Matinee zum Todestag der "Göttingen"-Sängerin

Barbara und die Bühne ihres legendären Auftritts von 1964

Matinee für Barbara: „Es war einmal ein schwarzes Klavier heißt das im Wallstein-Verlag erschienene Buch: links Herausgeberin Andrea Knigge und Übersetzerin Anette Casasus. Foto: Kopietz

Göttingen. Die Sängerin Barbara starb am 24. November vor 20 Jahren. Das Junge Theater lud mit dem Wallstein-Verlag am Sonntag ins Lumiere-Kino.

„Es war einmal ein schwarzes Klavier“, so der Matinee-Titel und der Titel der nun übersetzten unvollendeten Memoiren. Auf der Bühne: drei Tische, drei Stühle, ein Strauß roter Rosen, die JT-Schauspieler Katharina Brehl, Karsten Zinser und Jan Reinartz – und ein (braunes) Klavier.

Katharina Brehl verkörpert die Sängerin Barbara im Theaterstück und liest die sehr persönlichen Gedanken. Zinser und Reinartz übernehmen, fein akzentuiert und verständlich, andere Personen, aber auch die Barbara in besonderen Momenten.

Die Dramaturgie der Lesung ist perfekt, beginnt, wie sie beginnen muss, und auch das Buch beginnt: „Niemals werde ich mehr eine Bühne betreten, ich werde nie wieder singen“ schreibt die kranke Sängerin auf der ersten Seite des Buches, das im Oktober im Wallstein-Verlag erschienen ist.

Matinee für die Sängerin Barbara im Lumiere-Kino: JT-Schauspielerin Katharina Brehl spielt die Barbara im Theaterstück „Es war einmal ein schwarzes Klavier“. Sie las am Sonntag aus dem gleichnamigen Buch, das im Wallstein-Verlag erschienen ist. Foto: Kopietz

Darin schildert Barbara ihre Erinnerungen, die nicht immer exakt der Realität entsprechen. So, dass sie mit dem Zug 1964 zum legendären Auftritt im JT – auf eben jener Lumiere-Bühne – anreiste. Sie flog nach Langenhagen und wurde mit dem Auto abgeholt. Und ihr Engagement dauerte auch nicht eine Woche, sondern drei Tage in Göttingen.

Diese kleinen Unwahrheiten wurden nicht geglättet. Die Übersetzerin Annette Casasus und Herausgeberin Andrea Knigge (Wallstein) wollten nicht eingreifen, sondern Barbara auch in deren Worten und ihrer Sensibilität, ja und Fehlerhaftigkeit zeigen. Das ist gelungen, ebenso wie die Buch-Gestaltung mit einigen Fotografien in der Mitte, einer Chronologie und den Fußnoten, die wichtige Infos liefern.

Die Lesung, sagt Casasus, ist für sie „die Vollendung der Übersetzung“ – und so ein Kompliment für die drei Vorlesenden. Casasus lobt auch das Barbara-Stück im JT. Peter Christoph Grünberg sei es gelungen, auch mit aktuellen Bezügen und dem Einarbeiten von anderen Liedern, ein Stück zu schaffen, das „Barbara sehr gefallen hätte“.

Die vorgetragenen Zeilen, eingspielte Lieder, das Nachgespräch und nicht zuletzt bewegende Worte des Zeitzeugen Horst Wattenberg machten die Matinee zum schönen Erlebnis, intensiven Gedenken und einer beinahe physischen Rückkehr von Barbara auf die JT-Bühne von 1964.

Die Sängerin Barbara wollte sie übrigens nie sein, sondern nur eine Frau, die Lieder singt – mit dem ganzen Körper, wie zu lesen ist. „Barbara wollte eigene Erfahrungen in ihren Liedern mitteilen“, sagt Übersetzerin Casasus. Mit „Göttingen“ wollte sie denn auch keine Politik machen. Ein starkes Zeichen für die deutsch-französischen Aussöhnung setzte die sich nie verbiegende Frau eher unbeabsichtigt.

Schauspielerin Katharina Brehl erzählt noch, dass sie Ehrfurcht entwickelte, als sie sich mit Barbara beschäftigte. Verständlich. (tko)

„Barbara – Es war einmal ein schwarzes Klavier...“, Hrsg.: Andrea Knigge, Wallstein, 200 S., 19,50 Euro, E-Book 18,90 Euro.

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