Sonderausstellung 

Sängerin Barbara: Franzosen kennen das Göttingen-Lied

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Barbara-Ausstellung: Kuratorin Andrea Rechenberg hat die Sonderschau im Städtischen Museum konzipiert. 

Göttingen. Es ist schon paradox: Eines der berühmtesten französischen Chansons ist eine einzigartige Liebeserklärung an die Stadt Göttingen. 

Nahezu jeder in Frankreich kennt den Refrain „à Göttingen, à Göttingen“, viele Franzosen können ganze Strophen mitsingen.

Sonderschau

In der Stadt, der dieses Lied gewidmet ist, ist das jedoch anders: Viele Göttinger kennen weder die Melodie noch den Text des Chansons, das die französische Sängerin Barbara (1930 bis 1997) vor 52 Jahren in Göttingen schrieb. Eine neue Sonderausstellung im Städtischen Museum der Uni-Stadt will nun dazu beitragen, das „Göttingen“-Lied“ auch in Göttingen bekannter zu machen.

Entstehungsgeschichte

Die Ausstellung „barbara 1964“, die bis zum 27. November im Städtischen Museum zu sehen ist, beleuchtet sowohl die Entstehungs- als auch die Wirkungsgeschichte des Chansons. Selbst ausgesprochene Barbara-Fans, die mit der Biografie der Sängerin vertraut sind, können hier noch Entdeckungen machen. Viele der präsentierten Dokumente sind noch nie öffentlich gezeigt worden, unter anderem zahlreiche private Briefe. Kuratorin und Macherin Andrea Rechenberg hat bei ihren umfangreichen Recherchen für die Ausstellung festgestellt, dass sich manches anders zugetragen hat, als es in den bisherigen Geschichten über den legendären Göttingen-Aufenthalt der französischen Sängerin kolportiert wurde.

Besuch im Juli 1964

Barbara kam Anfang Juli 1964 nach Göttingen. Zuvor hatte es bereits mehrere vergebliche Versuche gegeben, die französische Chansonsängerin in Deutschland auftreten zu lassen. Barbara wollte nicht - und hatte dafür allen Grund: Als sie zehn Jahre alt war, hatte sie mit ihrer jüdischen Familie aus dem von Deutschland besetzten Teil Frankreichs fliehen müssen. Jahrelang musste sie sich vor der Gestapo und dem mit Nazi-Deutschland kollaborierenden Vichy-Regime verstecken. Dann machte der damalige Leiter des Jungen Theaters in Göttingen, Gunther Klein, einen neuen Versuch. Bei einem Aufenthalt in Paris überredete er sie dazu, in seinem Theater aufzutreten.

Streik in Frankreich

Beinahe hätte das Konzert dann doch nicht stattgefunden. Weil in Frankreich mal wieder gestreikt wurde, kam Barbara erst mit Verspätung in Göttingen an. Hier stellte sie fest, dass in dem Theater, das damals noch in der Geismarlandstraße untergebracht war, statt eines Flügels nur ein einfaches Klavier stand.

Auftritt am Flügel

Sie weigerte sich, unter diesen Bedingungen aufzutreten. Dann passierte etwas, was sie tief beeindruckte: Einige Studenten trieben einen Flügel auf und wuchteten das Instrument auf die Bühne. Mit mehrstündiger Verspätung begann Barbara ihr Konzert. Das Publikum, das geduldig ausgeharrt hatte, feierte sie frenetisch.

Abschiedskonzert

Während ihres dreitägigen Aufenthalts in Göttingen besuchte sie unter anderem das Haus der Gebrüder Grimm. Am letzten Nachmittag kritzelte sie im Garten des Theaters das „Göttingen“-Lied nieder, das sie noch am gleichen Abend bei ihrem Abschiedskonzert vortrug. Es handelt von den Studenten und von den Märchen, die in Göttingen entstanden sind, von blonden Kindern und den wunderschönen Rosen, die in Göttingen blühen.

Original-Skript

Das Original-Manuskript des Göttingen-Liedes ist in der Ausstellung zu sehen. Später hat sie den Text noch etwas verändert. Das Göttingen-Lied wurde in Frankreich ein riesiger Erfolg und entfaltete eine enorme Wirkung: Es wurde zur Hymne der französisch-deutschen Versöhnung. Barbara beendete später jedes ihrer Konzerte mit diesem Lied. (pid)

Spezielle Stadtführungen

Der Verein Göttingen Tourismus bietet anlässlich der Sonderausstellung eine Themenstadtführung unter dem Titel „Barbara - ein Chanson für Göttingen“ an.

Teilnehmer besuchen bei der anderthalbstündigen Führung eine Reihe von Orten in Göttingen, an denen sich die Chansonsängerin damals aufgehalten hat.

Die Führungen finden am 29. Mai, 19. Juni, 24. Juli, 21. August, 18. September, 16. Oktober und 27. November jeweils um 11 Uhr statt. (pid)

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