld?“ Sie habe dann auf eine Schublade und einen Schrank gezeigt.

Größere Geldbeträge

Da in der Filiale nur Wechselgeld für örtliche Geschäfte bereitgehalten wird und sich die Kunden größere Geldbeträge am Automaten holen, konnte der Bankräuber nur einzelne Geldstücke und einige Münzrollen in seine Tasche packen. Insgesamt hätten die Täter 2184 Euro in Münzen erbeutet, sagte die Sparkassenmitarbeiterin. Während der zweite Bankräuber Taschen und Schränke durchwühlte, habe der Mann mit der Pistole den Tresor entdeckt. Den Tresor hätten sie bereits seit Jahren nicht mehr benutzt, berichtete die Zeugin. Da dieser mit einer elektronischen Sicherungsvorrichtung ausgestattet sei, habe sie den Tresor nicht öffnen können.

Die Bankmitarbeiterin leidet bis heute unter den posttraumatischen Folgen der Tat, die sich unter anderem in Panikattacken, Alpträumen, nächtlichem Zähneknirschen, Schweißausbrüchen, erhöhtem Blutdruck und körperlicher Angespanntheit manifestieren. Von den Kunden habe sie viel Zuspruch erhalten. Seit 26 Jahren sei sie in der Sparkasse tätig, eines aber sei jetzt anders: „Wenn Leute reinkommen, die ich nicht kenne, habe ich merkwürdige Gefühle.“ (pid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.